jW-Programmtipp: Die Bibel

Das hat man selten, dass die kommunistische Tageszeitung, die sich manchmal so liest wie das was herausgekommen wäre, hätte Jean Paul Marat zu Charenton die Macht übernommen, seine Verlobung mit Charlotte Corday bekanntgegeben und zur Feier des Tages Crack an die Insassen ausgeteilt, in ihrem Ätschibätsch-Atheismus doch die TV-Version der Bibel empfiehlt:

John Huston verfilmt die Bibel. Ava Gardner spielt hoffentlich die Sünde. Und wenn Sie mehr wissen wollen, dann lesen sie die »Biblische Mythologie – Gott und die Götter« von Walter Beltz, Berlin, 1977, bei Aufbau erschienen. Und aber andererseits: Ist von Peter Hacks die These in Erinnerung, daß die Zeit der Aufklärung und Enttarnung der ideologischen Funk­tion von Mythen eigentlich schon wieder vorbei ist bzw. es in den 1970er Jahren war. Ganz ähnliches meinte Italo Calvino. Die Mythen sind wahr, könnte man sagen, aber viel wichtiger: Sie sind stärker als ihre aufgeklärte Enthüllung. Do., 20.15, Das Vierte

Seltsam: Der Anti-aufklärerische Gestus, aus Hacks’ Mund klingt das alles viel überzeugender als aus dem seiner Meerkatzen. Ebenso wie das Anti-Brecht-Gerede oder das Anti-Lessing-Getute. (Ich wüsste aber zu gern, ob Peter Hacks wirklich verstanden hatte, dass Brecht und Lessing tatsächlich zwei verschiedene Schriftsteller waren.)

Aufklärung ist die Antwort auf die Frage, was ist. Selbstverständlich war Hacks ein Aufklärer, er war aber interessiert daran, die Aufklärung von bestimmten überkommenen Fehlern und nutzlosen Riten zu befreien. Und: Vieles, was die historische Aufklärung notwendig für antiaufklärerisch hielt, wie z.B. Mythen, beinhaltet etwas, was selbst aufklärerisch ist, weswegen die Aufklärung, wo sie sich gegen diese Dinge abgrenzt, sich von sich selbst abgrenzt.

Klassik versteht die Frage nach dem, was ist, in einem umfassenderen Sinn als die historische Aufklärung das konnte. Zum Beispiel weiß die Klassik, dass die Frage, was ist, nur vollständig beantwortet werden kann, wenn man zugleich angibt, was sein könnte resp. was sein soll.

Klassik ist also notwendig immer Aufklärung.

Aufklärung, könnte man sagen, ist Zwetschgenkuchen. Klassik ist Zwetschgenkuchen mit metaphysischen Sahnehäubchen. Wer Zwetschgenkuchen liebt, weiß, was ich meine.

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