Monatsarchiv für Dezember, 2009

Wallende Wörtermengen zu Matusche

Matthias Biskupek lästert in der Januar-Ausgabe des Satiremagazins Eulenspiegel über das deutsche Feuilleton:

Verfolgt man ein bisschen die wallenden Wörtermengen in den Feuilletons dieser Republik – was sich nur Müßiggänger wie ich leisten können –, bekommt man Verfolgungswahn. Kaum taucht ein Name auf, mühen sich alle anderen, den auch zu nennen. Sloterdijk hat gesagt und Teilkamp hat getönt. Theo und Vincent van Gogh werden verwechselt — und alle wechseln mit. Maxim Biller hat den wichtigsten verbotenen Roman sich erneut verbieten lassen, und der große deutsche Memoiren-Dichter Oliver Kahn hat die Schweinegrippe verbreitet.

Ein Rundumschlag gegen den Kulturjournalismus? Nicht ganz, es gebe noch Ausnahmen, meint Biskupek:

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Die Klassiker auf dem Sockel

Michael Klonovsky regt sich in dem Blog Die Achse des Guten leidenschaftlich übers Regietheater auf.

Regietheater ist ein Schlagwort aus der Theaterkritik, entstanden in den 70er Jahren, damals noch oft mit negativem Zungenschlag. In jüngerer Zeit wird der Begriff fast nur mit positiver Konnotation verwendet. Es heißt, die Werke der Vergangenheit müsse man neu deuten. Das heutige Publikum sei anders sozialisiert als das Publikum zur Zeit der Uraufführung.

Ein Beispiel …

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ARGOS erschienen

Im VAT Verlag André Thiele ist mit zweieinhalb Monaten Verspätung soeben die neue Ausgabe des Hacks-Journals Argos erschienen. Es ist die fünfte und nennt sich noch immer „Heft“, obwohl es ein geleimtes Büchlein ist und gar kein Schmalband dazu.

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So lieblich, so pieplich

Ein Blog aus dem fernen China, es heißt sina. Und ein beinahe zartes Naturgedicht von Peter Hacks. Beinahe …

Vogelweihnacht

Der Abend ins Gehölz einzieht.
Da singen alle möglichen
Bunt flatternden Waldvögelchen
Ein schönes Weihnachtslied.
Und der Specht
Ist ihr Trommelknecht:
Im Himmel stecken Sternelein,
Im Tannenzapfen Kernelein,
Die Welt ist so lieblich, so pieplich
Zur Weihnachtszeit,
Tirili.

Die Dohle kommt aus ihrem Nest,
Der Dompfaff und der Kernebeißer.
In Afrika, da lebt man heißer,
Doch ohne Weihnachtsfest.
Und der Specht
Trommelt gar nicht schlecht:
Im Himmel stecken Sternelein,
In Tannenzapfen Kernelein,
Die Welt ist so lieblich, so pieplich
Zur Weihnachtszeit, Tirili.

Der Hacks verschimmelt!

Als große Teile des DDR-Buchbestands nach der Wende auf den Müll gefahren wurde, schritt Peter Sodann ein und schaffte 500 000 Bücher zur Seite. Er lagerte sie in der Turnhalle der Dürer-Schule in Merseburg. Jetzt schlug er Alarm, weil die Halle feucht ist und die Bücher Schimmel ansezten.

Christian Eger berichtet in der Mitteldeutschen Zeitung über Sodanns Hilferuf:

In der vorigen Woche hat Peter Sodann kapituliert. Mit einem „Notruf” über das Internet wandte sich der 73-Jährige an die weltweite Öffentlichkeit: Er sucht nicht mehr nur einen neuen Ort für die Lagerung, sondern Geld, um Regale anzuschaffen, um die Inventarisierung der Bücher zu bezahlen, von denen 140 000 von Ein-Euro-Jobbern registriert worden sind.

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Bei den Krähen und den Katzen

Rosi Lampe führt in ihrem Puppentheater Peter Hacks’ Weihnachtsgeschichte „Maries Baby“ auf. Die nächste Vorstellung findet am 26. Dezember statt. Uns hat sie ein Gedicht zukommen lassen, das einen Einblick hinter die Kulissen ihres Theaters gibt:

Maries Baby und ich

Jedes Jahr, wenn‘s draußen dustert,
der Frost durch kahle Zweige plustert,
packe ich die Puppen aus,
den Text dazu und geh hinaus,
wenn der Wind nicht gar zu stark,
durch die Gärten in den Park.

Und ich drehe meine Runden,
mache mir manch frohe Stunden
mit dem Baby von Marie.
Leis verwundert denk ich: “Nie
hätte ich von mir gedacht,
dass Proben mich so fröhlich macht.“

Alle Krähen, Katzen, Zäune,
Meisen, Spatzen, Apfelbäume
sind mein treues Publikum.
Und ich weiß jetzt auch, warum
Ochs und Esel Zeuge sind
an der Krippe bei dem Kind.

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Dziuk: Ganz toll

Der Trierische Volksfreund besuchte ein Konzert des Liedermachers Dziuk und fällt darüber ein Lob, das größer kaum sein könnte:

Durchweg klasse Stücke, die zeigen, dass Lieder in deutscher Sprache auch ohne jeden verkrampft lyrischen Schwulst auskommen. Und dass es zum Ausdruck von Intimität und Romantik keiner platten Herz-Schmerz-Floskeln bedarf. […] Dazu lässt er sich schon mal von Tom Waits inspirieren oder adaptiert die Worte anderer, beispielsweise von Rio Reisser oder Peter Hacks: „Mitmensch bin ich in der Kammer, Eremite im Gewühl …”

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Grüße aus Berlin

Als wäre Hacks noch immer in Berlin in seiner Wohnung in der Schönhauser Allee und würde das Treiben auf der Straße miterleben:

Dziuk [findet] Formulierungen wie Dumpfbacken-Flachwannen-Cabriolets, digitale Bohème oder Ferrero-Revolution, um eine spitzfindige wie spritzige, hochpolitische Zustandsbeschreibung der jungen Berliner Gesellschaft zu liefern.

Hacks-Seite wird unabhängig

Seit 2005 wurde die Peter Hacks Seite vom VAT Verlag André Thiele betrieben; von Anfang an barg das Probleme: Der Verlag ist ein gewerbliches Kleinunternehmen, also war auch die Hacks-Seite ein gewerbliches Produkt, etwas, das ihrem Anspruch, ein überparteiliches Aggregat aller Meinungen und Vorhaben rund um Peter Hacks zu sein, zuwider lief.

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Mut und Kraft zur Arbeit früh und spät

Das Berliner Theater am Palais spielt Peter Hacks. Charlotte von Stein in Gestalt von Helga Ziaja hält einen Monolog, Goethe ist nicht da. Termin des Klassikers „Gespräch im Hause Stein“ ist der 13. Januar. Passend zum Jahreswechsel schrieb Goethe:

Ein neues Jahr hat neue Pflichten,
Ein neuer Morgen ruft zur frischen Tat.
Stets wünsche ich ein frohes Verrichten,
und Mut und Kraft zur Arbeit früh und spät.

Helga Ziaja wurde in Leipzig geboren und studierte dort an der Theaterhochschule Schauspiel. Ihr Diplom legte sie am Deutschen Nationaltheater in Weimar mit der Rolle „Gretchen“ in Goethes „Faust“ ab. Es folgten Theaterverpflichtungen unter anderem in Gera, Erfurt, Schwerin, Essen und Berlin. 1999 gründete sie in Weimar das Othellotheater, für das sie neben der Aufführung von Theaterstücken eine Reihe von literarischen Programmen und Chansonabenden entwickelte.

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Totale Dialektik

Der Literaturwissenschaftler Wolf Gerhard Schmidt hat einen Aufsatz verfasst, der im Internationalen Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) erschienen ist. Der Titel lautet: „Alles Kunstwerke sind Golems“. Organisation und Hypertrophie der „totalen Dialektik“ bei Peter Hacks.

In einer Zusammenfassung schreibt das Portal Reference Global:

Obwohl Peter Hacks nach Ansicht der Forschung zu den bedeutendsten DDR-Dramatikern zählt, gelten seine Produktionsstücke – im Gegensatz zu denen Heiner Müllers – als nur bedingt systemkritisch. Mit der Forderung nach einer „totalen Dialektik“, die alles mit allem kontrastiert und den „Konflikt“ zum „einzige[n] Thema der Kunst« macht, stellt aber auch Hacks das marxistische Narrativ in Frage. Weder Text (Drama) noch Paratext (Kommentar) können das „Wesen“ der Wirklichkeit adäquat abbilden, wodurch das Kunstwerk, das dem sozialistischen Realismus zufolge realutopischen Charakter haben soll, inkommensurabel wird. Dies betrifft insbesondere Hacks’ Zeitstücke Die Sorgen und die Macht sowie Moritz Tassow. Die dialektische Hypertrophie beider Schauspiele, die schon das zeitgenössische Publikum konstatiert, beendet schließlich wie bei Müller den dramatischen Gegenwartsbezug; an seine Stelle tritt der Rekurs auf historisch-mythische Stoffe.

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Wie die Schmeißfliegen

Eine Uraufführung mit prominenter Besetzung: Die Hamburger Vers- und Kaderschmiede spielt am Montag, den 7. Dezember und am Dienstag, den 8. Dezember von Peter Hacks das Dramolett “Der Bischof von China”. Mit dabei sind die Schauspieler Harry Rowohlt, Robert Stadlober, Jacques Palminger und Reinhard von Hacht sowie Marco Tschirpke am Klavier. Das Hamburger Abendblatt kündigt an:

Wir schreiben das Jahr 1705. Am Hofe des Kaisers von China tauchen zwei seltsame Gestalten auf: Der eine behauptet, der Patriarch von Antiochien zu sein, sein Begleiter nennt sich “Der Bischof von China”.

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Die Vehemenz der DDR-Literatur

Die Zeit geht in ihrer Literaturbeilage der Frage nach, warum die DDR die besseren Literaten hervorgebracht hat. Um diese These zu untermauern, zählt Alexander Cammann vorweg erstmal die ostdeutschen Büchnerpreisträger auf: Johnson, Müller, Wolf, Grünbein – es fehlt das Olé nach jeder Namensnennung – Biermann, Kirsch, Braun, Hilbig. „Keine schlechte Quote für einen Landstrich, der weniger Einwohner als Nordrhein-Westfalen hat.“ Darauf führt er ein „anders gelagertes“ Beispiel an:

Seit einigen Jahren erfährt der Dichter und Dramatiker Peter Hacks (1928-2003) eine erstaunliche Renaissance, vergleichbar hierzulande allenfalls mit der Wiederentdeckung des österreichischen Schriftstellers Heimito von Doderer Mitte der neunziger Jahre. Jüngst wurde gar ein eigener Verlag mit dem Hacks-gemäßen Namen „Aurora“ gegründet, der sich ausschließlich seinem Werk widmen wird.

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