Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

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Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

Die Frage, warum das Hacks-Stück „Die Sorgen und die Macht“ für einen Skandal sorgte, wird auch in dem Internetforum cosmiq diskutiert. Dort erläutert ein Leser namens Morten die Hintergründe für diesen Eklat folgendermaßen:
Hallo,
die DDR war zu diesem Zeitpunkt mit einigen Problemen konfrontiert; ein Wirtschaftswunder à la BRD blieb aus, viele Ostdeutsche flohen in den Westen. (1961 wurde deswegen ja auch die Mauer gebaut.) Die SED wollte daher logischerweise die sozialistische Literatur fördern – eine Literatur, die die DDR und ihre Führung nicht in Frage stellte. Hacks war über lange Zeit ein Schriftsteller, der sich durchaus mit der DDR identifizierte, ihr aber nicht unkritisch gegenüber stand. In „Die Sorgen und Macht“ schildert er die Mühe und die Widersprüche des Aufbaus einer neuen Gesellschaft in der DDR, was ihm die Kritik einiger SED-Oberen einbrachte. Daher geriet er in Schwierigkeiten, was ihn aber nicht davon abhielt, weiter für die DDR zu schreiben.
Gruß, morten345
Hacks war mit seiner gesellschaftlichen Kritik am Beginn der Sechzigerjahre nicht allein. Elmar Altvater und Raul Zelik zeigen dies in ihrem Dialog, den sie in dem Buch Vermessung der Utopie veröffentlicht haben, auf. Altvater meint:
Peter Hacks schrieb von dem Drama „Die Sorgen und die Macht“ insgesamt drei Fassungen. Die Uraufführung der letzten fand im Oktober 1962 statt. Am Deutschen Theater brachte es Wolfgang Langhoff auf die Bühne, und nur drei Tage später folgte eine Inszenierung des Hans-Otto-Theaters in Potsdam. Dort führte Peter Kupke Regie, und der war gestern, am 27. Januar, bei Karl-Heinz Müller im Max-Lingner-Haus in Berlin-Pankow beim Zeitzeugengespräch, zu der die Peter-Hacks Gesellschaft einmal im Monat einlädt.
Der Eulenspiegel-Verleger Matthias Oehme im Gespräch mit dem Börsenblatt über die Entwicklungen in seinem Hause. Er erklärt die Vorzüge der Vielfalt, bei der auch Werke von Hacks geraten in den Fokus, und zwar mit dem Kinderbuchverlag und dem Aurora Verlag:
Wir erhielten heute folgende Anfrage:
Guten Abend,
ich bin Studentin der Germanistik und Theaterwissenschaft und schreibe eine Hausarbeit über Peter Hacks “Der Geldgott”. Leider ist es sehr schwer Sekundärliteratur zu finden. Können Sie mir vielleicht Quellen nennen, die ich nutzen kann.
Vielen Dank im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen, etc.
Wir haben uns erlaubt, wie folgt zu antworten:
Unsere Zeit, die Wochenzeitung der DKP, bespricht von Ronald M. Schernikau „Königin im Dreck“, aus dem Nachlass herausgegeben von Thomas Keck im Verbrecher Verlag. Wie sollte es auch anders sein, der Rezensent Mathias Meyers sieht in Schernikau einen untergegangenen Stern – rot und fünfzackig wird er gewesen sein, wenn auch nicht sonderlich linientreu:
Die Texte sind eine Fundgrube der Schernikauschen Betrachtung und Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Seine Beschreibungen sind präzise, sein Stil ist so eigensinnig wie brillant. Jeder Text, jedes Interview, jede Gedichtinterpretation eröffnet dem Leser eine erhellende, dabei oft auch heitere Sicht auf den behandelten Stoff. Die souveräne Haltung des Autors und sein sprachliches Können, seine Kunst lassen dem Leser keine Wahl - er ist nach der Lektüre unweigerlich klüger als zuvor.
Der SWR2 bespricht von Heidi Urbahn de Jauregui den Roman Dichterliebe, der von der Liebe zwischen dem todkranken Heinrich Heine und einer Frau, die er „Mouche“ nennt, zu Deutsch „Fliege“. Dahinter verbirgt sich die 1825 in einem sächsischen Dorf Geborene Johanna Christina Müller, die sich später Emilie Adolphine Elise Krinitz nennt.
„An Heines Bett wird sie zur Person der Literaturgeschichte“, konstatiert Immo Sennewald, der Autor des Features.
Sie liest ihm vor, schreibt Briefe, übersetzt, da sie besser Französisch spricht als Heine, versucht sich sogar an französischen Nachtdichtungen seiner Verse, vertraut ihm eine erste Novelle an. Der Dichter schreibt ihr:
„Ich liebe Dich sehr und denke viel an Dich, du Süßeste. Die Novelle hat mich gar nicht ennuyiert und gibt gute Hoffnung für die Zukunft. Du bist nicht so dumm wie Du aussiehst, zierlich bist du über alle Maßen, und daran erfreut sich mein Sinn.“
Michael Gratz gibt sich als Herausgeber der Lyrikzeitung & Poetry News zu erkennen. Dort erschien ein Zitat über Hacks aus einem fast drei Jahre alten Artikel des Magazins Literaturen, den Google kürzlich noch einmal als News versendet hat. Gratz stellte dazu eine Frage und antwortet gern selbst.
Der Artikel ist fast drei Jahre alt und taucht nun noch einmal in dem Blog Lyrikzeitung auf. Stephan Wackwitz schrieb in dem Magazin Literaturen über Peter Hacks und kanzelte seine Dichtung als „preußisch-sozialistischen Staatsrokoko“ ab:
Der kommunistische Schriftsteller Peter Hacks hat seine geniale Lyrik, seine anregend skurrilen Essays und seine leider sterbenslangweiligen Dramen zeitlebens unter dem Einfluss eines narzisstischen Phantasmas geschrieben: Er war heimgesucht von der Vorstellung, der Molière oder Goethe des ersten sozialistischen Staates zu sein. Diese phantasmatische Identifikation mit der deutschen oder der französischen Klassik findet sich als (meist ironisch-kokette) Anspielung überall dicht unter der Oberfläche seines Werks und der zahlreichen darin verstreuten Selbstdeutungen.
Der Blogger ohne Namen fragt nun, ob man das vielleicht auch umgekehrt sehen könne: geniale Dramen, überschätzte Lyrik? – und wartet auf eine Antwort.
Der Vorwand, das von Siegfried Prokop besorgte Buch „Ulbrichts Favorit. Auskünfte von Alfred Neumann“ auf der Peter Hacks Seite zu besprechen, ist das auf den Seiten fünf bis acht abgedruckte Faksimile eines Briefes Hacks’ an Neumann vom 3. November 1997 sowie des Gedichtes „Das Vaterland“; das ist jenes mit der stimmungsvollen Zeile „Der Erdenwunder schönstes war die Mauer“ …
In für Hacks ganz untypischer Verbindlichkeit endet das Gedicht mit der Widmung „Für Alfred Neumann schrieb ich diese Zeilen.“ Soll den Hacks-Freund nicht interessieren, wer dieser Alfred Neumann war?
Das Blog Gastrosophie lobt André Thieles Essayband Die Welt in Scherben, und das hört sich so an: „Kurzum ein Buch, dessen Lektüre den Leser mehr gibt als bloße Worte. Es ist anregend, klug, prägnant. Mit anderen Worten: ein Buch zum Genießen.“
Aber damit ist das Resümee der Besprechung schon vorweg genommen:
Vielleicht noch ein Wort zu den Essays. Sie kommen mit einer Wucht um die Ecke, die man sonst nur von Hacks gewohnt war. Zugleich regen sie durch ihre Form der Gedankensplitter den Leser zum eigenen Nachdenken an. Denn was Thiele über die Gewürze zu berichten weiß, speist sich nicht einfach aus dem Nacherzählen.
Natürlich geht es auch ums Essen.
Als die orientalischen Gewürze Mode wurden und der Adel wie süchtig nach ihnen verlangte, wurde der Aufstieg des Bürgertums besiegelt. Der Adel zahlte ernorme Summen für die Gewürze, die er zugleich in verschwenderischem Umfang genoss. Er fraß sich gewissermaßen in seinen eigenen Untergang hinein und betäubte durch die Stimmungsaufhellende Wirkung der Gewürze die klare Sicht auf den unaufhaltsamen eigenen Niedergang.
In Leipzig singt am Samstag Gina Pietsch Hacks-Vertonungen. Hannes Zerbes begleitet die eigentliche Brecht-Interpretin dazu am Piano. Das Album zum Konzert heißt „Was träumt der Teufel“ und ist bei Eulenspiegel erschienen.
Die Leipziger Termine kündigen einen besonderen Abend an:
Über Träume und die Frage nach ihrer Realisierung, über Leben und Kunst eines großen Mannes, der einer der unseren wurde, ein Kind Berlins und seiner Umgebung, was ihm nicht in die Wiege gelegt war. Sinnlich in den Liebesgedichten, spaßig für die Kinder und vernunftgierig bis in Zeiten hinein, da der mainstream anderes vorzieht.
Der Auftritt findet im Polstergeschäft „Kallenbach“ statt. Für angenehme Bestuhlung dürfte gesorgt sein.
Thomas Groß stellt Dietmar Dath in dem Mannheimer Morgen als die dampfende Lokomotive in der deutschen Gegenwartsliteratur dar. Eine Maschine, die schreibt und schreibt. Der Autor beweise dabei keine Originalität, meint Groß, „doch er zeigt vielmehr, wie souverän er mit angestammten literarischen Motiven und Themen umzugehen vermag.“
In Daths Texten sei vieles möglich …
Hier „stellt die Nacht ihre Fledermausohren auf“ oder „wundern sich Korallen blind darüber, dass sie bei aller Farbenpracht gar keine Seele haben.“ Und Schöpfungen erweisen sich erst dann als solche, „wenn sie über den Plan hinauswachsen“, wie es einmal heißt. Das erstrebt hier fast jedes Wort und trägt zum Eindruck von „unkontrolliertem Ausstoß“ erheblich bei. Mit welchem Elan und intellektuellen Aufwand hier einer gegen den neu erwachten, erfolgreichen Realismus anderer Autoren anschreibt, der als Alternative reichlich naiv erscheinen muss, ist indessen allemal erstaunlich. Dath zitiert Peter Hacks’ Diktum, dass in der Kunst die Sachverhalte aufhörten zu sein und anfingen zu bedeuten. Realismus will das Sein setzen. Dath geht noch weiter als Hacks und fragt, was es bedeutet, wenn ein Text etwas bedeutet. So handelt Literatur von sich und spielt mit Versatzstücken, Motiven, Genres.
Der Vortragsband der ersten wissenschaftlichen Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft e.V. im November 2008, den Kai Köhler unter dem Titel „Staats-Kunst. Der Dramatiker Peter Hacks“ im Auftrag der Gesellschaft soeben vorgelegt hat, kommt rund vierzehn Monate nach dem Ereignis spät; die interaktive Verlags-Ankündigung zeigt aber schon für diesen März den 2009er Tagungsband an, weswegen davon ausgegangen werden darf, dass dauerhaft ein rasches Erscheinen nach Abschluss der hoffentlich weiterhin jährlichen Hacks-Tagung beabsichtigt ist und damit eine brauchbare Hilfe für die effektive Nacharbeit der fleißigen unter den Hacks-Freunden angeboten werden soll und ein zuverlässiges Hilfsmittel für die, die nicht anwesend sein konnten.
Die Beiträge einer wissenschaftlichen Tagung zu einem Buch zusammenzustellen, ist nicht unproblematisch, vor allem im Bereich der Literaturwissenschaft: Sie sind als mündliche Vorträge konzipiert, müssen also ganz anders aufgebaut sein als Essays oder Fachartikel. Sie sind dann entweder schlechte Aufsätze oder schlechte Vorträge; Schwächen, die der mündliche Vortrag verbirgt, kommen unter der Leselampe gnadenlos zum Vorschein, Stärken, die der Vortrag hatte, verlieren sich im Druck. Und: Der Herausgeber ist fast gezwungen, alle Vorträge auch tatsächlich zu bringen, ob sie nun für einen Abdruck taugen oder nicht. Das macht solche „Reader“ für die, die an der Veranstaltung nicht teilgenommen haben, zumeist unattraktiv und verbannt sie auf die Wertstufe von Festschriften: Nice to have, aber nicht unverzichtbar.