Der Schriftsteller Christoph Hein hat kürzlich eine Einladung der Bundesregierung zu einer Veranstaltung zum 60-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes ausgeschlagen. In einem offenen Brief begründete er dies mit der Ausgrenzung von DDR-Künstlern in der Ausstellung „60 Jahre – 60 Werke“ im Berliner Gropius-Bau. Im Interview mit dem Neuen Deutschland wünscht er sich, dass das anders sozialisierte Ostdeutschland weniger als Belastung für die Bundesrepublikaner, sondern als hinzugekommener Reichtum empfunden werde.
Christoph Hein erwähnt auch Monika Maron, die es leid ist, von einer DDR-Literatur zu reden. Hein empfindet dies ebenso: Die Fontane-Literatur werde schließlich auch nicht dem regierenden Hohenzollern-Haus gleichgesetzt und Flaubert nicht mit Napoleon III.
Die Autoren, mit denen ich Umgang hatte, Heiner Müller, Peter Hacks, Christa Wolf, Stefan Heym, Günter de Bruyn, Volker Braun verstanden sich immer als deutsche Autoren. Einen Autor, der sich nur als DDR-Schriftsteller verstanden hätte, könnte ich nicht nennen.
Das sagte Hein bereits in einem Gespräch, das im Wiener Standard Ende September erschien. Interessanter ist hingegen die anschließende Frage nach einer Bewertung der Darstellung der DDR in der Nachwendeliteratur:
Es gibt unterschiedliche Bücher und unterschiedliche Sichten, und ich will auch nicht verkennen, dass es Autoren gibt, die schon deswegen eine andere Sicht auf die DDR hatten, weil sie sie anders kennen lernten. Ich erlebte das auch selbst, als ich anfing. Es gab ältere Kollegen, die etwas erschrocken waren und mir sagten, sie hätten ein ganz anderes Bild. Ihnen sei die DDR viel freundlicher entgegengekommen als mir, dem Pfarrerssohn, der in den Westen abgehauen war. Das sind verschiedene Bilder, die mit Lebenserfahrungen zu tun haben. Da kann es nur hilfreich sein, wenn wir noch mehr Facetten dazubekommen, damit das Bild vollständiger wird.




1 Responses to “Deutsche Facetten”
Leave a Reply
You must login to post a comment.