Monatsarchiv für Juni, 2010

Zu Heidi Urbahn de Jauregui

Wir veröffentlichen hier eine persönliche Stellungnahme unseres Verlegers André Thiele zu den Vorwürfen von Heidi Urbahn de Jauregui gegen ihn in der Tageszeitung »junge Welt«:

Das ist so und damit muß man leben

Heidi Urbahn de Jauregui, eine hochgeschätzte Autorin meines Verlages, die mehrfach Beiträge zum bisher von mir herausgegebenen Hacks-Journal ARGOS geleistet hat, zuletzt im sechsten Band, hat heute in der Zeitung junge Welt einen Aufsatz unter dem Titel »Seltsame Freunde. Peter Hacks und der ‘falsche Anhang’« veröffentlicht, in dem sie mich ob meiner Äußerungen zum Werk des Dichters in die Nähe von Nazis rückt.

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Monatsübersicht (Juni 2010)

Unsere Sammlung von Fundstellen und Ereignissen: Peter Hacks im Netz und andernorts. Ohne Gewähr, dafür mit Pepp.

‘Monatsübersicht (Juni 2010)’  »

Zur Abhängigkeit des Genies von seiner Zeit

Ralf Meyer, seines Zeichens Chefdramaturg am Schauspiel der Stadt Halle, hat an die Redaktion des ARGOS folgenden Leserbrief geschickt:

Der hervorragende Verleger und Essayist André Thiele vertritt in der F.A.Z. vom 12. Juni 2010 die These, Peter Hacks habe die Grundfeste seiner Ästhetik bereits als junger Mann in seiner Münchner Zeit beisammen gehabt. Anlaß für diese Überlegung bietet Thiele ein wieder aufgefundenes Manuskript von 41 Gedichten des jungen Hacks. Nun müßte man, die Richtigkeit dieser Annahme zu belegen, Hacks´ Position erklären, was dem Rahmen eines Zeitungsartikels nicht entspricht. Thiele könnte das, die Zeitung will es nicht. Thiele widerfährt ein Fehler: Er interpretiert die frühen Schriften vom Ende her. Der Hacks-Kenner Thiele findet in den frühen Gedichten, was er aus Hacks´ fünfzehnbändigen „Werken“ weiß!

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Ein Stück über die Zukunft von morgen

Ob es, wie gesagt wurde, die Hacks-Meldung des Jahrzehnts ist, bleibe dahingestellt. Eine Sensation jedenfalls ist es: Das Deutsche Theater in Berlin wird am 4. September 2010 Hacks’ Stück »Die Sorgen und die Macht« zur Aufführung bringen.

Was ist hieran sensationell? Das DT war lange Jahrzehnte die Leitbühne der DDR und ursprünglich Hacks’ Hausbühne. Nach seinem Gang in die DDR im Jahr 1955 arbeitete er zunächst als Dramaturg am Berliner Ensemble, 1960 ging er an das DT. 1958 hatte Hacks das Stück »Die Sorgen und die Macht« geschrieben, von dem mehrere Versionen entstanden, deren endgültige 1962 am DT zur Aufführung kam: Die Inszenierung wurde der Theaterskandal der DDR, die Diskussionen wurden quasi Staatsangelegenheit, das Stück wurde schlussendlich abgesetzt, für viele Beteiligte, so den Intendanten Wolfgang Langhoff, hatten die Vorgänge erhebliche Konsequenzen, Hacks verließ das DT 1963 und arbeitete fortan als freier Autor.

Im soeben erschienenen sechsten Band des Hacks-Journals ARGOS haben wir die Vorgänge mit vier Essays umfassend dokumentiert und diskutiert. Einer unserer Autoren ist Alexander Weigel, der von 1964 bis 2001 Dramaturg am DT war und die Geschehnisse aus der Perspektive des Theaters beschreibt.

‘Ein Stück über die Zukunft von morgen’  »

Schwerpunkt: »Die Sorgen und die Macht«

Nach einiger Verspätung ist die neue Ausgabe des Hacks-Journals ARGOS ab sofort lieferbar. Wir dokumentieren hier das Editorial aus diesem Band:

»Aber der Blitz soll mich zersägen, wenn ich begreife, wie das alles so
schnell mit mir bis hierhin gekommen ist.«

1958 begann Peter Hacks mit der Ausarbeitung eines Stücks, das sich mit der Produktion von Waren in der DDR befasst und zu dem Schluss kommt, dass der Sozialismus die Voraussetzungen dafür bietet, einerseits die industrielle Produktivität und dadurch den gesellschaftlichen Wohlstand massiv zu steigern und andererseits die daraus resultierenden politischen, sozialen und privaten Probleme auf hohem Niveau im Sinne von Staat undMenschen zu lösen. »Die Sorgen und die Macht«, aus dem das Eingangszitat stammt, wurde der Theaterskandal der DDR: Die Parteiführung schien nicht hören zu wollen, was ein Dichter aus Westdeutschland ihr zutraute.

‘Schwerpunkt: »Die Sorgen und die Macht«’  »

Ursprung war sein Ziel

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bringt heute auf S. 41 einen Vorabdruck aus dem neuesten Heft des Hacks-Journals ARGOS. Der in Mainz lehrende Literaturwissenschaftler Gunther Nickel hat 41, zum größten Teil unveröffentlichte Gedichte des frühen Hacks aufgespürt und ediert, von denen die F.A.Z. sich drei ausgesucht hat.

André Thiele hat hierzu einen begleitenden Artikel geschrieben, der zu gewagten Schlüssen kommt:

Die These, die DDR sei conditio sine qua non der Entwicklung von Peter Hacks gewesen, ist damit hinfällig: Die Entwicklung von Hacks’ Denken erweist sich als weitgehend von den äußeren Umständen unabhängige, nach inneren Notwendigkeiten ablaufende, bei Goethe beginnende, aufwärtsführende Schraubenbewegung zu Goethe hin, bei der Brecht und der sozialistische Realismus ein Umweg sind, der am Ende auf höherer Warte zum Ursprung zurückführt. Die Hegelsche Denkweise scheint für Hacks nicht eine angelesene Philosophie gewesen zu sein, sie hat ihn wohl im Innersten ausgemacht.

Der neue ARGOS erscheint am 15. Juni und bringt alle 41 von Gunther Nickel edierten Gedichte des frühen Hacks.

Die Dinge in Buta - Der Film

Hat Peter Hacks bei Bunuel abgekupfert? Entscheiden Sie selbst!