Romantische 68er

Felix Bartels spürt in seinem Blog Neuestes vom Parnassos gedankliche Ursprünge auf. Arnold Schölzel, der Chefredakteur der jungen Welt, schreibt unter seinem Akronym über den ehemaligen grünen Außenminister:

[Joseph] Fischer ist einer aus der Garde der Revolutionären Kämpfer in Frankfurt am Main von 1968 und seither politisch festgelegt. Wie die Mehrheit seiner Mitläufer war er für jede Kritik am Kapitalismus zu haben, wenn sie so dämlich war, dass der Kapitalismus im Vergleich zu ihr gut ausschaute. Später verzichtete er auf Romantik und machte aus den Grünen eine Kolonne zur politischen Fassadenverschönerung.

Schölzel habe seinen Hacks durchaus gründlich gelesen, stellt Bartels fest, und erkennt darin die Gedanken des Dichters, der 1980 geschrieben habe:

Die Romantik ist die Summe der Mittel, es hinterm Rücken zu tun. Sie schlug die sofortige Abschaffung des Kapitalismus vor, und jeder sah, dass das nicht ging. Sie forderte seine vollständige Zurücknahme und die Heimkehr in gesellschaftliche Zustände, in die heim keiner wollte. Sie setzte der Wirklichkeit jedes beliebige Unwirkliche entgegen, erklärte Träume für Handlungen, Verwirrung für Untersuchung, Innen für Außen, und alle Welt begriff, in wie unerschütterlichem Maße das Wirkliche das Wirkliche war. Welche Einwände die Romantik gegen den Kapitalismus immer erhob, sie waren von dem Grad der Albernheit, daß sie in Gründe für ihn umschlagen mußten. Die Übermäßigkeit der Flucht vor ihm wurde zum Beweis seiner Unausweichlichkeit.

Hacks befand, dass jegliche gesellschaftliche Spannung des 20. Jahrhunderts bereits ihre Vorläufer im 19. gehabt habe. Grund für ihn, gegenwärtige gesellschaftliche Konflikte im Gewande historischer Stoffe abzuhandeln.

2 Responses to “Romantische 68er”


  1. Felix Bartels 1 Felix Bartels

    Hacks befand, dass jegliche gesellschaftliche Spannung des 20. Jahrhunderts bereits ihre Vorläufer im 19. gehabt habe. Grund für ihn, gegenwärtige gesellschaftliche Konflikte im Gewande historischer Stoffe abzuhandeln.

    Genau genommen kommt dieser Befund von mir. Er dient mir als mögliche Erklärung für Hacksens Vorliebe, die Gegenwartskämpfe auf dem Feld der Vergangenheit auszufechten.

  2. evgeni 2 evgeni

    “Zum Komischen dagegen gehört überhaupt die unendliche Wohlgemutheit und Zuversicht, durchaus erhaben über seinen eigenen Widerspruch und nicht etwa bitter und unglücklich darin zu sein, die Seligkeit und Wohligkeit der Subjektivität, die, ihrer selbst gewiß, die Auflösung ihrer Zwecke und Realisationen ertragen kann. Der steife Verstand ist dessen gerade da, wo er in seinem Benehmen am lächerlichsten für andere wird, am wenigsten fähig.” Georg Wilhelm Friedrich Hegel

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