Das Banale hat Hausverbot

In der Tageszeitung junge Welt melden sich Constanze und Dr. Dieter Kraft zu Wort, sie Pfarrerin zu Berlin, er Herausgeber der Zeitschrift Topos. Beide feiern den heutigen 70. Geburtstag der Hacks-Kennerin Prof. Dr. Heidi Urbahn de Jauregui mit überschwenglichen Worten:

Wenn sie ihre Texte vorträgt, wird es im Publikum hörbar still, denn selten übergreifen sich Inhalt und Form so apart wie bei dieser deutschen Französin, die als französische Deutsche sich selber zu übergreifen scheint. Dialektik ist da bereits biographisch angelegt. Und nur im Dialektischen scheint Schönheit wahrhaft auf. In ihm hat das Banale Hausverbot, die Dummheit ohnehin.

Wir empfehlen diese Lobrede aus zwei Gründen: Erstens, weil sie das Muster eines soliden persönlichen Lobes unter Gelehrten ist, mit Verstand und Liebe, mit Kenntnis und Eros geschrieben, so etwas liest man selten. Zweitens, weil die Krafts recht haben, was Heidi Urbahn de Jauregui betrifft, und zwar in jedem Punkt:

Niemals weicht ihre sanfte Sprache aus, den politices nicht und auch nicht den Abgründen verkommener Gesellschaft, deren Politik sie, mit Schiller, verabscheut. Heine und die Folgen können eben ganz anders aussehen als bei Karl Kraus. Bei Heidi Urbahn de Jauregui sehen die Folgen glänzend aus. Auch mit ihrer jüngst erschienenen »Dichterliebe«, einem biographischen Roman über die »Mouche«, über Heinrich Heines letzte Geliebte. Ein Roman, der unendlich vieles konnotiert an Geschichte und Gegenwart und Verborgenes aus den Verstecken holt.

Wir müssen nun leider einen Tropfen Wehrmut in den süßen Wein träufeln: Heidi Urbahn de Jauregui, die seit Mittwoch in Deutschland weilt, ist gerade dabei, sich von einer kurzen, bedrohlichen, aber eben noch einmal glücklich abgegangenen Erkrankung zu erholen. Deswegen musste Ihre Lesung in Mainz just heute abgesagt werden.

Sie wird allerdings zur Buchmesse in Leipzig sein und dort drei Mal (!) lesen: Auf unserer Peter-Hacks-Soirée am Samstag, dem 20. März, dem Vorabend zu Hacks’ 82. Geburtstag; am Sonntag, dem 21. März, liest und diskutiert sie um 10:30 Uhr Ihren Essay „Hacks und die Frauen“ und um 14:30 Uhr liest sie aus „Dichterliebe“.

Senden wir der Hacks-Gelehrten Heidi Urbahn de Jauregui unsere besten Glückwünsche und alle Hoffnungen auf gute Gesundheit!

2 Responses to “Das Banale hat Hausverbot”


  1. rayk wieland 1 rayk wieland

    ist der wermut denn schon ausgetrunken? kein tropfen übrig?

  2. Andre Thiele 2 ATh

    Gottseidank hattse nicht geschrieben “Wehrmachtstropfen”.

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