Zu Hacks

Leben & Werk

Peter Hacks wurde am 21. März 1928 in Breslau als Sohn eines bekannten Rechtsanwaltes geboren. Seine Eltern waren aktive Sozialisten und betätigten sich in der Nazi-Zeit antifaschistisch. Hacks selbst war ein von den Nazis so genannter „Swingbubi“, er trug auffällige Kleidung, hörte amerikanische Musik und verhielt sich demonstrativ unangepasst. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges versuchte er, sich dem Wehrdienst zu entziehen und geriet dabei in Gefangenschaft der Waffen-SS, der er aber entkam.

In den Kriegswirren wurde die Familie getrennt. Hacks legte 1946 in Wuppertal sein Abitur ab und ging dann nach Dachau bei München, wo sich die Familie wieder bei dem fünf Jahre älteren Bruder von Hacks vereinte, der 1946 in München zum Physiker promoviert worden war.

Hacks selbst studierte ab 1947 an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität Neuere Deutsche Literatur, Theaterwissenschaft, Philosophie und Soziologie. 1951 schloss er das Studium mit der Promotion ab. Schon im Studium hatte er angefangen zu schreiben, vor allem Arbeiten für das Kabarett, mit denen er auch selbst auftrat; von 1951 bis 1955 lebte er als freier Schriftsteller in München und knüpfte Kontakte mit James Krüss, mit dem ihn eine lebenslage Freundschaft verband,  Erich Kästner, Bertolt Brecht und Thomas Mann. In dieser Zeit festigte sich Hacks’ politische Gesinnung. 1953 fragte er Brecht, ob es ratsam sei, in die DDR zu ziehen. Brecht antwortete ausweichend.

1954 erhielt Peter Hacks für sein erstes aufgeführtes Drama Eröffnung des indischen Zeitalters den damals angesehenen Dramatiker-Preis der Stadt München.

1955 zog Hacks, inzwischen mit der Schriftstellerin Anna Elisabeth Wiede verheiratet, in die DDR und ließ sich mit Hilfe Brechts in Berlin nieder, wo er zunächst für dessen Berliner Ensemble arbeitete. Eine ständige Zusammenarbeit zwischen ihm und Brecht ergab sich allerdings nicht, später hat Hacks betont, Brecht habe nur einen geringen Einfluss auf ihn gehabt.

Ab 1960 arbeitete Hacks als Dramaturg am Deutschen Theater Berlin, an dem mehrere seiner Stücke aufgeführt wurden. Im Intendanten Wolfgang Langhoff hatte er einen bedeutenden Fürsprecher. Als die Inszenierung seines Stücks Die Sorgen und die Macht 1962 auf heftige Kritik führender Funktionäre der SED stieß, gab Hacks 1963 seine Stellung als Dramaturg am Deutschen Theater auf und lebte fortan als freischaffender Schriftsteller.

Zur gleichen Zeit, da sich der Skandal um Die Sorgen und die Macht ereignete, feierte Hacks mit Der Frieden (nach Aristophanes) seinen ersten großen Theatererfolg. Es folgten mit Die schöne Helena (1964, nach Henri Meilhac und Ludovic Halévy, Musik: Jacques Offenbach), Amphitryon (1967), Adam und Eva (1972) und Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern (1973, nach Johann Wolfgang von Goethe) große Theatererfolge auf den Bühnen der DDR und auch der BRD.

Sein Stück Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe (1974) wurde ein Welterfolg: Es wurde bislang ca. 190 mal auf über 170 deutschsprachigen Bühnen sowie auf fremdsprachigen Bühnen von insgesamt 21 Ländern aufgeführt.

Das Verhältnis der DDR zu Hacks blieb schwierig. Hacks wurde von vielen Funktionären und Dichterkollegen als „bürgerlicher“ bzw. „aristokratischer“ Dichter wahrgenommen, aber ihm wurde durch seine offensichtlichen Erfolge beim Publikum mehr und mehr Anerkennung zuteil: 1964 wurde er in das P.E.N.-Zentrum der DDR gewählt, 1972 in die Akademie der Künste der DDR, 1974 erhielt er den Nationalpreis der DDR zweiter Klasse und drei Jahre später den erster Klasse. Ein Verfolgter ist Hacks in der DDR nie gewesen, obwohl ihm Teile der Bürokratie und der Staatsführung Misstrauen entgegenbrachten.

In der BRD boykottierte man Hacks nach seinem Weggang zunächst, anerkannte aber rasch sein herausragendes Talent. Allerdings nahm man ihn im Westen fast durchweg als DDR-Dissidenten wahr, der von der SED verfolgt würde: Die Konflikte, die Hacks als nicht-parteigebundener Kommunist mit Partei und Staatsführung hatte, wurden als oppositionelle Handlungen interpretiert, die auf eine Abschaffung der DDR zielten, statt sie als solche zu verstehen, die auf eine Weiterentwicklung der DDR ausgingen. Erst als Hacks 1976 in einem Artikel in der ostdeutschen Monatszeitschrift Die Weltbühne die soeben erfolgte Ausbürgerung Wolf Biermanns mit deutlichen Worten begrüßte, wurde er von vielen Vertretern des westlichen wie des östlichen Kunstbetriebs scharf angegriffen und vor allem im Westen systematisch boykottiert.

Das Ende der DDR nahm Hacks nicht zum Anlass, von seiner politischen Überzeugung Abstand zu nehmen. 1991 trat er aus der Akademie der Künste aus und weigerte sich, Teil des entstehenden Kulturbetriebs des vereinigten Deutschland zu sein, wenngleich er nicht aufhörte zu schreiben. Gegen Ende der 1990er Jahre trat er vor allem in der sich neu formierenden, konsequent leninistisch orientierten „Alten Linken“ wieder verstärkt in Erscheinung. Die Ausgaben seiner Essays, seiner Gedichte und der späten Dramen fanden breitere Aufmerksamkeit, allgemein beachtet wurde die vielgelobte Werkausgabe von 2003, die zur Ausgabe letzter Hand wurde.

Hacks starb im selben Jahr in seinem Landhaus in Groß Machnow.

Nachwelt

Hacks war Zeit seines Lebens ein Dramatiker mit außerordentlichem Erfolg beim Publikum, unabhängig von der Meinung der Kulturbürokratie oder des Feuilletons über ihn. Deswegen kamen seine „Gassenhauer“, vor allem „Ein Gespräch im Hause Stein“ und die Dramen nach Aristophanes, Goethe und Offenbach, immer auf die Bühnen, selbst wenn Hacks ansonsten nahezu totgeschwiegen wurde. Den anspruchsvollen großen Dramen insbesondere der späten Periode ab 1974 aber blieb die Uraufführung außerhalb der DDR und teilweise überhaupt verwehrt.

Direkt nach Hacks’ Tod setzte sein später Hausverlag, Eulenspiegel in Berlin, die editorische Arbeit, die er mit der Werkausgabe letzter Hand sowie anderen Hacks-Titeln begonnen hatte, konsequent fort und wurde damit zum Zentrum einer Weiter- und Neubeschäftigung mit Hacks. Insbesondere die Publikation der „Gespräche mit Hacks“ des Hacks-Intimus André Müller sen., die Hacks’ Denken von 1963 bis zu seinem Tod protokollierten, wurden als bedeutende Editionsleistung begrüßt.

Die Publikationen fanden aber kaum Beachtung im Feuilleton, das den Tod des Dichters zwar wahrgenommen, aber auf ihn unsicher und unentschlossen reagiert hatte. Ebenso war auffällig, dass die universitäre Forschung Hacks seit 1976 konsequent mied.

Zwischen 2003 und 2008 fanden sich an verschiedenen Orten Hacks-Freunde zusammen und begannen, das Werk zu diskutieren. Es entstanden die Peter Hacks Seite, das Halbjahresjournal ARGOS und andere Editionen, 2007 dann die Peter Hacks Gesellschaft e.V. und 2009 die Stiftung Neue Klassik.

2008 kam es aus Anlass des 80. Geburtstag zu einer „Renaissance“ im Feuilleton: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung begann zunächst im Alleingang mit einer Serie von Artikeln, eine vermeintlich neue Sicht auf Hacks zu eröffnen, der sich, widerstrebend, aber in beeindruckendem Umfang, viele überregionale Feuilletons anschlossen. Auch der Universitätsbetrieb registrierte Hacks seitdem wieder als lohnendes Forschungsobjekt, was eine deutliche Steigerung wissenschaftlicher Vorhaben zu seinem Werk erklärt.  - Die Bühnen allerdings nahmen diesen Umschwung kaum zum Anlass, neue Hacks-Stücke zu inszenieren.

Die Hacks-Nachwelt gliedert sich derzeit in vier Gruppen:

Die erste Gruppe geht davon aus, dass man Hacks nur als Marxisten verstehen könne, dass er also im Kern zuerst ein Kommunist und dann ein Dichter gewesen sei. Teilweise bezeichnet diese Gruppe nicht-marxistische Interpretationen von Hacks grundsätzlich als falsch.

Die zweite Gruppe geht davon aus, dass Hacks trotz seines Bekenntnisses zum Kommunismus ein wichtiger Dichter gewesen sei, den man als bürgerlich oder liberal geprägter Leser dann nutzbringend rezipieren könne, wenn man seine kommunistische Positionen quasi „überlese“. Teilweise vertritt diese Gruppe auch die Ansicht, dass Hacks trotz seines („Lippen“-)Bekenntnisses eigentlich gar kein Kommunist gewesen sei, sondern in seinem Werk eine konservative Botschaft transportiere.

Eine dritte Gruppe sieht in Hacks weder einen Linken noch einen Rechten, sondern einen Klassiker, also jemanden, der  zuerst und vor allem ein Dichter gewesen sei, den man als solchen in seiner Gesamtheit wahrnehmen müsse, ohne ihn dabei von seiner politischen Position zu trennen. Sie betrachtet Hacks als „klassischen Nationalautor der Deutschen“.

Die vierte, aber zahlenmäßig wohl größte Gruppe nähert sich Hacks nicht von theoretischen Fragen, sondern unmittelbar vom Werk her: Sie sieht in Hacks vor allem den Schaffer leichter und gleichwohl anspruchsvoller Lieder und Gedichte, den präzisen Denker, der eben auch seine Widersprüche habe, und den anregenden und tiefen Poeten.