Peter Hacks schrieb von dem Drama „Die Sorgen und die Macht“ insgesamt drei Fassungen. Die Uraufführung der letzten fand im Oktober 1962 statt. Am Deutschen Theater brachte es Wolfgang Langhoff auf die Bühne, und nur drei Tage später folgte eine Inszenierung des Hans-Otto-Theaters in Potsdam. Dort führte Peter Kupke Regie, und der war gestern, am 27. Januar, bei Karl-Heinz Müller im Max-Lingner-Haus in Berlin-Pankow beim Zeitzeugengespräch, zu der die Peter-Hacks Gesellschaft einmal im Monat einlädt.
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Der Vorwand, das von Siegfried Prokop besorgte Buch „Ulbrichts Favorit. Auskünfte von Alfred Neumann“ auf der Peter Hacks Seite zu besprechen, ist das auf den Seiten fünf bis acht abgedruckte Faksimile eines Briefes Hacks’ an Neumann vom 3. November 1997 sowie des Gedichtes „Das Vaterland“; das ist jenes mit der stimmungsvollen Zeile „Der Erdenwunder schönstes war die Mauer“ …
In für Hacks ganz untypischer Verbindlichkeit endet das Gedicht mit der Widmung „Für Alfred Neumann schrieb ich diese Zeilen.“ Soll den Hacks-Freund nicht interessieren, wer dieser Alfred Neumann war?
Der Vortragsband der ersten wissenschaftlichen Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft e.V. im November 2008, den Kai Köhler unter dem Titel „Staats-Kunst. Der Dramatiker Peter Hacks“ im Auftrag der Gesellschaft soeben vorgelegt hat, kommt rund vierzehn Monate nach dem Ereignis spät; die interaktive Verlags-Ankündigung zeigt aber schon für diesen März den 2009er Tagungsband an, weswegen davon ausgegangen werden darf, dass dauerhaft ein rasches Erscheinen nach Abschluss der hoffentlich weiterhin jährlichen Hacks-Tagung beabsichtigt ist und damit eine brauchbare Hilfe für die effektive Nacharbeit der fleißigen unter den Hacks-Freunden angeboten werden soll und ein zuverlässiges Hilfsmittel für die, die nicht anwesend sein konnten.
Die Beiträge einer wissenschaftlichen Tagung zu einem Buch zusammenzustellen, ist nicht unproblematisch, vor allem im Bereich der Literaturwissenschaft: Sie sind als mündliche Vorträge konzipiert, müssen also ganz anders aufgebaut sein als Essays oder Fachartikel. Sie sind dann entweder schlechte Aufsätze oder schlechte Vorträge; Schwächen, die der mündliche Vortrag verbirgt, kommen unter der Leselampe gnadenlos zum Vorschein, Stärken, die der Vortrag hatte, verlieren sich im Druck. Und: Der Herausgeber ist fast gezwungen, alle Vorträge auch tatsächlich zu bringen, ob sie nun für einen Abdruck taugen oder nicht. Das macht solche „Reader“ für die, die an der Veranstaltung nicht teilgenommen haben, zumeist unattraktiv und verbannt sie auf die Wertstufe von Festschriften: Nice to have, aber nicht unverzichtbar.
Hacks’ Antwort auf den Niedergang der DDR? Orgien! - Aber ich greife vor.
Das Buch, das es zu besprechen gilt, kommt aus dem Hause Eulenspiegel, - will sagen, es ist vorzüglich gemacht. Und der Preis ist wie immer korrekt. Soviel dazu. Außerdem bietet der Band Zeichnungen von Klaus Ensikat, für die man erstaunlicherweise nichts extra berechnet bekommt. Aber: 16 Zeichnungen von Ensikat preist der Verlag an, diese Zahl stimmt nicht; ich habe nachgezählt, es sind 17, wenn man die eigenständige Zeichnung des Covers korrekt mitzählt. Das kritisiert man gern: Dass man mehr bekommt als angekündigt wurde.
Vielleicht habe ich dem Leser zu diesem Buch nichts Besseres mitzuteilen, als ein dummes Vorurteil: Dass es nicht primär um Goethe geht darin, sondern wenigstens gleichberechtigt um Peter Hacks.
Natürlich ist es banal, das zu sagen; ist doch jede ernsthafte und tiefe Beschäftigung mit Goethe heute auch eine Beschäftigung mit Hacks, der sich wie kaum ein anderer ernsthaft und tief mit Goethe beschäftigt hat.
Vorweg aber: Was ist das, eine “Geglückte Balance”? Gibt es denn eine Balance, die nicht geglückt wäre? Eine Balance ist das Gleichgewicht zwischen entgegenwirkenden Kräften; gibt es eine Balance, die ein Ungleichgewicht zwischen entgegenwirkenden Kräften wäre? - Ist der knappe Titel etwa geschwätzig?
Ich bin für eine Rezension des neuesten Müllerschen Werkes denkbar ungeeignet, denn ich liebe Prägnanz über alles und ziehe darum einen, der es in einem Satz sagen kann, jedem, der es in zehn sagen muss, unbedingt vor. Müller kann kurz und er kann auf den Punkt, Sie sehen also: Mein Herz ist an Müller verloren.



