Denkwürdigkeiten

So sehr Felix Bartels in seiner Studie »Leistung und Demokratie« versichert, daß es ihm darin hauptsächlich um eine Untersuchung der Beziehung von Dichter und Zeit geht, so wenig glauben wir, daß diese Inhalte nicht auf unsere Gegenwart anwendbar sind. So gesehen verhandelt Bartels an einem zurückliegenden Gegenstand die Sarrazin-Frage, und er tut das, soweit wir sehen, besser als der gegenwärtige Blätterwald.

Martin Hatzius (Neues Deutschland) kommt in seiner Rezension von »Leistung und Demokratie« zu ähnlichen Schlüssen:

Worauf zielt der Autor mit seiner Untersuchung? Zwei Zwecke benennt er gleich zu Beginn: »einmal durch den Dichter Hacks seine Zeit, zum anderen – und das ist der wichtigere – durch die Zeit den Dichter zu begreifen«.
Diese Wichtung, vielleicht, legitimiert den Versuch einer Vergegenwärtigung des Hacksschen Denkens, denn obwohl Bartels sich in seiner Analyse eng an die geschichtliche Wirklichkeit hält, in der Peter Hacks die verhandelten Werke schuf, mithin an die »gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR«, liegt es doch durchaus nahe, dass die »Struktur hinter der Struktur« dieses Denkens historisch übergreift, dass sich also darin »ein Bild von der Welt« offenbart, »das einem Weltbild zugrunde liegt«. Zwar ist es möglich, Hacks’ Abwendung vom sozialistischen Realismus, seine Hinwendung zu klassischen Stoffen schlicht als Mittel der Codierung eines wirklich Gemeinten zu betrachten, also etwa zu entschlüsseln: Wenn er in seinem 1968 nach Herodot verfassten Stück »Prexaspes« den persischen König Kambyses sprechen lässt, spricht eigentlich Ulbricht. Dem Hacksschen Klassik-Verständnis angebrachter aber wäre es doch gewiss zu vermuten: Indem Ulbricht hier durch Kambyses spricht, verweist der Dichter auf Thematiken, die die Zeit überdauern und in jeder Epoche auf die ihr gemäße Weise angegangen werden müssen. Vorausgesetzt freilich, man hält eine Welt, wie sie der Dichter will, selbst für erstrebenswert.

Hatzius nennt »Leistung und Demokratie« eine »denkwürdige Studie«. Wenn wir die Weihe etwas von diesem Wort nehmen und seine eigentliche Bedeutung betrachten: des Denkens würdig sein, können wir Martin Hatzius voll und ganz zustimmen.

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