Brillant und eigensinnig

konigin_dreckUnsere Zeit, die Wochenzeitung der DKP, bespricht von Ronald M. Schernikau  „Königin im Dreck“, aus dem Nachlass herausgegeben von Thomas Keck im Verbrecher Verlag. Wie sollte es auch anders sein, der Rezensent Mathias Meyers sieht in Schernikau einen untergegangenen Stern – rot und fünfzackig wird er gewesen sein, wenn auch nicht sonderlich linientreu:

Die Texte sind eine Fundgrube der Schernikauschen Betrachtung und Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Seine Beschreibungen sind präzise, sein Stil ist so eigensinnig wie brillant. Jeder Text, jedes Interview, jede Gedichtinterpretation eröffnet dem Leser eine erhellende, dabei oft auch heitere Sicht auf den behandelten Stoff. Die souveräne Haltung des Autors und sein sprachliches Können, seine Kunst lassen dem Leser keine Wahl - er ist nach der Lektüre unweigerlich klüger als zuvor.

Schernikau starb, wie wir wissen, viel zu früh an Aids. Interessant ist folgender Hinweis von Mathias Meyers:

1986 erschien ein Text von Schernikau in dem von Matthias Frings herausgegebenen Band “Dimensionen einer Krankheit. AIDS”. Es handelt sich dabei um eine Beschreibung der Arbeit von Ärzten und Pflegepersonal mit HIV-infizierten und AIDS-Patienten in der entsprechenden Abteilung eines großen Klinikums (München). Schernikau hatte diese Abteilung besucht, er schildert seine Beobachtungen und seine Gespräche mit dem Personal. Eine sachlichere und vernünftigere Beschäftigung mit dem Thema muss man lange suchen. 1986 war in der BRD die massiv schwulenfeindliche “AIDS-Hysterie” auf ihrem Höhepunkt. Thomas Keck hat diesen Text, ergänzt um Interviews und fehlende Passagen, nun nach der ursprünglichen Fassung des Typoskripts veröffentlicht.

1 Response to “Brillant und eigensinnig”


  1. Andre Thiele 1 ATh

    Mathias Meyers ist übrigens einer der ersten Leser und Förderer der Peter Hacks Seite gewesen.

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