Christoph Hein im Gespräch mit dem Standard aus Wien über DDR-Literatur und Kalte Krieger. Der Schriftsteller lotet Gefühle der Ausgegrenztheit in der Berliner Republik und die Gebärden des Siegers aus:
Jeder Staat versucht zu zeigen, dass er der beste ist. Alles vor ihm gilt nicht mehr. Er selbst wird noch 1000 Jahre bestehen. Diese Haltung hatte die DDR auch. Da tritt aber doch dieses Goethe’sche Diktum ein, dass alles, was auf dieser Welt entsteht, auch zugrunde geht.
Keine Anklage, kein Zetern – der Schriftsteller bleibt gelassen. Grund dafür mag ein besonderes Selbstverständnis sein, das ihn mit den Kollegen seiner Zunft verbindet:
Die Autoren, mit denen ich Umgang hatte, Heiner Müller, Peter Hacks, Christa Wolf, Stefan Heym, Günter de Bruyn, Volker Braun, verstanden sich immer als deutsche Autoren. Einen Autor, der sich nur als DDR-Schriftsteller verstanden hätte, könnte ich nicht nennen. Wie ich mir andererseits nicht vorstellen kann, dass sich ein Günter Grass oder Martin Walser als BRD-Schriftsteller versteht.
Schließlich zitiert er Monika Maron, die kürzlich erst gesagt habe: „Wir sollten aufhören, von DDR-Literatur zu sprechen, sondern sie vor dem Hintergrund dessen, dass die DDR Ergebnis der gemeinsamen deutschen Geschichte war, als deutsche Literatur akzeptieren.“





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