Autorarchiv für StO

Kurzmeldungen – Februar 2010

Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

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‘Kurzmeldungen – Februar 2010′  »

Wenn sich einer auf die Suche macht

Ojemine - Opablogger jammert, weil er seinen Hacks nicht hat:

So sehr ich Peter Hacks schätze, so wenige seiner Werke kenne ich, besitze ich. Ich besitze sie nicht, weil ich nicht hunderte Euro für einige Werke-Bände aufbringen kann und will (selbst wenn sie es dreimal wert wären). Und ich kenne sie nicht, weil Hacks in allen Bibliotheken von den bedeutenden der schlechtest vertretene Autor ist.

Es gibt sie also noch, die Unterschiede zwischen Osten und Westen. In einer ostdeutschen Bibliothek wäre ihm das sicherlich nicht passiert. Opablogger erzählt auch, warum er gerade heute auf den Hacks gekommen ist. Er las nämlich eine Notiz in der jungen Welt zu einer Aschermittwochsveranstaltung, die das Feuilleton-Ressort geradezu poetisch mit „Ascher gegen Jahn“ eingeleitet hatte:

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„Berlinische Dramaturgie“ bei Aurora

Die Gesprächsprotokolle der von Peter Hacks geleiteten Arbeitsgruppe Berlinische Dramaturgie dokumentieren Theatergeschichte. Der Aurora Verlag gibt sie im März in fünf Bänden heraus. Im Pressetext heißt es:

Wie macht man ein Drama? Was will das Theater? Was will das Publikum? Peter Hacks (1928-2003) diskutiert zwischen 1972 und 1990 mit gescheiten Künstlern und Wissenschaftlern an der Akademie der Künste immer wieder diese Fragen. Hacks zeigt sich als brillanter Diskutant, Moderator und Pädagoge. In der gelösten, dem Gegenstand zugewandten Atmosphäre der Gespräche wird über den Gegenstand Kunst so unakademisch-heiter und wissend-kontrovers gehandelt wie kaum je. Die hier vollständig edierten und kommentierten Protokolle machen eine einzigartige ästhetische Debatte des 20. Jahrhunderts erstmals zugänglich.

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Therese Giehse

Ein kleiner Vorgeschmack: 21. Dezember 1976, Hacks’ „Neues von Biermann“ war gerade in der „Weltbühne“ erschienen – es treffen sich die Herren Baierl, Hacks, Kerndl, Kohlhaase, Rücker und Mittenzwei und als Mitarbeiterin der Sektion Frau Dr. Pick zum Gespräch über Büchners „Dantons Tod“:

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Wolfgang Kohlhaase

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„So ist es eben“

Nachdem der Nordkurier bereits eine Probe von Jürgen Kerns Inszenierung „Der Geldgott“ gesehen hat, folgt nun ein Premierenbericht:

„Das Geld verdient sich selbst“, lehrt ihn der goldige Geldgott Pluto (Reiko Rölz), der – von göttlich verordneter Erblindung und Gleichmacherei geheilt – den Reichtum nun wieder dorthin verteilen kann, wo schon welcher ist.

Hacks provoziert mit dem Stück nicht nur gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern auch gegen die Künste in Zeiten der Gier:

Und der intelligente Stichler Hacks gönnt sich dazu gleich noch ein Porträt der Kunst und anderer Leidenschaften unter der Allmacht des Marktes: Wer zahlt, hat das letzte Wort.

In diesem Fall – süffisante Persiflage auf den in antiken Dramen die Volksmeinung abbildenden Chor - der Betriebsrat Herr Kohr (Rainer Karsitz) als einziger Abgesandter eines Unternehmens, das die Vorstellung gekauft hat.

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Fifine verkauft!

„Der Geldgott“ von Peter Hacks feierte am Samstag in Frankfurt am Main im freien Theater an den Landungsbrücken Premiere. Darüber schreibt die Frankfurter Neue Presse:

Wo das Geld knapp ist, verlieren Liebe und Ehre an Bedeutung. Dabei schien das Schicksal es gut mit ihm zu meinen, schickte es ihm doch den blinden Geldgott Pluto. Chremylos investierte in dessen Heilung und verließ sich darauf, reich belohnt zu werden. Doch sehenden Auges zieht Pluto die Gesellschaft Lüsterblicks und seiner «Geschäftspartnerin» Frau Beutelrock vor, die das Leben ohne Arbeit zu feiern wissen. Der durch Fehlinvestition in Finanznöte geratene Töpfer verkauft Fifine an Lüsterblick und nimmt darüber hinaus Kredit bei Beutelrock. Am Ende ist er reich, aber innerlich leer.

Das Fazit über die Inszenierung von Paradiesmedial fällt lobend aus:

Wieder einmal raffiniert und experimentierfreudiges Raumtheater, bei dem Detlev Nyga den Geldgott tänzerisch und bigott gibt, Mario Krichbaum als Chremylos und Svenja Assmann (Fifine) eine unheilige Paar-Allianz eingehen. Sandra Lührs Goldsträhnen verpassen der Fortuna den rechten Schliff, während Lüsterblick (Paddy Twinem) und Beutelrock (Ariane Klüpfel) ein frivoles Paar geben. Theaterchef Linus Koenig ist als Khor der Joker im Spiel.

Müller spricht Krempel

Die Hacks-Gespräche mit Karl-Heinz Müller, dem ehemaligen Chefdramaturgen am Deutschen Theater und langjährigen Arbeitspartner von Benno Besson, haben ein neues Zuhause gefunden: Die Abende finden nicht mehr im gemütlichen Berlin-Pankow, sondern in der Inselgalerie an der lauten Torstraße 207 in Mitte statt.

Am Mittwoch, den 24. Februar, empfängt Karl-Heinz Müller dort Wolfram Krempel. Die veranstaltende Peter-Hacks-Gesellschaft schreibt dazu:

Der Absolvent der Schauspielschule Berlin aus dem Jahre 1957 und Schüler von Wolfgang Heinz kann als Regisseur u.a. im Maxim Gorki Theater, als Oberspielleiter im Stadttheater Bern und als Intendant des Theaters Ingolstadt auf ein reiches und ertragreiches Theaterleben zurückblicken.

Krempels Inszenierung von „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ lief 1976 im Maxim Gorki Theater und mündete 1979 in eine Fernseh- und 1981 in eine Hörspielproduktion. Darstellerin des Einpersonen-Stückes war bei allen drei Produktionen Karin Gregorek.

Der Bürokrat, die Armut

Zeilen von Paradiesmedial zur Inszenierung von „Der Geldgott“:

einfach mal näher zusammenrücken
was tun wenn
wenn das glück
sich nicht mehr finden lässt
wo
in einer welt
es war einmal
das geld
das größte glück
der unternehmer
seine angestellte
der unternehmensberater
die bank
der kunde
der bürokrat
die armut

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Warten, bis die Landschaft blüht

Der Nordkurier rührt weiter die Werbetrommel für die Premiere der Inszenierung von „Der Geldgott“ nach Peter Hacks am Samstag in der Blechbüche in Zinnowitz – und Jürgen Kern, der Regisseur, gibt gerne Auskunft:

Mit dem Stück, das Hacks bekanntlich 1991 geschrieben hat, gebe ein Dichter auch seinem Frust Raum, heißt es. Denn nach der „Geldgott“-Uraufführung 1993 in Greifswald war Hacks unterstellt worden, dass er mit dem gesellschaftlichen Umbruch Aufmerksamkeit eingebüßt habe. Hacks, der stolze Dichter, war zum Mauerblümchen degradiert, während alle darauf warteten, dass die Landschaften anfangen zu blühen?

„So eine Überlegung mag damals nachvollziehbar gewesen sein“, meint Kern, mittlerweile aber beobachtet er eine Hacks-Renaissance: Literatur- und Theaterkenner besinnen sich wieder der hintergründigen, geschliffenen Sprache des Autors

Der Regisseur macht keinen Hehl daraus, wie sehr er den Autor schätzt. Reizvoll wäre es auch, dessen Märchen auf die Bühne zu bringen; die Gedichte findet er nachgerade traumhaft – klingt da eine Idee durch, die zum Beispiel im Sommer im Theaterzelt Chapeau Rouge gut aufgehoben wäre? Auf jeden Fall, verspricht Kern, lohnt es sich, Hacks wiederzuentdecken.

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„Armer Ritter“ in Chemnitz

„Erst vergammeln die Zwecke, dann die Mittel“, sagte Peter Hacks, und das Theater Unart fragt:

Wozu, ehrlich, uneigennützig, mitfühlend, zurückhaltend zu sein, wenn die anderen unehrlich, egoistisch und clever sind? Man nimmt sich zurück und lässt die anderen machen. Die Werte verkommen. „Nein“ zu sagen muss gelernt werden. Hacks lässt es in „Armer Ritter“ an solchen Bezüglichkeiten wimmeln.

Die Theatergruppe „Unart“ inszeniert das Stück „Armer Ritter“ in seiner typischen Form: Die Ausstattung ist spartanisch. Die Inszenierung lebt vom Spiel der Darsteller und vom Rhythmus der Sprache.

Der Chemnitzer Veranstaltungskalender kündigt die nächste Aufführung für den 27. Februar an.

Machtworte der Götter

Wer behauptet, es gebe nur einen Gott, der lügt. Noch einmal: Es gibt alleine zwei Geldgötter. Am Samstag feiert das Hacks-Stück in Zinnowitz Premiere, heute in den Frankfurter Landungsbrücken. Dazu kündigt die Frankfurter Rundschau an:

Seit das Bundesverfassungsgericht ein Machtwort gesprochen hat, steht Hartz IV wieder weit oben auf der Tagesordnung. Da kommen die Fragen der Theatergruppe Paradiesmedial gerade recht. Sie will ergründen, was Arm und Reich in einer Wohlstandsgesellschaft bedeutet und ob es Raum für Wohlstandserfahrungen jenseits des Materiellen gibt. Pardiesmedial inszeniert „der Geldgott“ von Peter Hacks, der das Stück 1991 mit Blick auf den Einzug des Kapitalismus in Ostdeutschland schrieb. Der Streit zwischen dem Geldgott sowie Fortuna und Paupertas könnte natürlich auch heute spielen.

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Der Geldgott in den Landungsbrücken

Die Informationen sind spärlich. Die Peter Hacks Seite möchte es genauer wissen und fragte bei Paradiesmedial nach, warum die Theaterplattform Hacks’ Geldgott inszeniert. Die Regisseurin Maria Piniella antwortet:

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Spielsituationen neu erfinden

Am Samstag feiert „Der Geldgott“ im Theater in Zinnowitz Premiere. Der Nordkurier besuchte eine Probe:

Der Blick auf das Bühnenbild verrät: Es handelt sich um ein antikes Stück, das dem Premierenpublikum präsentiert werden soll. Unter der Regie von Jürgen Kern wird an der Vorpommerschen Landesbühne Anklam gerade das Stück „Der Geldgott“ einstudiert – eine Komödie von Peter Hacks nach Aristophanes. „Hacks hat das Stück 1991 geschrieben. Er bezieht sich auf die Kapitalisierung der DDR“, erklärt Jürgen Kern in einer kurzen Probenpause. Er hebt die „unglaublich intelligenten Texte des Autors“ hervor und erklärt, dass „die Spielsituationen alle erfunden werden müssen“ – eine offensichtlich gleichermaßen interessante wie Kräfte herausfordernde Arbeit, wie die Stimmung im gelben Theater in Zinnowitz gestern deutlich machte.

Über den Inhalt heißt es: ‘Spielsituationen neu erfinden’  »

Gespräche mit der Roten Rosa

karusseitDie Schauspielerin Ursula Karusseit hat sich mit dem Journalisten Hans-Dieter Schütt über ihr Leben unterhalten. Diesen Gesprächen ist ein Buch entsprungen, das den Titel Wege übers Land und durch die Zeiten trägt.

In einer Rezension auf kultiversum.de heißt es über die Schauspielerin:

Aber die Theaterenthusiasten feierten sie für ganz andere, freilich weniger publikumsträchtige Rollen – als Rote Rosa in Peter Hacks’ „Moritz Tassow“, 1965 neunmal an der Ostberliner Volksbühne gespielt und dann verboten, als Brechts Shen Te in „Der gute Mensch von Sezuan“, als Gertrud im „Hamlet“ beides ebenfalls an der Volksbühne, vor allem aber als Elsa in Jewgenij Schwarz’ „Der Drache“ am Deutschen Theater, eine Sternstunde nicht nur des DDR-, sondern des europäischen Theaters in den sechziger Jahren – alles Inszenierungen von Benno Besson, mit dem sie lange Zeit auch verheiratet war. Wer Ursula Karusseit heute noch auf der Bühne erleben will, muss sich allerdings buchstäblich auf Wege übers Land machen: In Zollbrücke, einem kleinen Ort an der Oder haben Freunde von ihr das „Theater am Rand“ gegründet – ihr Abenteuerspielplatz heute. Ihr Brot verdient sie aber wieder im Fernsehen, in der Dauererfolgsserie „In aller Freundschaft“ spielt sie seit über zehn Jahren die Kantinenwirtin Charlotte Gauss.

Ursula Karusseit liest aus dem Buch am 9. Februar in Leipzig, am 18. Februar in Wittenberg und am 20. Februar in Leitzkau.

Dem Geldgott zu Füßen

Am 11. Februar hat das Hacks-Stück „Der Geldgott“ in Frankfurt am Main Premiere. Zwei Tage darauf in Zinnowitz. Da lohnt ein Blick zurück auf die Uraufführung. Im Theater Greifswald inszenierte der Regisseur Manfred Dietrichs die Komödie im Herbst 1993, wovon es auf YouTube einen Mitschnitt in zwei Teilen gibt.

„Eine neue Komödie von Peter Hacks im alten Stil“, schrieb der Berliner Tagesspiegel am 28. September 1993 über die Inszenierung:

Die Uraufführung am Theater Greifswald fand in Abwesenheit des Autors statt. Seinen Segen hatte er Ihr im voraus gegeben und eine Beschwörung dazu: Gott bewahre die Weil vor Stücken, die nur aufs hauptstädtische Staatstheater passen. Er möchte solche nicht geschrieben haben. Die andere Möglichkeit, daß seine Lustspiele nur noch in Vorpommern laufen, läßt er offen. Seit dem Ende der DDR betrachtet er sich als verbannt und verboten. Wahr ist, daß Berlin ihn boykottiert. Weder das Deutsche Theater noch das Maxim-Gorki-Theater stehen zu ihrer Hacks-Tradition. Der Kassenmagnet kam zum alten Eisen, ein Opfer der verwandelten Zeit. Von ihr handelt „Der Geldgott“, anberaumt auf dem Lande nahe der Kapitale am grünen Rand der Metropole Athen.

Ein Verzeichnis des Wohlklangs

annette-lose1Kai Köhler vom Aurora Verlag bespricht für Literaturkritik.de das Verzeichnis der Hacks-Vertonungen von Annette Lose. Er stellt dabei fest, dass kaum eine literarische Gattung so fürs Ohr geeignet sei wie die Lyrik. „Klang, Metrum und Rhythmus erschließen sich nur akustisch; und so glücklich wie selten ist der sensible Leser, der ein inneres Ohr hat und nicht den Vorleser braucht.“

Über Peter Hacks erläutert Kai Köhler:

Wenn er auch in erster Linie fürs Theater schrieb, so finden sich unter seinen Werken doch manche der faszinierendsten Gedichte, die in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in deutscher Sprache entstanden. Die Literaturwissenschaft hat nicht nur aufgrund von Datierungsproblemen die Beschäftigung mit diesem Korpus meist gescheut: Die Selbstverständlichkeit, mit der sich Hacks tradierter Formen bediente und mit der er sie weiterentwickelte, widerspricht dem geläufigen literaturgeschichtlichen Muster, nach dem die Moderne im Verzicht auf Reim und Metrum und in der Absage an Genres wie Ode, Elegie oder Sonett gipfelt. Erst seit kurzem gewinnt die Erkenntnis an Boden, dass die Absage ans Alte nur so lange provozierte, wie das Alte noch vorherrschte, und dass seitdem formlose Öde droht. Das ist eine Lage, in der man wieder beginnen kann, die Produktivität überkommener Muster zu erproben.

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Im Tal der Ahnungslosen

In Stuttgart veranstaltet das Ehepaar Tetzlaff eine Lesung, die den bedeutsamen Titel „Literatur von Drüben“ trägt, vermeldet die Stuttgarter Wochenblatt. Monika Lange-Tetzlaff und Robert Tetzlaff kamen durch ihr berufliches Interesse an Literatur. „In der DDR hat man besonders schöne Bücher hergestellt“, erläutert die Inhaberin eines kleinen Antiquariats im Bohnenviertel. Die aufwändig gestalteten Titel weckten das Interesse der Eheleute, und sie begannen, sich mit Ostliteratur zu beschäftigen.

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