Das Leben.

Wäre ich Kommunist, ich dächte ganz wie André Müller senior. Ich bin aber Verleger; meine Pflicht ist es nicht, die Revolution zu machen, sondern gute Bücher. Eines der Bücher, die ich am liebsten gemacht hätte, ist soeben erschienen; leider nicht bei mir, worüber ich mich ewig ärgern werde, sondern bei André Müller seniors Hausverlag Eulenspiegel: „Die Partei der Knoblauchfreunde“.

Linke Modeschwätzer durchschaut man am leichtesten mit zwei einfachen Fragen: Wie gut kennen sie Stalin? Was sollen sie taugen, diese Leute, die sich die Welt mit einer Theorie erschließen, aber mit dem konsequentesten Anwender dieser Theorie so ihre höchst subjektiv gestimmten Problemchen haben.  - Kennen sie „Die Partei der Knoblauchfreunde“? Sie kennen sie üblicherweise nicht. Was sollen sie dann taugen?

„Die Partei der Knoblauchfreunde“ ist ein Werk des Realismus. Natürlich findet so etwas keine Leser, insbesondere nicht in der Linken, da es sie ja betrifft. Der Roman ist ein kurzer Lehrgang der Theorie und der Praxis marxistischer Parteien. Wer ihn verstanden hat, hat sich 1.423 Bücher gespart, und das sind nur die vor 1953 geschriebenen. Ich betone das Wort „kurzer“, denn der Roman hat in der Neuausgabe 107 Seiten. Ihm sind überflüssigerweise noch andere Arbeiten Müller seniors beigefügt, Arbeiten von Rang, die aber neben dem solitären Kurzroman ihre Flügel nicht entfalten können. Hier wirkt sich die alte scholastische Fragestellung aus: Wenn man zu viele Engel auf eine Nadelspitze stellt, sind zwar die Laien beeindruckt, die Kleriker wissen aber, sie fallen dann herunter.

Ich wette mit Ihnen, das Buch kommt in die Ecke „Humor & Satire“, bestenfalls wird es noch auf Müllers zweifelsohne vorhandenen Verdienste  um die Kochkunst bezogen werden. Sie glauben einem nunmal den Ernst nicht, wenn er mit einem Lachen daherkommt. Den Trick findet man bei Hacks überall, und Hacks wird ja mittlerweile selbst von Hans Heinz Holz für einen Satiriker gehalten.

Mehr Anti-Idealismus als in „Die Partei der Knoblauchfreunde“ geht nicht. Die Aufgabe der marxistischen Partei ist nicht dieses oder jenes, sondern die Durchsetzung eines bestimmten Machtstruktur und einer bestimmten Produktionsweise. Nicht mehr, nicht weniger. Dies alles ist vollständig unabhängig von den Vorstellungen, die die Menschen sich von ihrer persönlichen Rolle oder der Rolle der Partei oder der Welt im Allgemeinen machen. Ob sie guter Gesinnung sind oder schlechter spielt für alles von Belang keine Rolle.  - Natürlich empört dies die Linken. Sie wollen ja mittlerweile keine bestimmte Machtstruktur mehr durchsetzen, sondern am besten einfach jede abschaffen, und sie wollen auch keine bestimmte Produktionsweise durchsetzen, sondern sich um Fragen der Produktion keine Gedanken mehr machen müssen. Die Linken wollen die guten Menschen sein. Und aus diesem Roman würden sie lernen müssen, dass ihnen das nichts bringt. Am Knoblauch nämlich scheiden sich die Geister.

„Aber ich habe noch hundert Fragen“, rief Bruno verzweifelt und erhob sich gleichfalls. „Wer beantwortet sie mir?“

„Das Leben“, erwiderte der Gewürzgott.

2 Response to “Das Leben.”


  1. Andre Thiele 1 ATh

    Zum heutigen 85. Geburtstag des Hacks-Intimus André Müller senior ist in junge Welt eine lesenswerte, erstaunlich persönliche Gratulationsrede von Heidi Urbahn de Jauregui zu finden.

    Wir schließen uns den Glückwünschen an.

  1. 1 Ohne Ironie geht gar nicht

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