Die „Jona“-Schlaubergerei

Hacks in - sitzen Sie? Nicht, dass Sie mir vor Schreck umfallen! Also: Hacks in Theater heute. Huch! Wie konnte das denn passieren? Hat die postmoderne Wachsamkeit nachgelassen?

Es geht um die Wuppertaler Inszenierung von „Jona“. Das Internetportal kultiversum.de, das von THh betrieben wird, bringt einen Artikel aus dem THh-Heft vom Januar 2010 von Martin Krumbholz:

Hacks hat immer einen erzieherischen, gouvernantenhaften Blick auf die Welt gepflegt; letztlich geriet ihm alles zu einer Stilfrage, zu einer Frage des mehr oder weniger gut gekonnten Handwerks.

Ich kann verstehen, dass das nervös macht, wenn man dem Theaterunsinn der Gegenwart vorsteht. Und nun hören Sie sich mal diesen Quatsch an:

«Was dem Staat den Grund entzieht», hält Jona/Hacks gleichwohl fest, «ist Staatsschlaubergerei.» Hier hinkt der implizite Vergleich der Semiramis mit Honecker denn doch gewaltig: Der DDR-Chef ist nicht berühmt durch große Worte oder durch sonderliche politische Schlaubergerei. Könnte es sich dabei um eine Hackssche Selbstprojektion handeln?

Das ist schon rein logisch unter Gymnasialniveau; und der Mann hat seinen Doktor.

Naja, es ist, wie Kant sagte: Der Mensch ist aus so krumbem Holz geschnitzt, da lässt sich nichts gerades draus zimmern.

7 Responses to “Die „Jona“-Schlaubergerei”


  1. Dath 1 Dath

    Erst entdecken und feiern sie 40 Jahre lang den Tod des Autors, dann verwechseln sie die Leiche mit Figuren, die der Autor erfunden und mit denen er Dritte gemeint hat, von denen sie wiederum nicht wissen, daß die genau so waren, wie der Autor seine erfundene Figur darstellt. Erst erklären sie Freud für überholt, dann benutzen sie seinen Projektionsbegriff, allerdings verkehrt. Erst soll Hacks eine Gouvernante sein, dann im selben Satz ein Dandy und schließlich eben deshalb eigentlich ein Tischler. Erst sagen sie, Hacks sei Jona, dann leiten sie daraus ab, dies belege, daß Hacks Semiramis sei. Wenn man nur endlich so denken und schreiben könnte; man wäre gegen jede unerfreuliche Wahrnehmung und alle quälende Logik immun.

  2. Andre Thiele 2 ATh

    Manchmal frage ich mich, ob der Suff nicht eine echte Alternative wäre.

  3. Dath 3 Dath

    Schon probiert. Macht alles schlimmer.

  4. Felix Bartels 4 Felix Bartels

    Was ich unserer Epoche übelnehme, ist dies: Es ist so leicht, klüger zu sein.

  5. Andre Thiele 5 ATh

    Sehen Sie, daher das Bild vom Pförtnerhäuschen. Meine Lebensüberzeugung ist: Da, wo ich bin, ist geistig gesehen Randgebiet. Da fängt es gerade eben an mit dem Denken. Ich sehe mich genau auf der Grenze zwischen Schloss und Idiotenwiese hocken. Nur dass die Idioten den Acker zum Schloss erklärt haben und stolz von den Zinnen ihrer Maulwurfshügel unverständliches Zeugs rufen, während die Schlossbewohner sich aufführen wie die Idioten und planen, das Schloss zum Acker zu demolieren.

    In all dem Irrsinn bleibt nichts als jenes il faut cultiver notre jardin.

  6. Felix Bartels 6 Felix Bartels

    Ja, sicher. Die Frage ist nur, ob das, was wir für ein Schloß halten, in anderen Zeiten nicht einfache eine bessere Kate wäre. Der Klausner und der König haben eine Lebensweise, die sich ein wenig gleicht, aber woher weiß ich, ob ich König oder Waldschrat bin? Allein daraus, daß ich singulär stehe, läßt sich keine Qualität ableiten. Geistiges Elend, wenn es einen in hohem Maße umgibt, kann zu Trägheit verleiten.

  7. Andre Thiele 7 ATh

    Geistiges Elend, wenn es einen in hohem Maße umgibt, kann zu Trägheit verleiten.

    Aber sicher tut es das! So viel Trägheit war vielleicht noch nie. Quirliger Stillstand, das ist unsere Zeit. Nicht, dass man sich engagieren dürfte, den Mist wenigstens einfach mal in Bewegung zu bringen - dann könnte man ja ungehemmt ein Linker sein; gestapelt herumliegender Mist ist ziemlicher Mist, aber wenn der erstmal ins Rutschen kommt, dann stinkts noch lange nicht weniger.

    Ihre Ambitionen in geistigen Dingen waren immer größer als meine; mir würde es genügen, der Waldschrat im Dienste des Königs zu sein. Travailler pour le roi de Prusse, ist das wirklich zu viel verlangt? Ist das maßlos?

    Uns bleibt die schrecklichste aller Perspektiven: Wir werden uns selbst helfen müssen.

    Immerhin, einen Garten haben wir schon mal.

Leave a Reply

You must login to post a comment.