In jedem Kaff ein Klub, in jeder Stadt ein Theater

Klaus Wagenbach erklärt im Gespräch mit Frank Quilitzsch für die Thüringische Landeszeitung, warum Dichter geborene Anarchisten seien und weshalb für die von ihm herausgegebene Lyrik-Anthologie über hundert Gedichte aus der DDR gerade die Anfangsjahre von Belang sei:

Die 50er Jahre waren voller Hoffnung, selbst für einen Dichter wie Reiner Kunze, und man vergisst immer, dass eine Reihe von Autoren vom Westen nach dem Osten gewechselt sind - Stephan Hermlin, Wolf Biermann, Peter Hacks, Adolf Endler, um nur einige zu nennen. Ihre Hoffnungen galten einem Staat, in dem jedes Kuhkaff ein Klubhaus und jede Kleinstadt ein eigenes Theater hatte, in dem jeder größere Betrieb und jede Kaserne über eine Bibliothek verfügte und in dem es sogar ein Literaturinstitut gab. Und es gab - das war mein besonderer Neid - das „Poesiealbum”.

Ein Band von hundert ausgewählten Gedichten klingt nach Kanon, und als Quilitzsch diese Frage Wagenbach stellt, klingt die Antwort vorgefertigt: Keine „Westentaschenkategorien“ im Umgang mit dem Untergegangenen, bitte.

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