Monatsarchiv für Februar, 2010

Die „Jona“-Schlaubergerei

Hacks in - sitzen Sie? Nicht, dass Sie mir vor Schreck umfallen! Also: Hacks in Theater heute. Huch! Wie konnte das denn passieren? Hat die postmoderne Wachsamkeit nachgelassen?

Es geht um die Wuppertaler Inszenierung von „Jona“. Das Internetportal kultiversum.de, das von THh betrieben wird, bringt einen Artikel aus dem THh-Heft vom Januar 2010 von Martin Krumbholz:

Hacks hat immer einen erzieherischen, gouvernantenhaften Blick auf die Welt gepflegt; letztlich geriet ihm alles zu einer Stilfrage, zu einer Frage des mehr oder weniger gut gekonnten Handwerks.

Ich kann verstehen, dass das nervös macht, wenn man dem Theaterunsinn der Gegenwart vorsteht. Und nun hören Sie sich mal diesen Quatsch an:

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Preisausschreiben: Zur Ästhetik der Mauer

Jawohl, nicht nur auf der Peter Hacks Seite, auch in China werden Hacks-Preisausschreiben veranstaltet. Nicht von offizieller Stelle, noch nicht, aber von unserem Hacks-Einflussagenten vor Ort, Rayk Wieland, der derzeit mit seinem Roman „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ Erfolge feiert und zur Strafe nach Asien geschickt wurde.

Wieland hat nun einen ebenso spannenden wie lohnenden Preis gestiftet. Aber zuförderst: Die Preisjury besteht in einem Kenner, und der ist nicht etwa Wieland selbst, weit gefehlt, es ist Horst Tomayer, der systematisch und aktiv unterschätzteste von allen deutschen Dichtern.

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Sozialistisch-Märchenhaftes in Bremen

Mehr und mehr werden die Kleinbühnen in Deutschland zu den zentralen Trägern der Theaterkultur. Kein Wunder, müssen sie doch in der Hauptsache von den verkauften Karten leben und spüren sehr genau, was gutes Theater ist und was nicht.  Da ist wenig Raum für Illusionen. Ein gutes Beispiel ist das Concordia in Bremen.

Man geht Risiken ein und bringt Heiner Müller - und Peter Hacks.

Der Schuhu, ein hochintelligenter Vogelmensch, erlebt auf seinen Reisen durch die Welt viel Furchtbares: angstgesteuertes Duckmäusertum der Untertanen, absurd-menschenverachtende Eitelkeit der Herrschenden, Engstirnigkeit der Gelehrten. Krieg verheert das Land, Not und Leiden allerorten. Kein Mensch kann dem Elend entrinnen, nur der Schuhu als Mensch der Zukunft durchschaut die Ränke der Obrigkeit und überwindet das Übel. Schließlich trifft er die flatterhaft-liebliche fliegende Prinzessin, eine schicksalshafte Begegnung – bis auch sie den süßen Versuchungen des imperialistischen Großkapitalismus erliegt und der Schuhu seine Reise allein fortsetzt. Doch was wäre ein Märchen ohne Happy End?

Premiere ist am 18. März um 19:30 Uhr. Am 12. März findet um 19:30 Uhr eine öffentliche Probe statt. Am 13. März lädt das Theater um 19:30 Uhr zu einer Soirée: Der Regisseur Patrick Schimanski, der Literaturwissenschaftler Thomas Irmer und der Verleger André Thiele werden versuchen, in freier Diskussion zu dem Stück hinzuleiten.

Fahrplan zum „Hacks-Lexikon“

Der VAT Verlag André Thiele kündigt für den Winter 2010 das Erscheinen des „Hacks-Lexikons“  von Felix Bartels an.

In seinem Blog Neuestes vom Parnassos hat Bartels soeben den Arbeitsplan der kommenden Monate vorgestellt:

Das Problem mit der Arbeit ist, daß sie selbst nicht interessiert. Interessant ist allein das Ergebnis. Und ich gebe mich somit zu erkennen als einer, der den festen Vorsatz hat, Sie zu langweilen, wenn er Ihnen jetzt einen Einblick in seine Arbeitsstube gewährt.

Wir haben keine Ahnung, was Bartelns Krickeleien auf dem Photo zu bedeuten haben, aber wir geben zu: Sie interessieren auch nicht. Interessieren tut uns das Ergebnis, und irgendwie lassen uns die Krickeleien hoffen, dass es hervorragendes wird.

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Gut Ding will Plundersweilen haben

Und zwar ohne -r-.  - Ein echtes fränkisches Journalismusgenie meldet folgendes:

Neu in dem Spielplan für 2010 ist auch die Komödie „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilen“. In dieser Komödie von Peter Hacks nach einem Singspiel von Johann Wolfgang von Goethe zeigen die Schauspieler Heidi Lehnert, Benjamin Bochmann und Stephan Bach die kunterbunte Welt eines Jahrmarktsfestes.

Hmja. Und Shakespierres „Hamled“ zeigt die kunterbunte Welt der Friedhofsangestellten.

Hacks irrt in Schanghai

Wir hatten schon Gelegenheit, auf den Blog des verehrten Hacks- und Zigarren-Kenners Rayk Wieland hinzuweisen, auf dem er kunstvoll beklagt, dass er reisen muss. Heute lesen wir auf Geschangheit in Schanghai dies:

die berliner mauer, durchlässig auch sie, vor allem zuletzt, verdankt ihren fall und ihr völliges verschwinden womöglich dem umstand, daß sie zu häßlich war, zu plump, ästhetisch zu unerfreulich. es gab keinen grund, sie länger stehen zu lassen, als sie stand. die mauer war als mauer einfach nicht schön genug, ihr weg durch die stadt verlief alles andere als grazil, und ansonsten wirkte sie immer: banal, bigott, blöd. die berühmten verse von peter hacks, aus dem gedicht „das vaterland“, sie sind nicht mehr als kabarett und, leider, nicht zu halten, nicht zu glauben:

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Spione, Hacks und andere Übersiedler

Warum suchten westdeutsche Bundesbürger Zuflucht in der DDR? Bernd Stöver gibt darüber Auskunft! In seinem Buch Zuflucht DDR, das heute bei www.literaturkritik.de besprochen wird:

Unter den Übersiedlern findet man sogar prominente Namen, zum Beispiel den Dramatiker Heinar Kipphardt (Übersiedlung 1949), Peter Hacks (1955), die Schriftsteller Stefan Heym (1952) und Joachim Seyppel (1973), ferner den Liedermacher Wolf Biermann (1953), sowie den Naturwissenschaftler Robert Havemann (1950) und Oskar Brüsewitz (1954), „dessen Selbstverbrennung als Pfarrer“, schreibt Stöver, „1976 internationales Aufsehen erregte.“

Was aber, wenn man Bernd Stöver erklärte, dass die meisten der prominenten Namen so prominent noch gar nicht waren, als sie in die DDR gingen; nein, dass sie, Gott bewahre!, in der DDR erst ihre Prominenz errangen?!

Man hätte Hacks raten sollen, dass er 1990 sein gesamtes Werk aus Protest gegen die Zustände in der DDR mitten in der Akademie der Künste verbrennt. Dann wüsste heute jeder, wer er ist. Naja, so weiß es eben morgen jeder.

Kurzmeldungen – Februar 2010

Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

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Drama lernen!

Neben Vorsicht Hacks! plant der Eulenspiegel Verlag eine weitere Hacks-Veranstaltung zur Leipziger Buchmesse:

Die Gespräche der Arbeitsgruppen von Peter Hacks an der Akademie der Künste der DDR.

Drama lernen!
 Berlinische Dramaturgie.

Die Gespräche der Arbeitsgruppen von Peter Hacks an der Akademie der Künste der DDR. »Wir alle haben seit zwanzig Jahren auf keiner Bühne mehr ein Stück gesehen… Wir haben nur Aufführungen gesehen, die von dem Spielt-sie-raus-Ideal inspiriert waren: Je durcher gefallen, desto berühmter die Aufführung und desto schöner kritisiert. Ich will sagen: Wir alle leben nicht mehr mit Theater.« Hacks, 1989.


Mit Schauspielern des Central-Theaters und den Herausgebern Thomas Keck und Jens Mehrle

Datum: Donnerstag, 18. März 2010
Uhrzeit: 20:00 Uhr

Centraltheater, Rangfoyer
Bosestr. 1
04109 Leipzig

Von Preisen haben wir nichts gefunden, der Eintritt ist also wahrscheinlich kostenlos.

„Die Fische“ Roadkill

Es gibt ja derzeit im deutschen Literaturwesen einen Skandal um ein Fräulein, das sich vom Papa hat einen Roman patchworken lassen, der im Feuilleton erst über jedes gesunde Maß gelobt wurde, bis sich herausstellte, dass die Fundstellen schlechter verborgen waren, als der Anforderungskatalog für Fräuleinstars das fordert, weswegen die Sympathie sich aufspaltete in Hass und Trotz.

Uns kann das egal sein, aber heute erfreut die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit folgender Mitteilung:

Hegemanns „Axolotl Roadkill” stärkt Nachfrage nach Axolotls

Von Marie Katharina Wagner
21. Februar 2010 Der Debütroman „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann hat nicht nur Debatten über geistiges Eigentum angestoßen, sondern zugleich einer bisher nur in Lurchenfankreisen bekannten Tierart zu neuer Aufmerksamkeit verholfen: dem mexikanischen Schwanzlurchen Axolotl, der niemals dem Larvenstadium entwächst und dessen Gliedmaßen und innere Organe regenerationsfähig sind.

Auch in Hacksfankreisen ist der Axolotl gut bekannt, denn Hacks hat ihm in seinem Drama „Die Fische“ ein Denkmal gesetzt. Ob er das getan hat, um den Umsatz von Axolotl-Zuchtfarmen anzuheizen, ist uns nicht bekannt. Wir vermuten ohnehin, dass der Axolotl-Run eher mit gewissen Berliner Restaurants zu tun hat, die geschäumtes Axolotl-Filet an geeister Mexikoschote anbieten wollen. Vielleicht überprüft mal jemand, ob im Hegemannschen Gruselromänchen auch Elemente von „Die Fische“ Verwendung gefunden haben.

Der Gegenentwurf

Wir hatten mit Sewan Latchinian ein Interview geführt über sein Stück „Eine verbotene Liebe“ nach dem vielbeachteten und höchst umstrittenen Buch von Ettore Ghibellino.

Der promovierte Jurist Ettore Ghibellino lüftet in seinem Buch ‘Goethe und Anna Amalia – Eine verbotene Liebe?’ ein Geheimnis über Leben und Werk des großen Dichters, hinter dem sich ein spannender Krimi um Täuschung, Abenteuer und Treue verbirgt. Begeistert von der Idee, sein Werk, das im Wesentlichen eine Sammlung theoretischer Essays ist, auf die Bühne zu bringen, räumte Ghibellino der Neuen Bühne Senftenberg die Rechte für die Uraufführung ein. Intendant und Regisseur Sewan Latchinian entwickelte ein Stück für einen Darsteller mit einem Text, der die Enthüllung des Geheimnisses der verbotenen Liebe zum ebenso spannenden wie sinnlichen Vorgang macht. Ob man nun Ghibellinos delikater These folgen mag oder nicht, das Stück ist Anlass genug, sich wieder einmal mit Herrn von Goethe zu befassen.

Mit diesen Worten wird eine Neuinszenierung am Theater am Ring in Villingen-Schwenningen angekündigt, die am 14. April anlaufen wird. Uns beschäftigt vor allem folgende fettgedruckte Feststellung:

Der Gegenentwurf zu Peter Hacks’ ‘Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe’.

Wir sprechen wohl im Namen aller Hacks-Freunde wenn wir sagen: Bring it on!

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