Tag Archive for 'Die Sorgen und die Macht'

Zur Inszenierung von »Die Sorgen und die Macht«

Uns wurde freundlicher Weise gestattet, den folgenden Austausch des Theaterregisseurs Manfred Dietrich mit dem Dramaturgen Claus Caesar zu veröffentlichen. Herr Dietrich hat selbst Hacks inszeniert, Herr Caesar war maßgeblich an der Aufführung von »Die Sorgen und die Macht« am DT in Berlin beteiligt:

Sehr geehrter Herr Caesar,

habe mich sehr über die Aufführung “Sorgen und die Macht ” gefreut.

‘Zur Inszenierung von »Die Sorgen und die Macht«’  »

Sammlung zu »Die Sorgen und die Macht«

Am 4. September hat »Die Sorgen und die Macht« von Peter Hacks am Deutschen Theater in Berlin in der Regie von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner Premiere. Dass es sich um ein gesellschaftlich-politisches Ereignis handelt, ist schon jetzt klar.

Wir dokumentieren hier alle relevanten Beiträge rund um die Inszenierung, die uns zugänglich sind.

Für eine solide Auseinandersetzung mit »Die Sorgen und die Macht« empfehlen wir das neueste Heft des ARGOS, in dem in vier Essays Stück und Skandal umfassend behandelt werden.

17.9.2010 - Evelyn Finger in DIE ZEIT: »Solche Flüche tun uns gut. Das Deutsche Theater spielt Peter Hacks’ “Die Sorgen und die Macht” als Groteske zur Deutschen Einheit.«

17.9.2010 - Und Gunnar? Wo bleibt Gunnar? Ah, hier: »Peter Hacks, der selbsternannte Klassiker [...], der es derzeit – und nicht nur unter Stalinisten, sondern auch bei FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher – wieder zu hohem Ansehen bringt [...]«

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Die Premiere von »Die Sorgen und die Macht«

Gestern fand im Deutschen Theater Berlin die Premiere von »Die Sorgen und die Macht« statt. Felix Bartels wird im kommenden Argos eine ausführliche Kritik zu dieser Inszenierung veröffentlichen. Für die Peter Hacks Seite hat er einen ersten Bericht von der Premiere am gestrigen Abend angefertigt, den wir hier einstellen:

Nudge-and-Wink-Parade

Daß man nach gefühlten 200 Jahren an den Bühnen des DT wieder einen Hacks gibt, ist ein Ereignis, dem man nicht anders als mit Freude begegnen kann. Daß man den Hacks dort auf eine Weise gibt, die wenig mit dessen Vorstellungen von Theater zu tun hat und dafür viel mit denen unserer Zeit, ist etwas, das man erwarten konnte. Jürgen Kuttner und Tom Kühnel haben die Erwartungen übertroffen, indem sie sie enttäuscht haben. Man steht ein bißchen davor wie Hacksens Ascher, zufrieden und unzufrieden zugleich: »Ich habe es gewollt, und ich habe es bekommen, und ich habe es nicht so bekommen, wie ich es gewollt habe – das versteht sich ja für uns Menschen von selbst.« Fröhlich resigniert eben, und ich scherze nicht. Wenn der Preis der Aneignung des Dichters Hacks der ist, daß die Zeit ihn auf ihre Weise aneignet, dann soll es sein. Freilich muß sie sich dann auch gefallen lassen, daß man ihre Ergebnisse mit denen anderer Zeiten vergleicht. Erfolg rechtfertigt vieles, Mißerfolg ist nicht zu rechtfertigen.

Der andere Hingucker ist Jürgen Kuttner. ‘Die Premiere von »Die Sorgen und die Macht«’  »

Ein Stück über die Zukunft von morgen

Ob es, wie gesagt wurde, die Hacks-Meldung des Jahrzehnts ist, bleibe dahingestellt. Eine Sensation jedenfalls ist es: Das Deutsche Theater in Berlin wird am 4. September 2010 Hacks’ Stück »Die Sorgen und die Macht« zur Aufführung bringen.

Was ist hieran sensationell? Das DT war lange Jahrzehnte die Leitbühne der DDR und ursprünglich Hacks’ Hausbühne. Nach seinem Gang in die DDR im Jahr 1955 arbeitete er zunächst als Dramaturg am Berliner Ensemble, 1960 ging er an das DT. 1958 hatte Hacks das Stück »Die Sorgen und die Macht« geschrieben, von dem mehrere Versionen entstanden, deren endgültige 1962 am DT zur Aufführung kam: Die Inszenierung wurde der Theaterskandal der DDR, die Diskussionen wurden quasi Staatsangelegenheit, das Stück wurde schlussendlich abgesetzt, für viele Beteiligte, so den Intendanten Wolfgang Langhoff, hatten die Vorgänge erhebliche Konsequenzen, Hacks verließ das DT 1963 und arbeitete fortan als freier Autor.

Im soeben erschienenen sechsten Band des Hacks-Journals ARGOS haben wir die Vorgänge mit vier Essays umfassend dokumentiert und diskutiert. Einer unserer Autoren ist Alexander Weigel, der von 1964 bis 2001 Dramaturg am DT war und die Geschehnisse aus der Perspektive des Theaters beschreibt.

‘Ein Stück über die Zukunft von morgen’  »

Schwerpunkt: »Die Sorgen und die Macht«

Nach einiger Verspätung ist die neue Ausgabe des Hacks-Journals ARGOS ab sofort lieferbar. Wir dokumentieren hier das Editorial aus diesem Band:

»Aber der Blitz soll mich zersägen, wenn ich begreife, wie das alles so
schnell mit mir bis hierhin gekommen ist.«

1958 begann Peter Hacks mit der Ausarbeitung eines Stücks, das sich mit der Produktion von Waren in der DDR befasst und zu dem Schluss kommt, dass der Sozialismus die Voraussetzungen dafür bietet, einerseits die industrielle Produktivität und dadurch den gesellschaftlichen Wohlstand massiv zu steigern und andererseits die daraus resultierenden politischen, sozialen und privaten Probleme auf hohem Niveau im Sinne von Staat undMenschen zu lösen. »Die Sorgen und die Macht«, aus dem das Eingangszitat stammt, wurde der Theaterskandal der DDR: Die Parteiführung schien nicht hören zu wollen, was ein Dichter aus Westdeutschland ihr zutraute.

‘Schwerpunkt: »Die Sorgen und die Macht«’  »

Die Sorgen und die Reformdebatte

Die Frage, warum das Hacks-Stück „Die Sorgen und die Macht“ für einen Skandal sorgte, wird auch in dem Internetforum cosmiq diskutiert. Dort erläutert ein Leser namens Morten die Hintergründe für diesen Eklat folgendermaßen:

Hallo,

die DDR war zu diesem Zeitpunkt mit einigen Problemen konfrontiert; ein Wirtschaftswunder à la BRD blieb aus, viele Ostdeutsche flohen in den Westen. (1961 wurde deswegen ja auch die Mauer gebaut.) Die SED wollte daher logischerweise die sozialistische Literatur fördern – eine Literatur, die die DDR und ihre Führung nicht in Frage stellte. Hacks war über lange Zeit ein Schriftsteller, der sich durchaus mit der DDR identifizierte, ihr aber nicht unkritisch gegenüber stand. In „Die Sorgen und Macht“ schildert er die Mühe und die Widersprüche des Aufbaus einer neuen Gesellschaft in der DDR, was ihm die Kritik einiger SED-Oberen einbrachte. Daher geriet er in Schwierigkeiten, was ihn aber nicht davon abhielt, weiter für die DDR zu schreiben.

Gruß, morten345

Hacks war mit seiner gesellschaftlichen Kritik am Beginn der Sechzigerjahre nicht allein. Elmar Altvater und Raul Zelik zeigen dies in ihrem Dialog, den sie in dem Buch Vermessung der Utopie veröffentlicht haben, auf. Altvater meint:

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Eine Frage des politischen Standorts

Auf dem Portal Hausarbeiten.de steht eine Ausarbeitung von Lutz Getzschmann zu Peter Hacks’ „Die Sorgen und die Macht“ als Download zur Verfügung.

Getzschmann untersucht darin, warum das Stück für einen Theaterskandal sorgte, das sich – wie er feststellt – „im Wesentlichen um die Behandlung der gesellschaftlichen Widersprüche in der DDR und den politisch-künstlerischen Umgang mit diesen“ gedreht habe:

Während Hacks´ Haltung der DDR gegenüber als bürgerlich und seine Charakterisierung der Figuren im Stück als scheindialektisch charakterisiert wurde, nahm die westdeutsche Literaturkritik dies abwechselnd und je nach politischem Standort zum Anlass, entweder „Die Sorgen und die Macht“ eine fundamentalkritische Brisanz zu unterstellen, die der Autor zumindest so nicht beabsichtigt hatte, oder in Häme zu verfallen ob der offensichtlichen Unfähigkeit der SED-Führung, ein Theaterstück als konstruktiv-kritisch den Aufbau des Sozialismus begleitend und bejahend zu akzeptieren, dessen Autor keinen Zweifel an seiner der DDR positiv gegenüberstehenden politischen Haltung gelassen hatte.

Die Ausarbeitung mündet in einer Einschätzung, ob Peter Hacks seinen eigenen Anforderungen gerecht wurde, den „Umwälzungsprozess einer Gesellschaft hin zum Sozialismus“ literarisch zu unterstützen – heißt es im Abstract zur Seminararbeit.