Es gibt auch abgelegene Suchmaschinen, die wir eigentlich nie benutzen bei unseren täglichen Internet-Recherchen zu Nachrichten rund um Peter Hacks - manchmal schauen wir aber auch bei denen nach, so heute. Und auf was stoßen wir? Genau! Auf die Sendung Planet Wissen vom 28. Juli 2009 und deren Gast Professor Rainer Wagelaar von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg zumm Thema „Förster - Manager für Wald und Tier“.
Die Regie bat Herrn Professor Wagelaar, ein paar „Buchtipps aus der Sendung“ anzugeben. Und auf was stoßen wir? Genau!
Peter Hacks, Peter Gut
Der Bär auf dem Försterball
Zürich 2006, ISBN: 9783036952345
Dieses Buch gehört zu den Klassikern der Bilderbücher. Geschrieben vom DDR-Autor Peter Hacks ist das Buch voller ironischer Anspielungen gesellschaftlicher aber auch einfach nur zwischenmenschlicher Natur. Es ist ein Buch für Kinder und für Erwachsene – alle kommen auf ihre Kosten.
„Der Bär auf dem Försterball“ in Händen eines Försterprofessors, das ist ein bisschen wie der „Kurze Lehrgang“ in den Händen von Guido Westerwelle.
Peter Hacks und Rolf Hochhuth waren sich nicht eben grün. Die den Lesern des Hacks-Journals ARGOS bekannte Anna Amalia & Goethe Akademie zu Weimar unter Leitung von Dr. iur. Ettore Ghibellino hat 2009 eine Tagung zu Hochhuth veranstaltet und legt den materialreichen Tagungsband vor. In der „Begrüßung“ (S. 41) kommt Dr. Ghibellino auf Hacks zu sprechen und wagt einen Vergleich:
Im 20. Jahrhundert stehen zwei Dichter für die von Goethe und Hölderlin markierten Antipoden: Peter Hacks und Rolf Hochhuth. Nur in den Stücken “Die Sorgen und die Macht” (1959) und “Moritz Tassow” (1961) versuchte der 1955 von München in die DDR umgesiedelte Peter Hacks die DDR-Wirklichkeit kritisch zu behandeln, sich als Dichter einzumischen. Scharfe Kritik, erzwungene Überarbeitungen und verhinderte Aufführungen zwangen den genialen jungen Dichter zu einer radikalen Kehrtwende. Künftig behandelte Hacks unter der Diktatur der Spießer nur klassische Stoffe, namentlich solche, die geeignet sind, die Zeiten zu überdauern, die epochenübergreifenden Gesetzmäßigkeiten folgen. Die “zeitgeschichtlichen Realien” (Hacks) sind wie bei Goethe in Metaphern, Chiffren, Masken und Verschlüsselungen zu lesen. In einem Interview bekannte Hacks: “… nun bin ich 45, und nun bin ich auch wie Goethe.”
Diametral hierzu verhält sich Hochhuth. Im Sinne Hölderlins zog der junge Dramatiker aus Hessen gegen die Mauern ins Feld, gegen die “terroristischen Spießer”.
Wir werden nachfragen, ob Ettore Ghibellino vielleicht in einer der kommenden Ausgaben des ARGOS seine These ausarbeiten mag.
junge Welt hat Stefan Amzoll zur Premiere von Der Geldgott nach Zinnowitz geschickt.
Hacks’ Komödie nach Aristophanes ist lütt. Und scharfsichtig. Ein Kammerspiel mit acht Figuren. Dafür taugt die unter einem Blechdach befindliche Bühne in Zinnowitz wunderbar. Nichts an Inventar, Kostümen, Masken, was über Brechtsche Kargheit hinausginge. Dafür fehlt den Vorpommerschen Bühnen wohl auch die Pinke.
Armut adelt, doch wir bleiben bürgerlich. - Amzoll beschreibt umfassend und plastisch, am Ende trifft er einen Bekannten:
Der Schluß war dann wieder etwas verläppert. Das fand auch Regisseur Manfred Dietrich, der die Uraufführung des Stückes 1993 am Theater Greifswald besorgt hatte und unter den Zuschauern weilte. Das Spiel der Studenten der Theaterakademie Zinnowitz hat auch ihn begeistert.
Oder hat er Manfred Dietrichs Meinung doch bei uns gelesen? Mer waas es net, mer munkelt’s nur.
Solange im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch solche Texte gebracht werden, haben wir Aufklärungsarbeit zu leisten:
Bekannte Westler, die in der DDR lebten
1953 fragte Peter Hacks, ein 25-jähriger Dramatiker aus München, seinen literarischen Lehrmeister Bertolt Brecht, ob es ratsam sei, in die DDR überzusiedeln. Brecht wich der Frage weise aus. Ein Jahr später - Hacks hatte gerade den renommierten “Dramatiker-Preis der Stadt München” entgegengenommen – half Brecht dem jungen Kollegen bei dessen Übersiedelung und stellte ihn als Dramaturg und Autor in seinem “Berliner Ensemble” ein. Peter Hacks, der seit 1963 als freier Schriftsteller arbeitete, kritisierte den “real existierenden Sozialismus” stets heftig. Von SED-Kulturfunktionären wurde er einerseits als ein “aristokratischer” Autor abgetan, andererseits aber mit hohen Auszeichnungen bedacht. Peter Hacks, der zu den bedeutendsten deutschen Dramatikern des 20. Jahrhunderts zählt, starb 2003 in Berlin.
Dass er Kommunist war, damit kommen sie notfalls zurecht; aber dass er Bürger der DDR wurde …
Die Buchmesse in Leipzig kommt näher: Der Eulenspiegel Verlag organisiert einen Hacks-Abend in der Lokalität Horns Erben:
Fr, 19.03.10 20:00
BUCHMESSE SPEZIAL: EULENSPIEGEL präsentiert - Vorsicht Hacks!
Ein Peter-Hacks-Abend mit Wiglaf Droste
Wiglaf Droste liest Bekanntes und Unbekanntes von und über Peter Hacks. Droste, bekennender Hacks-Fan, hat nach eigenem Gusto ein Hacks-Programm für Erwachsene zusammengestellt, süffig und süffisant, dabei stets leicht, charmant, klug und unverschämt – eben genau so, wie man Hacks bringen muss! Droste wird musikalisch begleitet vom Berliner Liedpoeten Danny Dziuk, der wie Droste, Texte von Hacks vertont hat. Es wird also gesungen: Zweistimmig!!
Wir gratulieren zur Idee - einstimmig!!
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Frühjahr 2009 wurde die Stiftung Neue Klassik gegründet. Im Sommer 2009 entschieden die Aktiven der Stiftung und der Peter Hacks Seite, die Hacks-Seite von dem bisherigen Betreiber, meinem Verlag, zu lösen und in die Trägerschaft der Stiftung zu überführen.
Dadurch sollte die Peter Hacks Seite von den kommerziellen Notwendigkeiten des Verlages befreit und als eigenständiges Kulturprojekt etabliert werden.
‘Anstiftung, Ausstiftung’ »
Ojemine - Opablogger jammert, weil er seinen Hacks nicht hat:
So sehr ich Peter Hacks schätze, so wenige seiner Werke kenne ich, besitze ich. Ich besitze sie nicht, weil ich nicht hunderte Euro für einige Werke-Bände aufbringen kann und will (selbst wenn sie es dreimal wert wären). Und ich kenne sie nicht, weil Hacks in allen Bibliotheken von den bedeutenden der schlechtest vertretene Autor ist.
Es gibt sie also noch, die Unterschiede zwischen Osten und Westen. In einer ostdeutschen Bibliothek wäre ihm das sicherlich nicht passiert. Opablogger erzählt auch, warum er gerade heute auf den Hacks gekommen ist. Er las nämlich eine Notiz in der jungen Welt zu einer Aschermittwochsveranstaltung, die das Feuilleton-Ressort geradezu poetisch mit „Ascher gegen Jahn“ eingeleitet hatte:
‘Wenn sich einer auf die Suche macht’ »
Die Gesprächsprotokolle der von Peter Hacks geleiteten Arbeitsgruppe Berlinische Dramaturgie dokumentieren Theatergeschichte. Der Aurora Verlag gibt sie im März in fünf Bänden heraus. Im Pressetext heißt es:
Wie macht man ein Drama? Was will das Theater? Was will das Publikum? Peter Hacks (1928-2003) diskutiert zwischen 1972 und 1990 mit gescheiten Künstlern und Wissenschaftlern an der Akademie der Künste immer wieder diese Fragen. Hacks zeigt sich als brillanter Diskutant, Moderator und Pädagoge. In der gelösten, dem Gegenstand zugewandten Atmosphäre der Gespräche wird über den Gegenstand Kunst so unakademisch-heiter und wissend-kontrovers gehandelt wie kaum je. Die hier vollständig edierten und kommentierten Protokolle machen eine einzigartige ästhetische Debatte des 20. Jahrhunderts erstmals zugänglich.

Therese Giehse
Ein kleiner Vorgeschmack: 21. Dezember 1976, Hacks’ „Neues von Biermann“ war gerade in der „Weltbühne“ erschienen – es treffen sich die Herren Baierl, Hacks, Kerndl, Kohlhaase, Rücker und Mittenzwei und als Mitarbeiterin der Sektion Frau Dr. Pick zum Gespräch über Büchners „Dantons Tod“:

Wolfgang Kohlhaase
‘„Berlinische Dramaturgie“ bei Aurora’ »
Nachdem der Nordkurier bereits eine Probe von Jürgen Kerns Inszenierung „Der Geldgott“ gesehen hat, folgt nun ein Premierenbericht:
„Das Geld verdient sich selbst“, lehrt ihn der goldige Geldgott Pluto (Reiko Rölz), der – von göttlich verordneter Erblindung und Gleichmacherei geheilt – den Reichtum nun wieder dorthin verteilen kann, wo schon welcher ist.
Hacks provoziert mit dem Stück nicht nur gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern auch gegen die Künste in Zeiten der Gier:
Und der intelligente Stichler Hacks gönnt sich dazu gleich noch ein Porträt der Kunst und anderer Leidenschaften unter der Allmacht des Marktes: Wer zahlt, hat das letzte Wort.
In diesem Fall – süffisante Persiflage auf den in antiken Dramen die Volksmeinung abbildenden Chor - der Betriebsrat Herr Kohr (Rainer Karsitz) als einziger Abgesandter eines Unternehmens, das die Vorstellung gekauft hat.
‘„So ist es eben“’ »
… im Februar die Peter Hacks Seite mit einer Spende unterstützen?
Jeder Euro hilft!
Spendenkonto: Stiftung Neue Klassik / Konto 319 881 708 / PostBank Stuttgart / BLZ 60010070 / Stichwort “Peter Hacks Seite” / Alle Zuwendungen sind steuerlich absetzbar!
1993 wurde Hacks’ Drama „Der Geldgott“ am Theater Greifswald uraufgeführt. Der Regisseur war Manfred Dietrich. In den letzten Tagen hatte „Der Geldgott“ gleich zweimal Premiere, einmal in Zinnowitz und einmal in Frankfurt am Main.
Es müsste natürlich von besonderem Interesse sein, zu erfahren, was ein erfahrener Hacks-Regisseur und ausgewiesener Kenner von „Der Geldgott“ zu den jüngsten Bemühungen sagt. Wir freuen uns deshalb außerordentlich, unseren Lesern mitteilen zu können, dass Manfred Dietrich die Premiere in Zinnowitz besucht und exklusiv für die Peter Hacks Seite eine prägnante Kritik verfasst hat:
‘Fortunas Riesenbanane’ »
„Der Geldgott“ von Peter Hacks feierte am Samstag in Frankfurt am Main im freien Theater an den Landungsbrücken Premiere. Darüber schreibt die Frankfurter Neue Presse:
Wo das Geld knapp ist, verlieren Liebe und Ehre an Bedeutung. Dabei schien das Schicksal es gut mit ihm zu meinen, schickte es ihm doch den blinden Geldgott Pluto. Chremylos investierte in dessen Heilung und verließ sich darauf, reich belohnt zu werden. Doch sehenden Auges zieht Pluto die Gesellschaft Lüsterblicks und seiner «Geschäftspartnerin» Frau Beutelrock vor, die das Leben ohne Arbeit zu feiern wissen. Der durch Fehlinvestition in Finanznöte geratene Töpfer verkauft Fifine an Lüsterblick und nimmt darüber hinaus Kredit bei Beutelrock. Am Ende ist er reich, aber innerlich leer.
Das Fazit über die Inszenierung von Paradiesmedial fällt lobend aus:
Wieder einmal raffiniert und experimentierfreudiges Raumtheater, bei dem Detlev Nyga den Geldgott tänzerisch und bigott gibt, Mario Krichbaum als Chremylos und Svenja Assmann (Fifine) eine unheilige Paar-Allianz eingehen. Sandra Lührs Goldsträhnen verpassen der Fortuna den rechten Schliff, während Lüsterblick (Paddy Twinem) und Beutelrock (Ariane Klüpfel) ein frivoles Paar geben. Theaterchef Linus Koenig ist als Khor der Joker im Spiel.