Kurzmeldungen - Dezember 2009

Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

Dezember

26.12.2009 Erst heute gefunden: Eine Stellungnahme von Holger Helbig vom Januar 2009: Ist die linien- und staatstreue Literatur der DDR zu Recht vergessen? - Zu Recht vergessen ist sicher die linien- und staatstreue Literatur der zweiten Reihe. Die ästhetisch anspruchsvolleren Autoren sind ja immer noch im Bewusstsein. Vor kurzem hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Werkausgabe von Peter Hacks empfohlen, einem erklärten Walter-Ulbricht-Fan, für den Westdeutschland bei aller Kritik am real existierenden Sozialismus nie eine Alternative zur DDR gewesen ist.

25.12.2009 Das Kulturradio vom RBB bringt heute ab 14 Uhr 04 eine Sendung, in der verschiedene Balladen vorgetragen werden: Von Goethe über Uhland bis Peter Hacks ist für jeden Geschmack etwas dabei. Affären, Mord und Totschlag, plötzliche Schicksalswendungen. In „Des Sängers Fluch“ wird gebänkelt, gegruselt und geliebt, dass die Lautsprecher beben.

21.12.2009 In der Ladengalerie der jungen Welt fand ein Gespräch über die Entwicklung in China statt. Auf dem Podium saßen die Politologin Renate Dillmann, der Sinologe Helmut Peters, früher Leiter des Forschungsbereiches China an der Akademie der Gesellschaftswissenschaften der DDR und der letzte Botschafter der DDR in Peking, Rolf Berthold, berichtet Manfred Lauerbach in der „jungen Welt”.

Die Schüsselfrage war einfach. Ist die Entwicklung Chinas nach der 3. Revolution seit der Staatsgründung 1949, nach der Kulturrevolution 1966ff., durch Deng Xiaoping nach 1978, geprägt durch die offensive Übernahme kapitalistischer Strukturen, eher eine Konterrevolution?

Die habe eine lebhafte Diskussion gegeben, ob das eine bloße nachholende Industrialisierung sei oder eine eurozentristische Wahrnehmung, ob Chinas Entwicklung kritisiert werden dürfe oder nicht. Der Sinologe Peters mahnte zur „Würde der – chinesischen – Realität“ und lieh sich den Wortlaut von Peter Hacks aus.

13.12.2009 Wiglaf Droste hatte einen Auftritt in Lübeck, und bei der Gelegenheit nutzte das Magazin Unser Lübeck die Gelegenheit für ein Gespräch.  Natürlich ging es in dem Interview um Rheinsberg, jenem Brandenburger Städtchen, in dem Droste im Frühjahr ein paar Monate als Stadtschreiber verbracht hatte. Wer Droste kennt, der weiß, dass er immer etwas von Peter Hacks zu zitieren hat:

Ich kannte Rheinsberg schon ein bisschen aus der Zeit, die ich in Berlin verbrachte – „jener deutschen, jener flachen, ausgedehnten Provinzstadt“, wie Peter Hacks Berlin so treffend beschrieb.

10.12.2009 Das Blog Crull bringt verspätet zum Mauerfall einen Ausschnitt aus dem Hacks-Gedicht „Das Vaterland“:

Wer kann die Pyramiden überstrahlen?
Den Kreml, Sanssouci, Versailles, den Tower?
Von allen Schlössern, Burgen, Kathedralen
Der Erdenwunder schönstes war die Mauer.
Mit ihren schmucken Türmen, festen Toren.
Ich glaub, ich hab mein Herz an sie verloren.

Ausgehend von diesen Zeilen ist in dem Blog eine wilde Diskussion entbrannt. Leider gänzlich ohne Humor.

Lyrik der DDR

9.12.2009 Die Anthologie Lyrik der DDR vermittle eine Mannigfalitigkeit und Sprachgewalt, befindet Evgenij Unker auf dem Onlinemagazin Netz-Betrieb. Neben Dichtern wie Heiner Müller, Johannes R. Becher und Peter Hacks sind in dem Band, der im Fischer Verlag erschienen ist, viele unbekannte Autoren versammelt. „Völlig unhaltbar“ sei „die vor allem im Westen immer noch verbreitete Ansicht, die Lyrik der DDR sei gleichsam eine einzige große Auftragsarbeit zur aktuellen Propaganda politischer Leitlinien des sozialistischen Staates gewesen“, so die Herausgeber Heinz Ludwig Arnold und Hermann Korte in ihrem Nachwort.

Diese These scheint die umfassende Sammlung widerlegen zu wollen, vermutet Unker  – nur so lässt sich zumindest der nahezu allumfassende Begriff der DDR-Lyrik rechtfertigen, den die Herausgeber der Ausgabe zugrunde legen.

30.11.2009 Die Zeitschrift Rotfuchs druckt einen Brief ab, in dem ein Leser von einer „Gänsehaut-Atmosphäre“ berichtet:

Unter dem Motto „Wessen sollten wir uns rühmen,wenn nicht der DDR“ (Peter Hacks) wurde durch linke Vereine, Organisationen, Parteien und Zusammenschlüsse wie ISOR, GRH, GBM, VVN (BdA), Friedensbündnis,DKP, AKL und KPF zur Veranstaltung am 10. Oktober 2009 in Rostock eingeladen. Unter Federführung der RF-Regionalgruppe Rostock hatten alle Beteiligten das Treffen seit langem akribisch vorbereitet. Als Gast referierte der bekannte Historiker Prof. Dr. Siegfried Prokop. Im Anschluß an seinen eindrucksvollen Vortrag bot die Gruppe Rotdorn aus Hamburg den Teilnehmern einen Einblick in ihr umfangreiches Repertoire. Vom Solidaritätslied Brechts und Eislers über ein Lied der italienischen Partisanen bis zum Song des Oktoberklubs „Sag mir, wo Du stehst!“ spannte sich der Bogen. Es war schon bei den bekannten Texten und Melodien eine Gänsehaut-Atmosphäre entstanden. Viele der etwa 250 Besucher stimmten ein.
Carsten Hanke, Lambrechtshagen

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