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Jenseits der Mauern

poesie-dalla-ddr1Nicht nur Schwaben zeigt Interesse an ostdeutscher Literatur, sondern auch Italien:  Der Band 100 Gedichte aus  der DDR, den Klaus Wagenbach und Christoph Buchwald herausgegeben haben, ist ins Italienische übersetzt worden. Das vermeldet Isbn Edizioni aus Italien:

A vent’anni dalla caduta del Muro, uno sguardo sulla ddr attraverso le poesie, le elegie, gli inni, le ballate e le filastrocche più belle, quelle famose e quelle sconosciute, quelle ufficiali e quelle proibite. Da Bertolt Brecht a Heiner Müller, da Wolf Biermann alla scena di Prenzlauer Berg. Divisa in tre sezioni, più un prologo e un epilogo, questa antologia ci porta a spasso attraverso quarant’anni di storia tedesca, dalle prime poesie antifasciste al surrealismo e alla satira degli anni ottanta; dalle speranze degli inizi al commiato della Svolta nel 1989. Ne risulta un quadro quotidiano e multiforme della ddr in cui non ci è dato sapere quali fossero le poesie vietate né quali fossero i poeti dichiaratamente di Partito – al lettore il compito di provare a tracciare la linea di frontiera tra i due mondi: quello esibito della dittatura e quello nascosto della dissidenza. Questa raccolta ispeziona e racconta l’eredità culturale di quel „Paese dei libri”, dove in ogni cittadina sorgeva un teatro e in cui ogni grande azienda o caserma disponeva di una biblioteca.

Pop und Propaganda

heiser-sommer„Heißer Sommer – coole Beats“ heißt ein Tagungsband zur medialen Präsentation von Pop in der DDR, der wissenschaftlich hinterfragt, „wie die verschiedenen Medien der DDR die mediale Vermittlung von Popkultur geleistet und zugleich beeinflusst haben“, so der Informationsdienst Wissenschaft (IDW) über das Buch. „Thematisiert wird Populärkultur als Alltagskultur in der entsprechenden politisch-ideologischen Rahmung“, so der Herausgeber Thomas Wilke. Natürlich nahm der staatliche Rundfunk der DDR als größter Musikproduzent und stärkstes Distributionsmedium von Popmusik einen besonderen Stellenwert in der DDR ein, was sich auch in dem Band niederschlägt, bemerkt der IDW:

Die Frage der Vermittlungsleistung des Hörfunks und des angebotenen Programms war ganz entscheidend für die kulturpolitische Sedimentierung eigener Werteskalen und ideologischer Vorstellungen.

In diesem Zusammenhang widmet sich Rainer Bratfisch – ausgehend vom starken Unterhaltungs- und Tanzbedürfnis nicht nur der Jugend nach dem Zweiten Weltkrieg - der Entwicklung des Jazz in der DDR und seiner indifferenten Position in den lange währenden kulturpolitischen und propagandistischen Auseinandersetzungen in den 50er Jahren. Die enge Verbindung zwischen Musik und Literatur wird deutlich, wenn Bratfisch auf Peter Hacks eingeht und dabei die zeit- und systemübergreifenden Thematiken und Qualitäten herausstellt, die die Werke von Hacks für den Jazz auch heute noch haben.

Vorschusslorbeeren für „Der Geldgott“

„Eine intelligente Betrachtung der Gegenwart auf der Bühne“, meint die Die Ostsee-Zeitung meint über die Inszenierung des Hacks-Stücks „Der Geldgott“ von Jürgen Kern.

Als er dem Intendanten im Oktober seine Zusage gab, das vergnügliche Gegenwartsstück zu inszenieren, wusste er noch nicht, „dass es wahnsinnig schwer wird“. „Weil Hacks sehr intelligente, aber nicht umgangssprachliche Texte mit Bezüglichkeiten und Anspielungen schreibt“, nennt Kern einen Aspekt der Herausforderung für Schauspieler und Regisseur. Hinzu kommt, dass die Mimen – Eleven im 4. Jahr – mit goldenen und andersfarbigen Masken auf der Bühne stehen. „Für den Betrachter erhöht das den Schauwert, für die Darsteller war es eine weitere Herausforderung. Das macht es aber so reizvoll“, findet Kern.

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Platte Klischees

Das Tourneetheater Der Grüne Wagen tourt noch immer. Über ein Gastspiel in Hilden ist die Rheinische Presse wenig begeistert:

Um es kurz zu machen: Diese über-englisch anmutende Komödie aus der Feder des nicht unbekannten deutschen Bühnenautors Peter Hacks, der sie 1967 unter dem Pseudonym Saul O’Hara schrieb, war eine Art Diät. Unglaubwürdige Story. Das lag sicher nicht an den routinierten Schauspielern, allen voran Thomas Stroux als Oberst Brocklesby (und Regisseur) und Robert Rigler als typisch-britischer Butler Perkins, sondern an einer ziemlich unglaubwürdigen Story, die heutzutage eher verstaubt wirkt.

Hacks, die Frauen und das Lexikon

Eine Ankündigung zur Leipziger Buchmesse im März:

Am 21.3. lädt der VAT Verlag André Thiele aus Anlass von Hacks’ 82. Geburtstag um 10.30 Uhr zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion auf der Leipziger Buchmesse ein. Die Hacks-Gelehrte Heidi Urbahn de Jauregui wird einen Vortrag zum Thema „Hacks und die Frauen“ halten, anschließend werden sie und der Autor des für den Herbst 2010 angekündigten Hacks-Lexikons, Felix Bartels, das Thema diskutieren und Fragen des Publikums beantworten. Die Moderation hat André Thiele. Der Veranstalter ist „Leipzig liest“, man trifft sich im Forum „buch aktuell“ in der Messe-Halle 3 am Stand E405, der Eintritt ist frei.

Kurzmeldungen – Januar 2010

Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

Peter Hacks

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Die Sorgen und die Reformdebatte

Die Frage, warum das Hacks-Stück „Die Sorgen und die Macht“ für einen Skandal sorgte, wird auch in dem Internetforum cosmiq diskutiert. Dort erläutert ein Leser namens Morten die Hintergründe für diesen Eklat folgendermaßen:

Hallo,

die DDR war zu diesem Zeitpunkt mit einigen Problemen konfrontiert; ein Wirtschaftswunder à la BRD blieb aus, viele Ostdeutsche flohen in den Westen. (1961 wurde deswegen ja auch die Mauer gebaut.) Die SED wollte daher logischerweise die sozialistische Literatur fördern – eine Literatur, die die DDR und ihre Führung nicht in Frage stellte. Hacks war über lange Zeit ein Schriftsteller, der sich durchaus mit der DDR identifizierte, ihr aber nicht unkritisch gegenüber stand. In „Die Sorgen und Macht“ schildert er die Mühe und die Widersprüche des Aufbaus einer neuen Gesellschaft in der DDR, was ihm die Kritik einiger SED-Oberen einbrachte. Daher geriet er in Schwierigkeiten, was ihn aber nicht davon abhielt, weiter für die DDR zu schreiben.

Gruß, morten345

Hacks war mit seiner gesellschaftlichen Kritik am Beginn der Sechzigerjahre nicht allein. Elmar Altvater und Raul Zelik zeigen dies in ihrem Dialog, den sie in dem Buch Vermessung der Utopie veröffentlicht haben, auf. Altvater meint:

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Reihe sieben bis neun für die Firma

Peter Hacks schrieb von dem Drama „Die Sorgen und die Macht“ insgesamt drei Fassungen. Die Uraufführung der letzten fand im Oktober 1962 statt. Am Deutschen Theater brachte es Wolfgang Langhoff auf die Bühne, und nur drei Tage später folgte eine Inszenierung des Hans-Otto-Theaters in Potsdam. Dort führte Peter Kupke Regie, und der war gestern, am 27. Januar, bei Karl-Heinz Müller im Max-Lingner-Haus in Berlin-Pankow beim Zeitzeugengespräch, zu der die Peter-Hacks Gesellschaft einmal im Monat einlädt.

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An Klassiker anknüpfen

Der Eulenspiegel-Verleger Matthias Oehme im Gespräch mit dem Börsenblatt über die Entwicklungen in seinem Hause. Er erklärt die Vorzüge der Vielfalt, bei der auch Werke von Hacks geraten in den Fokus, und zwar mit dem Kinderbuchverlag und dem Aurora Verlag:

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Brillant und eigensinnig

konigin_dreckUnsere Zeit, die Wochenzeitung der DKP, bespricht von Ronald M. Schernikau  „Königin im Dreck“, aus dem Nachlass herausgegeben von Thomas Keck im Verbrecher Verlag. Wie sollte es auch anders sein, der Rezensent Mathias Meyers sieht in Schernikau einen untergegangenen Stern – rot und fünfzackig wird er gewesen sein, wenn auch nicht sonderlich linientreu:

Die Texte sind eine Fundgrube der Schernikauschen Betrachtung und Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Seine Beschreibungen sind präzise, sein Stil ist so eigensinnig wie brillant. Jeder Text, jedes Interview, jede Gedichtinterpretation eröffnet dem Leser eine erhellende, dabei oft auch heitere Sicht auf den behandelten Stoff. Die souveräne Haltung des Autors und sein sprachliches Können, seine Kunst lassen dem Leser keine Wahl - er ist nach der Lektüre unweigerlich klüger als zuvor.

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Die Fliege am Bett des kranken Mannes

dichterliebeDer SWR2 bespricht von Heidi Urbahn de Jauregui den Roman Dichterliebe, der von der Liebe zwischen dem todkranken Heinrich Heine und einer Frau, die er „Mouche“ nennt, zu Deutsch „Fliege“. Dahinter verbirgt sich die 1825 in einem sächsischen Dorf Geborene Johanna Christina Müller, die sich später Emilie Adolphine Elise Krinitz nennt.

„An Heines Bett wird sie zur Person der Literaturgeschichte“, konstatiert Immo Sennewald, der Autor des Features.

Sie liest ihm vor, schreibt Briefe, übersetzt, da sie besser Französisch spricht als Heine, versucht sich sogar an französischen Nachtdichtungen seiner Verse, vertraut ihm eine erste Novelle an. Der Dichter schreibt ihr:

„Ich liebe Dich sehr und denke viel an Dich, du Süßeste. Die Novelle hat mich gar nicht ennuyiert und gibt gute Hoffnung für die Zukunft. Du bist nicht so dumm wie Du aussiehst, zierlich bist du über alle Maßen, und daran erfreut sich mein Sinn.“

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Genie hin oder her

Michael Gratz gibt sich als Herausgeber der Lyrikzeitung & Poetry News zu erkennen. Dort erschien ein Zitat über Hacks aus einem fast drei Jahre alten Artikel des Magazins Literaturen, den Google kürzlich noch einmal als News versendet hat. Gratz stellte dazu eine Frage und antwortet gern selbst.

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Kalte Konserve

Der Artikel ist fast drei Jahre alt und taucht nun noch einmal in dem Blog Lyrikzeitung auf. Stephan Wackwitz schrieb in dem Magazin Literaturen über Peter Hacks und kanzelte seine Dichtung als „preußisch-sozialistischen Staatsrokoko“ ab:

Der kommunistische Schriftsteller Peter Hacks hat seine geniale Lyrik, seine anregend skurrilen Essays und seine leider sterbenslangweiligen Dramen zeitlebens unter dem Einfluss eines narzisstischen Phantasmas geschrieben: Er war heimgesucht von der Vorstellung, der Molière oder Goethe des ersten sozialistischen Staates zu sein. Diese phantasmatische Identifikation mit der deutschen oder der französischen Klassik findet sich als (meist ironisch-kokette) Anspielung überall dicht unter der Oberfläche seines Werks und der zahlreichen darin verstreuten Selbstdeutungen.

Der Blogger ohne Namen fragt nun, ob man das vielleicht auch umgekehrt sehen könne: geniale Dramen, überschätzte Lyrik? – und wartet auf eine Antwort.

Der Geschmack der guten Küche

scherbenDas Blog Gastrosophie lobt André Thieles Essayband Die Welt in Scherben, und das hört sich so an: „Kurzum ein Buch, dessen Lektüre den Leser mehr gibt als bloße Worte. Es ist anregend, klug, prägnant. Mit anderen Worten: ein Buch zum Genießen.“

Aber damit ist das Resümee der Besprechung schon vorweg genommen:

Vielleicht noch ein Wort zu den Essays. Sie kommen mit einer Wucht um die Ecke, die man sonst nur von Hacks gewohnt war. Zugleich regen sie durch ihre Form der Gedankensplitter den Leser zum eigenen Nachdenken an. Denn was Thiele über die Gewürze zu berichten weiß, speist sich nicht einfach aus dem Nacherzählen.

Natürlich geht es auch ums Essen.

Als die orientalischen Gewürze Mode wurden und der Adel wie süchtig nach ihnen verlangte, wurde der Aufstieg des Bürgertums besiegelt. Der Adel zahlte ernorme Summen für die Gewürze, die er zugleich in verschwenderischem Umfang genoss. Er fraß sich gewissermaßen in seinen eigenen Untergang hinein und betäubte durch die Stimmungsaufhellende Wirkung der Gewürze die klare Sicht auf den unaufhaltsamen eigenen Niedergang.

Was der Teufel alles träumt

In Leipzig singt am Samstag Gina Pietsch Hacks-Vertonungen. Hannes Zerbes begleitet die eigentliche Brecht-Interpretin dazu am Piano. Das Album zum Konzert heißt „Was träumt der Teufel“ und ist bei Eulenspiegel erschienen.

Die Leipziger Termine kündigen einen besonderen Abend an:

Über Träume und die Frage nach ihrer Realisierung, über Leben und Kunst eines großen Mannes, der einer der unseren wurde, ein Kind Berlins und seiner Umgebung, was ihm nicht in die Wiege gelegt war. Sinnlich in den Liebesgedichten, spaßig für die Kinder und vernunftgierig bis in Zeiten hinein, da der mainstream anderes vorzieht.

Der Auftritt findet im Polstergeschäft „Kallenbach“ statt. Für angenehme Bestuhlung dürfte gesorgt sein.