Tag Archive for 'Der Schuhu und die fliegende Prinzessin'

Schimanski überzeugt

Johannes Bruggemaier bespricht die Bremer Inszenierung von „Der Schuhu und die fliegende Prinzessin“ ausführlich und geradezu rühmend:

Es ist eine fantastisch bunte Welt, in der Hacks subversiv gängige Herrschafts- und Wirtschaftsmuster karikiert. So muss natürlich die rührselige Lovestory, die sich zwischen dem Schuhu und einer Prinzessin (Carina Gerwig) entspinnt, ein ernüchterndes Ende finden: Die Schöne erliegt dem Reichtum eines schmierigen Unternehmers. „Starosta Shipping“ heißt dessen Firma, und ihr blaues Logo erinnert verdammt stark an eine bekannte Bremer Reederei.

Ein großartiges Stück, ein bemerkenswerter Hauptdarsteller, ein im Wesentlichen überzeugendes Regiekonzept. Hätte Schimanksi nur halb so viele Popsongs trällern lassen: Der Abend wäre grandios geworden.

Nach Irmers Besprechung allerdings wissen wir, dass man das mit den Popsongs auch anders sehen kann.

Merkwürdigerweise von der FAZ

Aufgrund von unerwarteten Schwierigkeiten und der für die Leipziger Buchmesse notwendigen Arbeiten hat die Bremer Inszenierung von Der Schuhu und die fliegende Prinzessin auf dieser Seite bei weitem zu wenig Beachtung gefunden. Wir holen dies, wie manches, jetzt umgehend nach.

Thomas Irmer hat auf nachtkritik.de eine etwas impressionistische, aber absolut lesenswerte Besprechung vorgelegt:

Dass Peter Hacks wieder salonfähig ist, wurde merkwürdigerweise von der FAZ angestiftet. Selbst seine kühnsten Bemerkungen zum Untergang des Sozialismus und Sieg des Kapitals werden heute von einer Bewundererphalanx goutiert, die vom konservativen Martin Mosebach bis zum neulinken Dietmar Dath reicht. Nur die Theater haben bislang das Niveau der Debatte unterschätzt, die natürlich auch auf die Neuentdeckung seines Werks aus ist.

Die Bewunderer werden goutieren, dass sie als Phalanx wahrgenommen werden.

Sozialistisch-Märchenhaftes in Bremen

Mehr und mehr werden die Kleinbühnen in Deutschland zu den zentralen Trägern der Theaterkultur. Kein Wunder, müssen sie doch in der Hauptsache von den verkauften Karten leben und spüren sehr genau, was gutes Theater ist und was nicht.  Da ist wenig Raum für Illusionen. Ein gutes Beispiel ist das Concordia in Bremen.

Man geht Risiken ein und bringt Heiner Müller - und Peter Hacks.

Der Schuhu, ein hochintelligenter Vogelmensch, erlebt auf seinen Reisen durch die Welt viel Furchtbares: angstgesteuertes Duckmäusertum der Untertanen, absurd-menschenverachtende Eitelkeit der Herrschenden, Engstirnigkeit der Gelehrten. Krieg verheert das Land, Not und Leiden allerorten. Kein Mensch kann dem Elend entrinnen, nur der Schuhu als Mensch der Zukunft durchschaut die Ränke der Obrigkeit und überwindet das Übel. Schließlich trifft er die flatterhaft-liebliche fliegende Prinzessin, eine schicksalshafte Begegnung – bis auch sie den süßen Versuchungen des imperialistischen Großkapitalismus erliegt und der Schuhu seine Reise allein fortsetzt. Doch was wäre ein Märchen ohne Happy End?

Premiere ist am 18. März um 19:30 Uhr. Am 12. März findet um 19:30 Uhr eine öffentliche Probe statt. Am 13. März lädt das Theater um 19:30 Uhr zu einer Soirée: Der Regisseur Patrick Schimanski, der Literaturwissenschaftler Thomas Irmer und der Verleger André Thiele werden versuchen, in freier Diskussion zu dem Stück hinzuleiten.