Monatsübersicht (August 2010)

Unsere Sammlung von Fundstellen und Ereignissen: Peter Hacks im Netz und andernorts. Ohne Gewähr, dafür mit Pepp.

28.8.2010 - In der Ausgabe zum siebten Todestag von Hacks bringt junge Welt die bisher umfassendste Besprechung der »Berlinische Dramaturgie« genannten Sammlung von Gesprächsprotokollen.

28.8.2010 - »In den Räumen, in die Peter Hacks mich einlud, konnte man klar denken, direkt, feinstofflich, offen, subtil, kontrovers oder an Gemeinsamkeit der Zustimmung wie Ablehnung sich freuend.«

27.8.2010 - In der Druckausgabe bietet Der Freitag einen der seltsamsten Texte zu Hacks überhaupt: Eine über volle zwei Druckseiten gehende Kompilation der Erinnerungen verschiedenster, teils namhafter Zeitzeugen, die Hacks’ Wohnung in der Schönhauser Allee besucht haben und davon berichten. Dabei hat Mathias Dell die Erinnerungen so arrangiert, dass man nicht erkennen kann, welcher Satz von wem ist.

26.8.2010 - Die Premiere von »Die Sorgen und die Macht« am DT in Berlin wird als ausverkauft gemeldet. Im Feuilleton deutet sich eine intensive Rezeption der Inszenierung an, so im Tagesspiegel und in der Märkischen Allgemeinen (beide sehr zu empfehlen).

26.8.2010 - Die Wochenzeitung Der Freitag veröffentlicht in der Onlineausgabe einem Plan der Hacksschen Wohnung in der Schönhauser Allee und eine Photostrecke mit 12 Bildern, aufgenommen direkt nach seinem Tode des Dichters, zusammen mit einer Nicht-Geschichte von Harry Rowohlt.

21.8.2010 - In der von Marcel Reich-Ranicki betreuten Frankfurter Anthologie der F.A.Z. lesen wir das Hacks-Gedicht »Bei Arnims« und dazu eine nachvollziehbare Interpretation durch die Schriftstellerin Eva Demksi: »Nein, er gehört nicht in dieses romantisch verregnete Gestern, der Dichter Peter Hacks. Das macht ihn aber nicht froh, sondern melancholisch. Vielleicht, weil er nirgends wirklich dazugehörte, wie so viele, die Gedichte schreiben. «

19.8.2010 - Was ist das hier? Ein langer Artikel in DIE ZEIT unter der Überschrift »Schlossherr in der DDR. Der sozialistische Dichter Peter Hacks wollte als Aristokrat leben: Alexander Cammann hat die legendäre ‘Fenne’ als erster besucht.« Dass die Fenne nun schon legendär ist, überrascht. Überraschend ist auch, dass Alexander Cammann die legendäre Fenne als erster besucht haben will. Es gibt dort zwar noch keine Souvenirbuden, und auch Hacks-Touristen in Reisebussen sind eher rar, aber als der Dr. Livingstone von Groß Machnow kommt Herr Cammann doch etwas zu spät.

13.8.2010 - Kai Köhler auf literaturkritik.de ausführlich zu den Heften 4 und 5 des ARGOS.

11.8.2010 - Die NZZ rezensiert die Neuausgabe der »Maßgaben der Kunst«: »Es gibt indes auch einen Hacks-Kult, der keineswegs nur von den intellektuellen Parteigängern der deutschen Linkspartei betrieben wird, sondern auch von einem bekennenden Konservativen wie Martin Mosebach, der Hacks’ Poetik des Klassizismus huldigt.«

3.8.2010 - Auf Generelle diskutieren Commünysten fröhlich Hacks und planen in dessen Namen, aber wohlweislich anonym, kommende Schauprozesse und Ersäufungen.

1.8.2010 - »Weniger bekannt ist allerdings, was sich darüber hinaus im Nachlaß verbergen könnte, dessen Bewahrung der Dichter dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach anvertraut hat. Hier ist nicht Raum, dem Lichtstrahl Oehmes zu folgen, mit dem er noch verborgene Schätze aufblitzen läßt; seine Recherche weckt Hoffnung, daß die Kostbarkeiten nicht im Dunkeln bleiben. Man ist geneigt zu sagen: Hacks und kein Ende!«

1.8.2010 - Ist Dietmar Dath in Wirklichkeit nicht nur für den unpässlichen Hermann L. Gremliza eingesprungen, sondern hat nach Bolschewistenart gegen ihn geputscht und übernimmt nun die Herausgeberschaft bei konkret? Anders gefragt: Verwalten Neues Deutschland, konkret und Frankfurter Allgemeine Zeitung das Erbe von Peter Hacks zukünftig gemeinsam? Wir wissen es nicht. Aber in den Raum stellen wird man es ja wohl noch dürfen!

5 Responses to “Monatsübersicht (August 2010)”


  1. Andre Thiele 1 ATh

    Was haben diese Menschen gemeinsam?:

    Henning Venske, Heinz Strunk, Marlen Breitinger, Gilla Cremer, Robert Stadlober, Roger Willemsen.

    Sie lesen zusammen aus Werken von Dietmar Dath. Im Hamburger Polittbüro.

    What’s next? TV Total Sondersendung “Schlag den Dath”? Christian Wulff lädt zu einem Dath-Frühstück ins Schloss Bellevue und zitiert seitenlang aus “Für immer in Honig”? Craig Venter gibt bekannt, dass er durch Dath auf die Idee gebracht wurde, sprechende Libellen zu bioengineeren?

    Was zum Kuckuck muss man in dieser Gesellschaft eigentlich unternehmen, um sich nachhaltig unbeliebt zu machen? Früher sagte man einmal “Hoch die DDR!” oder “Lang lebe Stalin!” und schon: done deal!, man hatte Ruhe auf Lebenszeit. Kommt denn nun selbst die Niedertracht herunter? - Jude werden wäre natürlich eine Option, aber dann ist Schluss mit den Koteletts und vor allem: Samstags nicht mehr arbeiten, ich weiß ja nicht …

  2. Andre Thiele 2 ATh

    Wie schrieb ich so schön in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 12. Juni 2010 zu Peter Hacks?

    Ein Genie wird als Genie geboren, fertig. Ein paar Feinheiten, die Ausdifferenzierungen seiner Talente usw., geschehen noch in der Jugend, das wars. Und bei Hacks war das alles in der BRD – in der er ja leider den Großteil seines Lebens verbrachte und die ihn daher durchaus stark „geprägt“ haben dürfte – längst vorhanden. Jemand wie Hacks braucht auch keine SED-Sozialarbeiter, die ihn zum Klassiker päppeln, Genies gab es vor der Existenz des Sozialismus schon und es wird sie nun auch ohne ihn geben. [...] In der DDR hatte er Ruhe vor den Faschisten, so dass er sich konzentrierter mit dem Wichtigsten befassen konnte, das wars aber auch schon – wer die DDR oder gar ihre Politik zum Ziehvater von Hacksens Talent macht, unterschätzt damit die Autonomie des Genies.

    Wie bitte? Was sagen Sie da? Das habe ich überhaupt nicht geschrieben? - Stimmt! Mein Artikel hat ohnehin schon die “Bewegung 12. Juni” losgetreten, einen nicht endenwollenden Bocksgesang unberufener Hacks-Verteidigung, wenn ich das obige geschrieben hätte, ja was wäre denn dann erst geschehen? Selbstmordattentate?

    Das Zitat stammt von Neffe von Ulla, und er schrieb das als Kommentar auf dem Blog Generelle.

    Als NUlla kennen ihn Besucher des alten Peter Hacks Forums, wo er dutzende bluttriefende Liebeserklärungen ablieferte, in denen immer sehr viele Menschen hingerichtet oder, schlimmer noch, aus imaginären Parteien ausgestoßen wurden. Alle relevanten Meinungen von ihm waren entweder von Felix Bartels oder von mir abgeschrieben, und der Rest war einfach inkonsistentes, langweiliges Gerede.

    Bei Revolutionären bleibt offensichtlich gern mal alles beim alten.

  3. Felix Bartels 3 Felix Bartels

    entweder von Felix Bartels oder von mir abgeschrieben

    Lassen Sie mich da mal raus. Ich billige Säbelrasseln und Mordphantasien, die man hier und da in Blogs oder Tageszeitungen lesen kann, genauso wenig wie Sie. Aber inhaltlich bin ich mit der von Ihnen und NvU vertretenen Theorie nicht einverstanden. Das autonome Genie - das ist mir zu viel Lavater und zu wenig Goethe. Also die Genie-Theorie von Halb-Genies. Die innere Verbundenheit des Sturm und Drang mit der Romantik. Man kapiert keinen Menschen, und ganz besonders kein Genie, wenn man nicht die Zeit kapiert, in der er lebte. Es erscheint demnächst ein schönes Buch von mir, da stehen lauter schöne Sätze zu diesem Thema drin.

    Sehen Sie: Hegel, wie man von Rosenkranz weiß, kam immer zu spät. Goethe, wie wir von Eissler und Hacks wissen, kam immer zu früh. Von mir gilt beides: Mein Buch ist Ende 2008 geschrieben worden und mußte, weil ich keine Zeit hatte, das gesamte Projekt abzuschließen, so lange rumliegen. Für die Bewegung 12. Juni kam es also zu früh. Jetzt wird der Text separat veröffentlicht, aber die Bewegung ist im vollen Gang und wird sich von Vernunftgründen wohl nicht beeinflussen lassen. Also kommt es auch wieder zu spät.

    Was mich wirklich ärgert, ist, daß sich unter all dem belliziösen Gebrauchsvokabular kaum einer bemüht hat, sachlich über das Thema zu schreiben.

  4. Andre Thiele 4 ATh

    Ich bin wirklich sehr gespannt, ob Ihnen die Aufhebung der beiden Ansätze (Autonomie vs. Bedingtheit) in Ihrem Buch gelingt. Ich persönlich weise sie ihren Bereichen zu und beschreibe ihre gegenseitige Durchdringung, belasse sie als Begriffe aber intakt.

    Es gibt keine gemeinsame Theorie hierzu von NUlla und mir, das wissen Sie; aber das Vokabular der Mitte klingt immer sehr gelassen, wenn es belliziös ist, das ist wohl wahr.

  1. 1 Wir in »konkret« at Peter-Hacks.dePeter Hacks Seite

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