Kurzmeldungen – Januar 2010

Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

Peter Hacks

31.1.2010 Die Bloggerin Stabigabi liest Peter Hacks’ Bearbeitung des Goethe’schen Stücks „Der Jahrmarkt zu Plundersweilern“ und zitiert:

Endlich der Tempel des Geists: die Stirn.
Hinter ihr, sagt Herr Lavater, sitzt oft ein Gehirn.

Wer wissen möchte, was es damit auf sich hat, lese bei Lyrikkritik weiter und wird möglicherweise schlauer.

29.1.2010 Die Thüringische Landeszeitung stellt das Programm des Theaters in Meiningen vor: Zugpferd zur neuen Spielzeit ist die Uraufführung von Martin Walsers Drama „Ein liebender Mann” (1.10.), das der Nestor der deutschen Gegenwartsliteratur persönlich nach Vorlage seines jüngsten Erfolgsromans schreibt. Darin widmet sich Walser der späten Liebe des 73-jährigen Klassikers zur blutjungen Ulrike von Levetzow während der Sommerfrische in Marienbad anno 1823. Der Intendant Ansgar Haag inszeniert das Stück.

Doch auch Hacks steht auf dem Programm:

Als eigene Produktionen treten Peter Hacks’ „“Maler des Königs (11.12.), Tennessee Williams’ Katze auf dem heißen Blechdach (18.3.) und Maria Barbals Wie ein Stein im Geröll (23.4.) hinzu.

22.1.2010 Die Studenten von heute: Mira weilt derzeit nicht in Deutschland und ist ziemlich aufgeschmissen, dass sie sich an das Literaturforum wendet:

Hi Leute,

suche nach 4 Namen aus folgenden Kinderbüchern, kann sie nicht per Google finden. Wenn ihr wenigstens einen kennt oder das Buch zu Hause habt, schreibt mir bitte! Ich brauche das dringend für meine Seminararbeit
Bitte, rettet mich!

- P. Hacks- Das Windloch: Name des Installateurs im 2. Kapitel
- CH.Nöstlinger - Wir pfeifen…: Name der Königsfamilie vom Gurkenkönig Kumi-Ori
- F. Fühmann - Reineke Fuchs: Name des Bauers im 7. Kap.
- O. Preußler - Bei uns in Schilda: Name des Musikanten im vorvorletzten Kapitel

Vielen Dank für eure Hilfe!
M.

21.1.2010 Eine Unterhaltung auf Isis Welt, zwischen Isquierda und Pindar:
Es dreht sich darum, dass die Welt scheiße ist und der Kapitalismus sowieso.

Isquierda sagt: Aber wenn man Marx gelesen hat, weiß man, dass [es] gerade kurz nach 10 ist. Diese Gesellschaft ist noch lange nicht blutleer, da geht noch was oder frei nach B. Traven „Caesar Capitalismus lässt nichts verkommen, solange es noch Profit verspricht.“ (aus „Das Totenschiff“)

Darauf Pindar: Eines meiner Lieblingsbücher („Das Totenschiff“). Sogar Salinger („The Catcher in the Rye“) muss es gekannt haben, weil er aus ihm an einer Stelle fast wörtlich zitiert.

Kennst du den (mehr oder weniger linientreuen) DDR-Liedermacher Reinhold Andert (der 1990 Honecker mal interviewt hat): Und wer von euch schon einmal unsern Marx gelesen hat,
der weiß, allein vom Denken wird man auch nicht satt.

Isquierda: Andert kenne ich nicht, aber ich mag B. Traven. Aber wie kann man den auch nicht mögen. Geradezu hingerissen bin ich derzeit von Gundermann, z.B. Keine Zeit mehr.

Und die hat er wirklich nicht mehr, wie auch Peter Hacks nicht. Es ist so authentisch, denn beide sind schon tot. Aber Hacks hatte zuvor ein ziemlich geiles Leben, über Traven weiß man nicht mal seinen richtigen Namen (was auch cool ist), aber Hacks hat´s auch drauf:

„Die Liebe muß nicht stets im Bette enden,
aber besser wär’, sie tät’s.“

Viel kenne ich nicht von ihm, aber dass er nicht alt geworden ist, hab ich mitbekommen. Kennst du den russischen Liedermacher Wladimir Wyssotzky? Dem ging es ähnlich.

Hach, was für ein Geplauder. Aber da reißt die Verbindung ab …

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19.1.2010 Von Jimi Hendrix sind neue Stücke aufgetaucht, von Michael Jackson auch, ebenso von Falco. Dieter Moor regt sich in dem ARD-Magazin Titel, Thesen, Temperamente über solche Nachlassfledderei auf und zitiert Peter Hacks:

Ruhm und Glanz sind mir gegeben.
Staunen brandet zu mir hin.
Teufel auch, das wird ein Leben,
Wenn ich erst gestorben bin.

Das Zitat findet sich auch in dem Blog von Kristin Reker.

sale

15.1.2010 Der Südkurier bestaunt den blauen Leinenkatalog von Suhrkamp und kommentiert lässig: Man feiert sich selbst ein bisschen und die Epoche, die hinter dem Verlag liegt und seinen Ruhm begründet. [...]

Suhrkamp beharrt auf seiner Sonderstellung im deutschen Literaturbetrieb. Der Verlag mit der ansehnlichsten Backlist, im Katalog „Bibliothek Suhrkamp“ genannt, spielt seine Trümpfe aus. Neben Brecht, Joyce, Beckett, Barthes, Bernhard, Johnson oder Cioran, die jedes Jahr neu aufgelegt werden, erscheint im Frühjahr erstmals das aus dem Nachlass edierte „Kriegstagebuch“ von Ingeborg Bachmann, der fünfte Band der Wolfgang-Koeppen-Ausgabe („Das Treibhaus“) und das kürzlich entdeckte dritte Tagebuch von Max Frisch aus dem Jahr 1982, als er in New York lebte. Dazu die Nelly-Sachs-Gesamtausgabe, gesammelte Aufsätze von Peter Hacks und die Chronik von Siegfried Unseld. Literatur von gestern, die heutige Leser erreichen soll.

12.1.2010 Das gläserne Internet: Im Nu errechnet das BIZ-Portal anhand der Clicks und Besucher den Wert einer Website. Die „Peter Hacks Seite” rangiert bundesweit auf Rang 264.181.

10.1.2010 Der Tagesspiegel lotet das Suhrkamp-Jubiläums-Programm aus. Bekanntlich wird dort im März von Peter Hacks Die Maßgaben der Kunst erscheinen:

Ausdeuten und Freilegen nennt [die Verlegerin] Unseld-Berkéwicz dieses Retroverlegen, diesen Angriff der literarischen Vergangenheit auf die übrige Zeit. Zwischen Bänden der Nelly-Sachs-Gesamtausgabe, gesammelten Aufsätzen von Peter Hacks und der Chronik von Siegfried Unseld versteckt sich dabei allerdings das Gegenwärtige mehr, als dass es herausragen würde, ein neuer Roman von Hans-Ulrich Treichel etwa, „Grunewaldsee“, der jüngste Roman der Prix-Goncourt-Preisträgerin Marie N´Diaye, „Drei starke Frauen“, oder ein weiterer Band aus dem Homo-duplex–Romanzyklus des niederländischen Autors A.F. Th. van der Heijden, „Das Scherbengericht“.

8.1.2010 Jürgen Elsässers Ansichten werden nicht nur auf der Peter Hacks Seite diskutiert. Zu seinem Blog-Eintrag Die neue nationale Frage schrieben die Leser seitenweise Kommentare. Unter diesen 60 Anmerkungen meint eine Person namens „schnehen“, man solle von Hacks die Finger lassen:

nationalstaat-und-globalisierung1

Ich glaube nicht, dass ausgerechnet Peter Hacks ein guter Ratgeber für eine neue Bewegung ist. Und ich glaube auch nicht, dass der ‘Erbverwalter von Walter Ulbricht’ Stichworte für eine neue Bewegung liefern könnte mit irgendwelchen Überraschungsthemen. Es ist nicht so einfach, die Herrschenden in diesem Land, die sehr erfahren in der Beherrschung der Massen sind, zu überlisten. Wir müssen schon andere Geschütze auffahren.
Und ich glaube auch nicht, dass Lafontaine, der für die Abschaffung des Asylrechts mitverantwortlich ist in Deutschland ein guter Stichwortgeber ist, nur weil er es schafft in seinem Ländle 20% Wählerstimmen auf sich zu vereinigen.

rio-reiser7.1.2010 In zwei Tagen jährt sich der Geburtstag von Rio Reiser (1950-1996), und in den Medien wird bereits jetzt vermehrt an den legendären Sänger von „Ton Steine Scherben” erinnert. Verwiesen sei an dieser Stelle auf eine informative Datenbank, die erwähnt, dass Rio Reiser 1972 die Musik zu Dieter Bitterlis Inszenierung von „Moritz Tassow“ beisteuerte. Aufgeführt wurde das Stück im Theater am Turm, TAT, in Frankfurt am Main.

7.1.2010 Das Hamburg-Magazin kündigt einen Auftritt von Danny Dziuk in der Hansestadt an. Am 16. Januar spielt er mit seiner Band im Polittbüro. Über sein neuestes Album „Freche Tattoos auf blutjungen Bankiers“ heißt es:

Neu ist u.a. die Vertonung der Gedichte zweier deutschsprachiger Autoren – nämlich Peter Hacks und Franz Dobler: „Ich wüsste nicht, wie man das besser machen könnte“, kommentierte letzterer das Ergebnis. Neu auch die Mitwirkung einiger Gäste auf dem Album, so u.a. Musiker aus dem Kreis der 17 Hippies, die Kleingeldprinzessin Dota Kehr, sowie die Popette Susanne Betancor.

5.1.2010 Der Leipziger Wolfgang Krause-Zwieback macht seit Beginn der 70er Jahre Kabarett, das er auch „Kabasurdes Abrett” nennt. Nicht unbedingt zum Vergnügen der DDR-Behörden aber trotzdem unzensiert, schreibt die Neue Rheinische Zeitung.

Nicht nur darin ähnelt er dem inzwischen verstorbenen Schriftsteller Peter Hacks, der in einigen seiner Theaterstücke den Zusammenbruch des Staates vorausgesagt hatte, in den er 1961 [sic!] hinübergewechselt war.

Krause-Zwieback trat das erstmals Anfang 1989 in Köln auf und habe indes schon lange die Forderung an Honecker und Konsorten gestellt, endlich mit ihrer politbürokratische Politik „aufzuhören”, Weil sie darauf nicht reagierten, mussten sie schließlich ein paar Monate später zurücktreten, weil immer mehr DDR-BürgerInnen mit dem Ruf „Wir sind das Volk!” auf die Straße gingen.

Der Artikel kündigt keinen Auftritt an, sondern weist lediglich auf ein Video von Krause-Zwieback hin.

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