Kurzmeldungen - November 2009

Wir versammeln hier monatsweise kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.

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2.11.2009 Die Blogs Trotz alledem und Kritische-Massen zitieren das Hacks-Gedicht „Dreißig Tyrannen“ anlässlich des Mauerfalls vor 20 Jahren:

Und sie füllten alle Plätze,
Wo man Weiber hat und Wein,
Und sie führten die Gesetze
Von ganz früher wieder ein,
Stahlen auch mit langen Fingern
Land und Häuser, Vieh und Brei,
Und ein Heer von Peitschenschwingern
Brachte uns Gehorsam bei.

Der Text habe Bezug zum Untergang der DDR, schrieb Kai Köhler in einer Rezension über einen Hacks-Gedichtband, der bei Edition Nautilus vor neun Jahren erschien. Die  Unzufriedenen, die von Gnaden Spartas eine Zeit lang Athen beherrschen durften - können als Oppositionelle aus der DDR, die nun Oberwasser haben, dechiffriert werden.

4.11.2009 Das Portal „3min.de” stellt ein Videomitschnitt von Marco Tschirpkes Auftritt im Berliner Quatsch Comedy Club online. Ausgewählt darin: ein Gedicht von Goethe und das Lied  „Der Himmel ist voll Dampf” von Peter Hacks.

6.11.2009 Der Reutlinger General-Anzeiger spürt die Geschichte des Theater-Tonne-Intendanten Enrico Urbanek auf, der den Mauerfall in Stendal auf der Bühne erlebte. Das war eine „Chaosnacht“, erinnert er sich. Doch die Freude über die offene Grenze wich schnell der Frust über einen „drittklassigen“ Intendanten in Stendal, der das Musiktheater alsbald abwickelte.

Er ist dann bei Peter Sodanns Neuem Theater Halle untergekommen. Urbanek: „Mit vereinten Kräften haben wir diese Kulturinsel aufgebaut, eine Enklave, in die kaum Westler kamen.“ Und es wurden endlich die Stücke gespielt, die vorher verboten waren, aber eine Menge zur DDR-Gesellschaft sagen konnten: Tschingis Aitmatovs „Die Richtstatt“, Christoph Heins „Ritter der Tafelrunde“, Roger Vitracs „Victor oder die Kinder an der Macht“, Peter Hacks: „Die schöne Helena“. Doch das spannende Kulturleben der Nachwendezeit ist mittlerweile auch Vergangenheit.

10.11.2009 Peter-Hacks-Gesellschaft macht ein Typoskript von 1972 zugänglich - ein Brief mit dem Hacks sich für seine Kollegen Sarah Kirsch und Karl Mickel einsetzt.

12.11.2009 Harper’s Magazin übernimmt Nathan Thornburghs Text aus dem New Yorker: Hacks’s politics were hard to ignore. Bertolt Brecht advised him not to move to East Germany in the early nineteen-fifties…but Hacks moved anyway.

12.11.2009 Auch Shelley Ettinger, eine jüdische Kommunistin aus den USA, hat mit Interesse den „New Yorker” gelesen, wie sie in ihrem Blog Read Red mitteilt: In Germany, it seems there’s growing interest in the writer Peter Hacks, who lived in the GDR and never turned against communism. I hadn’t known about him and, having waded through this heavily anti-communist New Yorker blog post about him and the renaissance of his work, I’m going to check out whether any of his stuff is available in English.

17.11.2009 Ein Blog, das sich Egon Alter! nennt. Dahinter verbirgt sich ein Mann, der anonym bleibt, Poetry Slam und Kalauer liebt, und vermutlich aus dem Rhein-Main-Gebiet kommt:

Den ersten Teil dieses recht literarischen Tages verbrachte ich mit einem Auftritt vor einem mir noch ungewohntem Publikum. Bundesweiter Vorlesetag war veranschlagt worden, von ganz oben. Hier und dort sollen auch Prominenzen, also so richtige vorgelesen haben, mir ist keine über den Weg gelaufen.
Am Schuldorf Bergstraße Seeheim beglückte ich zwei 6. Klassen mit Peter Hacks. Mag sein, dass sich der sozialistische Klassiker im Grabe wälzt, aber die Auswahl aus dem „Flohmarkt“ und „Der Bär auf dem Försterball“ haben den Nachwuchs belustigt.

18.11.2009 Das morgen web, ein Nachrichtenportal für den Rhein-Neckar-Raum, stellt einen Kalender für das neue Jahr vor:

Der hohe Ton der Lyrik scheint vielen unzeitgemäß, da kann der Nachweis nicht schaden, dass sie auch Platz für höheren Blödsinn bietet. Der Deutschlandfunk-Lyrikkalender (fürs Jahr 2010) beweist dies schon am 1. Januar, mit einem Gedicht H. C. Artmanns, das auf den alten Horror-Schinken Die Mumie” mit Boris Karloff anspielt: (…) o kindlein, treibt es nicht zu arg,/ sonst steig ich aus dem sarkophag.” Doch Peter Hacks belegt schon zwei Tage darauf, wie weit das Feld der Lyrik insgesamt gefasst ist: (…) Die Welt schon recht. Ich liebe, und ich bin”, heißt es dort lakonisch vielsagend.

24.11.2009 Eine Blüte des Internets: Germanblogs hat ein Verzeichnis von Blogs angelegt und stellt dort auch die „Peter Hacks Seite” vor. Das alles ist interaktiv zum Kommentieren und Bewerten.

28.11.2009 Die Mitteldeutsche Zeitung stellt den Band „Staats-Kunst“ mit Aufsätzen der Hacks-Tagung im letzten Jahr in aller Kürze vor: Für Peter Hacks (1928-2003) stand fest: „Ziel der Geschichte sei die Entfaltung der Einzelnen, und der Staat sei eben der richtige Hebel, die Entfaltung der Einzelnen massenhaft durchzusetzen”. Der „Staats-Kunst” im Werk des Dramatikers Peter Hacks widmete sich im November 2008 eine wissenschaftliche Konferenz. Deren Beiträge – u. a. von Kai Köhler, Gunther Nickel, Volker Riedel und Heide Urbahn de Jauregui – bietet der neu gegründete Aurora Verlag.

30.11.2009 Die Kommentare auf den Bericht über die Hacks-Tagung im New Yorker:
Posted 11/9/2009 by tfb17:
‘His 1998 poem “Venus and Stalin” was a lightly erotic homage to the Soviet dictator.’ As a joke, this would be in awfully poor taste, if not exactly unamusing. But it seems to be real!
Posted 11/13/2009 by worstwriter:
Hacks is fascinating - especially if one considers that his brother-love of Stalin was just a front propagated by West German media wackos. It seems to me that Hacks was as pure a Marxist as you could get - he simply did not give up on that stuff till the bitter end - hence, the Berlin Wall and Biermann comments. For anyone interested, here some thoughts regarding some of his plays. These are blog style “essays” so take them for what they’re worth (oh, and I’m not sure how long they’ll be available).
Posted 11/13/2009 by worstwriter
Oh, since there’s really not a lot of info out there about Haccks, here’s another link (in German).



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