Die Fliege am Bett des kranken Mannes

dichterliebeDer SWR2 bespricht von Heidi Urbahn de Jauregui den Roman Dichterliebe, der von der Liebe zwischen dem todkranken Heinrich Heine und einer Frau, die er „Mouche“ nennt, zu Deutsch „Fliege“. Dahinter verbirgt sich die 1825 in einem sächsischen Dorf Geborene Johanna Christina Müller, die sich später Emilie Adolphine Elise Krinitz nennt.

„An Heines Bett wird sie zur Person der Literaturgeschichte“, konstatiert Immo Sennewald, der Autor des Features.

Sie liest ihm vor, schreibt Briefe, übersetzt, da sie besser Französisch spricht als Heine, versucht sich sogar an französischen Nachtdichtungen seiner Verse, vertraut ihm eine erste Novelle an. Der Dichter schreibt ihr:

„Ich liebe Dich sehr und denke viel an Dich, du Süßeste. Die Novelle hat mich gar nicht ennuyiert und gibt gute Hoffnung für die Zukunft. Du bist nicht so dumm wie Du aussiehst, zierlich bist du über alle Maßen, und daran erfreut sich mein Sinn.“

Welch vernichtendes Lob, stellt Sennewald fest, der in seinem Beitrag auch Urbahn de Jaureguis Rolle als Autorin unter die Lupe nimmt, indem er sich die Erzähler-Figur in dem Roman näher anschaut:

Ein Anagramm macht aus Urbahn Rabuhn, einen auf die Universitätskarriere in Frankreich schielenden deutschen Literaturforscher. Rabuhn lebt im Heute, schreibt aber in einer dem 19. Jahrhundert gemäßen, oft umständlichen Diktion. Wer weiß, dass Frau Urbahn sich viele Jahre mit dem DDR- Schriftsteller Peter Hacks befasst hat, erkennt eine ironische und selbstironische Auseinandersetzung mit dessen Werk: Hacks sitlisierte sich gern zum Klassiker, in seinen Texten erscheint sprachlich Kunstvolles neben Erkünsteltem, Vernunft neben dogmatischer Vernünftlerei.

Für den Erzähler hat Sennewald nichts übrig. Der sei nicht mehr als eine „literarische Marionette“. Rabuhns Wortgefechte übertönten mitunter die klaren und verständlichen Schilderungen aus dem zweiten französischen Kaiserreich.

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  1. 1 Literaturwelt. Das Blog.

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