
„Storchs Filme sind im besten Sinne selbstgemachte Bildberichte über die Konkursmasse des postindustriellen Zeitalters" DER SPIEGEL Foto: wenzelstorch.de
Wenzel Storch ist ein äußerst bizarrer Filmebastler. Erzählt er übers Leben, dann kommen dabei abenteuerliche Geschichten heraus. So einer ist im Multimedia-Zeitalter rar geworden. Zum Interview nimmt er Martin Riemann von der Jungle World mit in sein altes Jugendzimmer und nicht in den nächsten Ikea oder Mediamarkt. Natürlich ist das nostalgisch, doch Storch dürfe das, meint Riemann. Bei ihm sei das nicht peinlich und platt. „Mit Verklärung hab’ ich auch nichts am Hut“, antwortet Storch:
Beim Schreiben ist ohnehin viel Zufall im Spiel, Vergangenes oder Versunkenes taucht dann eben hier und da aus der Versenkung auf. Man fängt an und – schwupps – plötzlich biegt der Text um eine Ecke, von der man vorher nichts wusste. Ich finde, mit Texten ist es ein bisschen wie mit guten Drogen. Vom Rauschgift erwartet ja auch jeder, dass öfter mal was Neues passiert, irgendwas, mit dem nicht zu rechnen war. Und so gerät eben allerlei in die Texte hinein. Das können bunte Petzi-Bilder, Zitate von Wilhelm Raabe oder Peter Hacks oder auch irgendwelche Karl-May- und Kater-Mikesch-Assoziationen sein. Je nach dem, was mich gerade so umtreibt oder was mir zufällig durch den Kopf schwirrt. Wobei ein Text natürlich nicht das leisten kann, was Drogen vermögen, ganz klar.




Wo der Kleinkriminelle sagt “vom Laster gefallen”, sagt der Großdichter “um die Ecke gebogen”. Dass Texte um Ecken biegen hat Storch natürlich von Kraus (”Heine und die Folgen”):
Merke: Nicht jeder der arm ist hat deswegen das Recht zum Mundraub.