<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	>
<channel>
	<title>Kommentare zu: Parasiten, Wirtstiere und Google</title>
	<atom:link href="http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/</link>
	<description>Die zentrale Seite zu Leben, Werk und Nachwelt des Dichters.</description>
	<pubDate>Thu, 09 Sep 2010 02:23:04 +0000</pubDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.7.1</generator>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
		<item>
		<title>Von: Felix Bartels</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-143</link>
		<dc:creator>Felix Bartels</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2009 20:01:55 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-143</guid>
		<description>&lt;i&gt;achgut&lt;/i&gt;

Faß, Brodi, faß!, fällt mir da ein.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><i>achgut</i></p>
<p>Faß, Brodi, faß!, fällt mir da ein.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: InaF</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-142</link>
		<dc:creator>InaF</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2009 12:15:22 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-142</guid>
		<description>Wenn Dich Deine Feinde loben...

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mein_buch_gehoert_mir_ueber_den_heidelberger_appell/

...oder Ähnliches nur häßlicher sagen, muss ich mich sorgen? 

Ich will ja nicht nur schöner als unsere Cora, sondern auch wahrer sein. Achbesser.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Dich Deine Feinde loben&#8230;</p>
<p><a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mein_buch_gehoert_mir_ueber_den_heidelberger_appell/" rel="nofollow">http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mein_buch_gehoert_mir_ueber_den_heidelberger_appell/</a></p>
<p>&#8230;oder Ähnliches nur häßlicher sagen, muss ich mich sorgen? </p>
<p>Ich will ja nicht nur schöner als unsere Cora, sondern auch wahrer sein. Achbesser.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: greiny</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-134</link>
		<dc:creator>greiny</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2009 13:26:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-134</guid>
		<description>Für Ina Eff, die sich so viel Mühe gibt ...

Eine Perle war heute wieder zu ertauchen:
http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2009-05-06.html
...
unter:Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2009 
...
Wer sich mal einige interessante neue Überlegungen zum Urheberrecht anhören möchte, lausche einem Vortrag des amerikanischen Juristen Lawrence Lessig zum Thema. Lessig beschreibt die Veränderungen, die durch die neuen Technologien ausglöst wurden 
...
und hier der Link zur Perle:   http://blip.tv/play/lG326zUA

Juristen, sollte man meinen, sind Schriftgelehrte. 

Ob nun das Law, die Bibel, das Kantische oder Hacksische Wahrheitsansprüche birgt, sie sind ein reicher Quell fürs Raisonnieren.

Wohltuend zu hören und zu sehen, wie einer dieser Profession sich von seinen Deformationen emnzipiert zeigt.

Es sind kurzweilige 50 Minuten!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Für Ina Eff, die sich so viel Mühe gibt &#8230;</p>
<p>Eine Perle war heute wieder zu ertauchen:<br />
<a href="http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2009-05-06.html" rel="nofollow">http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2009-05-06.html</a><br />
&#8230;<br />
unter:Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2009<br />
&#8230;<br />
Wer sich mal einige interessante neue Überlegungen zum Urheberrecht anhören möchte, lausche einem Vortrag des amerikanischen Juristen Lawrence Lessig zum Thema. Lessig beschreibt die Veränderungen, die durch die neuen Technologien ausglöst wurden<br />
&#8230;<br />
und hier der Link zur Perle:   <a href="http://blip.tv/play/lG326zUA" rel="nofollow">http://blip.tv/play/lG326zUA</a></p>
<p>Juristen, sollte man meinen, sind Schriftgelehrte. </p>
<p>Ob nun das Law, die Bibel, das Kantische oder Hacksische Wahrheitsansprüche birgt, sie sind ein reicher Quell fürs Raisonnieren.</p>
<p>Wohltuend zu hören und zu sehen, wie einer dieser Profession sich von seinen Deformationen emnzipiert zeigt.</p>
<p>Es sind kurzweilige 50 Minuten!</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: InaF</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-128</link>
		<dc:creator>InaF</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2009 11:59:49 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-128</guid>
		<description>&lt;i&gt;Wahrscheinlich ist es so, wie Sie sagen, und die Goethes von heute gründen angesichts der Realität lieber Fluglinien.&lt;/i&gt;

Hach, ich ahnte es dunkel. Mir schwante lang schon, und ich habe mich indes mit der schauderbaren Idee angefreundet wie ein Invalide mit seiner Behinderung, daß der Wiedergänger Goethes: Nikki Lauda heisst.

&lt;i&gt;Und es sagt zweitens nicht, was das alles mit dem Geist zu schaffen hat.&lt;/i&gt;

Was mit dem Geist geschieht, der nicht mehr davon leben kann, geistvoll zu sein?

Die Frage, so gestellt, läßt nur eine Antwort zu. Fraglos, er stirbt. 

Die Frage nach dem Geist-Überleben wird durch Google aber gar nicht gestellt. Die Sache liegt anders. Google gilt als wertvollste Marke der Welt, Google hat ein Monopol, Google ist groß: Man beginnt sich auf Google einzuschiessen. Der Grund ist, Steine auf Google treffen genauso sicher, wie auf die übergroßen Panzerglasscheiben der Deutschen Bank. Man muß nicht besonders genau zielen. Der Stein ist klein, die Zielscheibe riesig. Unter Jägern und Sammlern ist es Gesetz, daß jedes Ding, das eine gewisse Größe überschreitet, zur Zielscheibe wird: groß, größer, Zielscheibe lautet deren Grammatik. Die Frage nach dem Überleben des Geistes in Zeiten seiner mechanischen Reproduzierbarkeit, bzw. seiner Zurichtung zum Tauschobjekt ist natürlich älter als die Jäger und Sammler.

Die kürzeste Antwort lautet: Der Geist fortfährt zu rattern. Der Geist kann den Gedanken schwer verhalten. Selbst ein überflüssiges Organ wie der Wurmfortsatz nimmt ja, da es vorhanden ist, am Stoffwechsel teil. Das Hirn verbraucht auch beim blödesten Menschen den größten Teil des eingeatmeten Sauerstoffs. Bevor man aber fragt: "Wozu?", sollte man sich zuerst vergegenwärtigen: Daran wird auch der furchtbare Google nichts ändern. Nein, die Gedanken als Nebenprodukt des Stoffwechsels werden, wie andere Ausscheidungen auch, immer zueinander getan und aufgeschichtet werden; es werden die zuunteren Schichten zu Flözen verdichtet (wie poetisch, das Wort "dichten" einmal wieder in diesem Sinne zu gebrauchen) und endlich abgebaut: die Frage steht nur jedesmal, ob über, oder unter Tage. Der Geist des Menschen, um es formelhafter zu sagen, bleibt uns auch nach Erfindung des Internets nicht minder erhalten, als seine Niere.

Der Streit, soweit ich sehe, geht also, wer diesen Quell besser auf Flaschen ziehen und in die Kaufhäuser tragen könne, Google oder die Verleger. Es ist ein Streit unter Ausbeutern, wer den Schatz besser ausbeuten könne. Ich sage "Ausbeuter" ganz ohne Wertung. Jedes Ausbeuterverhältis kann auf Dauer nur ein symbiotisches sein; so leichtfertig bin ich nicht, schlecht von Symbiosen zu denken. 

Wie die Symbiose hergestellt wird: Jedes gedruckte Werk ist geronnene Autorenzeit, vergegenständlichter Schmer. Zunächst scheint sein Wert schwieriger zu messen, als nach der gewöhnlichen Arbeitszeitformel, weil sich zwei unterschiedliche Werke nicht ohne Weiteres ins Verhältnis setzen lassen: Wieviele "Wallensteins" machen einen "Sommernachtstraum", wieviele "Schätze im Silbersee" muss man für einen "Dorian Gray" hinlegen? Allein, der Kapitalismus misst auch das Unmessbare, das ist seine eigentliche Spezialität. Ein Werk, ganz gleich, was zwischen beiden Buchdeckeln klemmt und wie sorgfältig es lektoriert und gesetzt wurde, kostet 19.90 Hardcover und 12.90 Softcover. Punkt. Festpreis. Da können Sie aber ganz genau ausrechnen, wieviel ein "Wallenstein" oder "Sommernachtstraum" wert ist, nämlich auf den Cent 0.0000001 "Harry Potter". Der Verleger also nimmt des Autors Werk (die geronnene Autorenzeit) und tauscht es gegen andere Arbeitszeitäquivalente, wobei die Sache so berechnet ist, daß Dichter und Verleger am Ende ihre Reproduktionskosten und noch ein bisschen mehr haben. Wenn die Rechnung halbwegs aufgeht, können der Autor und sein Verleger in einer gewissen Einvernehmlichkeit ihr jeweiliges Handwerk treiben und kommen mehr schlecht als recht über die Runden. So in Etwa sieht Symbiose aus.

Wo nun die Ausbeutung bliebe, wollen Sie wissen. Tatsächlich haben sich hier zunächst zwei Selbstausbeuter zusammengeschlossen. Behält der Verleger jedoch ein wenig dessen, was oben unter "ein bisschen mehr" erwähnt war, um davon das Honorar eines weiteren Schreibers voraus zu bezahlen und sich so die Rechte an dessen Werk zu sichern... usw. usf. etc.pp., dann endlich gelangen wir zur typischen Ausbeutersituation. Der Verleger zahlt dem Autor nicht die gesamte Arbeitszeit (dass seine eigene Arbeit ebenfalls aus dem Erlös entlohnt wird, ist klar) ...- halt! Wie verrechnet man die Auflage? Wie oben angedeutet zum Beispiel so, daß die "Potter"-Arbeitszeit wertvoller ist, als die "Wallenstein"-Arbeitszeit, das ist zumindest die einfachste Variante. So symbiontet es also in den Verlagshäusern und würde fortfahren, Wirt und Reiter zu ernähren, wenn nicht der grosse brüllende Google gekommen wäre um feuerspeiend frisches Menschenblut zu fordern.

Die eigentliche Google-Angst der Verleger besteht m.E. darin, daß sie die Kontrolle darüber, ob Kopien der verlegten Werke entstehen, zu verlieren fürchten. Damit meine ich eigentlich nicht das private Ausdrucken am heimischen PC. Ich meine, daß eine Piratendruckerei das Material illegal über Google zieht und Raubdrucke herstellt. Oder daß Google selbst bescheisst, indem es bei einer Druckerei Kopien herstellen läßt, ohne Verleger oder Autor davon in Kenntnis zu setzen. - Jede dieser Gefahren erachte ich als moderat bis vernachlässigbar. - Im Einzelnen: Das private Ausdrucken ist keine ernsthafte Bedrohung des Buchgeschäftes. Sie können z.B. fast alle Werke der Klassik bei "Projekt Gutenberg" haben und ausdrucken; deshalb ist sicher kein einziger Goetheband weniger verkauft worden. Ein ordentliches Buch ist eben kein loser Stapel Tintenstrahlpapier. Ausserdem kosten 200 ausgedruckte Seiten so nicht viel weniger als das wohlgebundene Buch; jedenfalls ist der Aufwand fürs Raubbuch größer, als ein mp3 in den ipod zu ziehen.  Zweitens, Bücher sind i.d.R. auf ihren Sprachraum begrenzt. Französischsprachige Bücher werden wahrscheinlich nicht massenhaft in China gelesen werden. Das beschränkt die Möglichkeiten/Gewinnmacherei der illegalen Raubpresse beträchtlich. Buchkopieren ist schon wegen der Sprachbarrieren nicht mit dem internationalen Up-/Download von Musik und Filmen vergleichbar. Drittens, würde nur ein Fall ruchbar, daß Google sich kriminell über die eigenen Verträge hinweg setzt, hätten Google aber sowas von Anwälte und Polizei an der Backe. Mumps sähe harmlos dagegen aus. Viertens, im Grunde ist Raubdruck auch ohne Google-Books kein großes technisches Hindernis mehr. Wenn sich irgendeine Mafia ausrechnete, daß illegale Buchkopien *den* Reibach versprächen, glauben Sie mir, Ihr elektronischer Briefkasten wäre voll von dubiosen Potter-Angeboten für 1.99 Euro. Man scannt das Buch ein (wers gehobener will, macht sogar OCR+Neusatz, auf die paar Fehler ist geschissen, die sind in keinem Heyne-Buch weniger zahlreich) und rotzt das ganze durch alte Satzmaschinen, die man für wenig Geld aus Indien bezogen hat. Das Papier kommt aus Sibirien, die haben noch Tannen für so manche Potter-Auflage stehn. Macht aber keiner. Die Profitrate ist zu klein.

Wie steht die Gefahr der E-book-reader? Könnte man Bücher aus Google-Books auf solche Abspielgeräte kopieren und somit das Pendant zu mp3 schaffen? - Im Grunde ja. Es hängt ein bisschen davon ab, wie sich die E-Reader "anfühlen". Theoretisch ginge das ja bereits auf den ubiquitären Laptops und Netbooks, aber lesen am LCD-Screen macht Augenkrebs.  Aber nehmen wir ruhig an, die Reader wären angenehm am Auge und in der Hand. Dann hätten wir schlussendlich lediglich eine andere Vermarktungsmechanik. Genausowenig wie mp3 die Musik gekillt hat, wird das E-Book den Geist ertöten. Sagen Sie nun nicht, die Musik sei wegen mp3 so unerträglich wie sie zweifelsohne ist. Sie war schon vorher mies, und Sie und ich wissen die Gründe. Das ist jetzt unser Thema nicht.


Zu unserem Themen gehört indes noch: Die Frage nach den Folgen der Monopolisierung/Zentralisierung des Zugangs zu den Werken; die Frage nach der künftigen Finanzierung der Autoren; die Frage nach der "Polyphonie", wenn es statt Bestsellerlisten nur noch Kramkisten gibt. 

Demnächst.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><i>Wahrscheinlich ist es so, wie Sie sagen, und die Goethes von heute gründen angesichts der Realität lieber Fluglinien.</i></p>
<p>Hach, ich ahnte es dunkel. Mir schwante lang schon, und ich habe mich indes mit der schauderbaren Idee angefreundet wie ein Invalide mit seiner Behinderung, daß der Wiedergänger Goethes: Nikki Lauda heisst.</p>
<p><i>Und es sagt zweitens nicht, was das alles mit dem Geist zu schaffen hat.</i></p>
<p>Was mit dem Geist geschieht, der nicht mehr davon leben kann, geistvoll zu sein?</p>
<p>Die Frage, so gestellt, läßt nur eine Antwort zu. Fraglos, er stirbt. </p>
<p>Die Frage nach dem Geist-Überleben wird durch Google aber gar nicht gestellt. Die Sache liegt anders. Google gilt als wertvollste Marke der Welt, Google hat ein Monopol, Google ist groß: Man beginnt sich auf Google einzuschiessen. Der Grund ist, Steine auf Google treffen genauso sicher, wie auf die übergroßen Panzerglasscheiben der Deutschen Bank. Man muß nicht besonders genau zielen. Der Stein ist klein, die Zielscheibe riesig. Unter Jägern und Sammlern ist es Gesetz, daß jedes Ding, das eine gewisse Größe überschreitet, zur Zielscheibe wird: groß, größer, Zielscheibe lautet deren Grammatik. Die Frage nach dem Überleben des Geistes in Zeiten seiner mechanischen Reproduzierbarkeit, bzw. seiner Zurichtung zum Tauschobjekt ist natürlich älter als die Jäger und Sammler.</p>
<p>Die kürzeste Antwort lautet: Der Geist fortfährt zu rattern. Der Geist kann den Gedanken schwer verhalten. Selbst ein überflüssiges Organ wie der Wurmfortsatz nimmt ja, da es vorhanden ist, am Stoffwechsel teil. Das Hirn verbraucht auch beim blödesten Menschen den größten Teil des eingeatmeten Sauerstoffs. Bevor man aber fragt: &#8220;Wozu?&#8221;, sollte man sich zuerst vergegenwärtigen: Daran wird auch der furchtbare Google nichts ändern. Nein, die Gedanken als Nebenprodukt des Stoffwechsels werden, wie andere Ausscheidungen auch, immer zueinander getan und aufgeschichtet werden; es werden die zuunteren Schichten zu Flözen verdichtet (wie poetisch, das Wort &#8220;dichten&#8221; einmal wieder in diesem Sinne zu gebrauchen) und endlich abgebaut: die Frage steht nur jedesmal, ob über, oder unter Tage. Der Geist des Menschen, um es formelhafter zu sagen, bleibt uns auch nach Erfindung des Internets nicht minder erhalten, als seine Niere.</p>
<p>Der Streit, soweit ich sehe, geht also, wer diesen Quell besser auf Flaschen ziehen und in die Kaufhäuser tragen könne, Google oder die Verleger. Es ist ein Streit unter Ausbeutern, wer den Schatz besser ausbeuten könne. Ich sage &#8220;Ausbeuter&#8221; ganz ohne Wertung. Jedes Ausbeuterverhältis kann auf Dauer nur ein symbiotisches sein; so leichtfertig bin ich nicht, schlecht von Symbiosen zu denken. </p>
<p>Wie die Symbiose hergestellt wird: Jedes gedruckte Werk ist geronnene Autorenzeit, vergegenständlichter Schmer. Zunächst scheint sein Wert schwieriger zu messen, als nach der gewöhnlichen Arbeitszeitformel, weil sich zwei unterschiedliche Werke nicht ohne Weiteres ins Verhältnis setzen lassen: Wieviele &#8220;Wallensteins&#8221; machen einen &#8220;Sommernachtstraum&#8221;, wieviele &#8220;Schätze im Silbersee&#8221; muss man für einen &#8220;Dorian Gray&#8221; hinlegen? Allein, der Kapitalismus misst auch das Unmessbare, das ist seine eigentliche Spezialität. Ein Werk, ganz gleich, was zwischen beiden Buchdeckeln klemmt und wie sorgfältig es lektoriert und gesetzt wurde, kostet 19.90 Hardcover und 12.90 Softcover. Punkt. Festpreis. Da können Sie aber ganz genau ausrechnen, wieviel ein &#8220;Wallenstein&#8221; oder &#8220;Sommernachtstraum&#8221; wert ist, nämlich auf den Cent 0.0000001 &#8220;Harry Potter&#8221;. Der Verleger also nimmt des Autors Werk (die geronnene Autorenzeit) und tauscht es gegen andere Arbeitszeitäquivalente, wobei die Sache so berechnet ist, daß Dichter und Verleger am Ende ihre Reproduktionskosten und noch ein bisschen mehr haben. Wenn die Rechnung halbwegs aufgeht, können der Autor und sein Verleger in einer gewissen Einvernehmlichkeit ihr jeweiliges Handwerk treiben und kommen mehr schlecht als recht über die Runden. So in Etwa sieht Symbiose aus.</p>
<p>Wo nun die Ausbeutung bliebe, wollen Sie wissen. Tatsächlich haben sich hier zunächst zwei Selbstausbeuter zusammengeschlossen. Behält der Verleger jedoch ein wenig dessen, was oben unter &#8220;ein bisschen mehr&#8221; erwähnt war, um davon das Honorar eines weiteren Schreibers voraus zu bezahlen und sich so die Rechte an dessen Werk zu sichern&#8230; usw. usf. etc.pp., dann endlich gelangen wir zur typischen Ausbeutersituation. Der Verleger zahlt dem Autor nicht die gesamte Arbeitszeit (dass seine eigene Arbeit ebenfalls aus dem Erlös entlohnt wird, ist klar) &#8230;- halt! Wie verrechnet man die Auflage? Wie oben angedeutet zum Beispiel so, daß die &#8220;Potter&#8221;-Arbeitszeit wertvoller ist, als die &#8220;Wallenstein&#8221;-Arbeitszeit, das ist zumindest die einfachste Variante. So symbiontet es also in den Verlagshäusern und würde fortfahren, Wirt und Reiter zu ernähren, wenn nicht der grosse brüllende Google gekommen wäre um feuerspeiend frisches Menschenblut zu fordern.</p>
<p>Die eigentliche Google-Angst der Verleger besteht m.E. darin, daß sie die Kontrolle darüber, ob Kopien der verlegten Werke entstehen, zu verlieren fürchten. Damit meine ich eigentlich nicht das private Ausdrucken am heimischen PC. Ich meine, daß eine Piratendruckerei das Material illegal über Google zieht und Raubdrucke herstellt. Oder daß Google selbst bescheisst, indem es bei einer Druckerei Kopien herstellen läßt, ohne Verleger oder Autor davon in Kenntnis zu setzen. - Jede dieser Gefahren erachte ich als moderat bis vernachlässigbar. - Im Einzelnen: Das private Ausdrucken ist keine ernsthafte Bedrohung des Buchgeschäftes. Sie können z.B. fast alle Werke der Klassik bei &#8220;Projekt Gutenberg&#8221; haben und ausdrucken; deshalb ist sicher kein einziger Goetheband weniger verkauft worden. Ein ordentliches Buch ist eben kein loser Stapel Tintenstrahlpapier. Ausserdem kosten 200 ausgedruckte Seiten so nicht viel weniger als das wohlgebundene Buch; jedenfalls ist der Aufwand fürs Raubbuch größer, als ein mp3 in den ipod zu ziehen.  Zweitens, Bücher sind i.d.R. auf ihren Sprachraum begrenzt. Französischsprachige Bücher werden wahrscheinlich nicht massenhaft in China gelesen werden. Das beschränkt die Möglichkeiten/Gewinnmacherei der illegalen Raubpresse beträchtlich. Buchkopieren ist schon wegen der Sprachbarrieren nicht mit dem internationalen Up-/Download von Musik und Filmen vergleichbar. Drittens, würde nur ein Fall ruchbar, daß Google sich kriminell über die eigenen Verträge hinweg setzt, hätten Google aber sowas von Anwälte und Polizei an der Backe. Mumps sähe harmlos dagegen aus. Viertens, im Grunde ist Raubdruck auch ohne Google-Books kein großes technisches Hindernis mehr. Wenn sich irgendeine Mafia ausrechnete, daß illegale Buchkopien *den* Reibach versprächen, glauben Sie mir, Ihr elektronischer Briefkasten wäre voll von dubiosen Potter-Angeboten für 1.99 Euro. Man scannt das Buch ein (wers gehobener will, macht sogar OCR+Neusatz, auf die paar Fehler ist geschissen, die sind in keinem Heyne-Buch weniger zahlreich) und rotzt das ganze durch alte Satzmaschinen, die man für wenig Geld aus Indien bezogen hat. Das Papier kommt aus Sibirien, die haben noch Tannen für so manche Potter-Auflage stehn. Macht aber keiner. Die Profitrate ist zu klein.</p>
<p>Wie steht die Gefahr der E-book-reader? Könnte man Bücher aus Google-Books auf solche Abspielgeräte kopieren und somit das Pendant zu mp3 schaffen? - Im Grunde ja. Es hängt ein bisschen davon ab, wie sich die E-Reader &#8220;anfühlen&#8221;. Theoretisch ginge das ja bereits auf den ubiquitären Laptops und Netbooks, aber lesen am LCD-Screen macht Augenkrebs.  Aber nehmen wir ruhig an, die Reader wären angenehm am Auge und in der Hand. Dann hätten wir schlussendlich lediglich eine andere Vermarktungsmechanik. Genausowenig wie mp3 die Musik gekillt hat, wird das E-Book den Geist ertöten. Sagen Sie nun nicht, die Musik sei wegen mp3 so unerträglich wie sie zweifelsohne ist. Sie war schon vorher mies, und Sie und ich wissen die Gründe. Das ist jetzt unser Thema nicht.</p>
<p>Zu unserem Themen gehört indes noch: Die Frage nach den Folgen der Monopolisierung/Zentralisierung des Zugangs zu den Werken; die Frage nach der künftigen Finanzierung der Autoren; die Frage nach der &#8220;Polyphonie&#8221;, wenn es statt Bestsellerlisten nur noch Kramkisten gibt. </p>
<p>Demnächst.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Drupalus</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-120</link>
		<dc:creator>Drupalus</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 May 2009 19:32:13 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-120</guid>
		<description>Schicker Beitrag auch wenn ich da etwas anderer Meinung bin (partiell :D ) - Alles Gute aus Hamburg</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Schicker Beitrag auch wenn ich da etwas anderer Meinung bin (partiell <img src='http://www.peter-hacks.de/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':D' class='wp-smiley' /> ) - Alles Gute aus Hamburg</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: at Peter-Hacks.dePeter Hacks Seite</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-116</link>
		<dc:creator>at Peter-Hacks.dePeter Hacks Seite</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2009 14:27:39 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-116</guid>
		<description>[...] detgeotmplechl zu GegensätzeNephe zu Parasiten, Wirtstiere und GoogleATh zu Parasiten, Wirtstiere und GoogleATh zu Parasiten, Wirtstiere und GoogleNephe zu Parasiten, [...]</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>[...] detgeotmplechl zu GegensätzeNephe zu Parasiten, Wirtstiere und GoogleATh zu Parasiten, Wirtstiere und GoogleATh zu Parasiten, Wirtstiere und GoogleNephe zu Parasiten, [...]</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Nephe</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-108</link>
		<dc:creator>Nephe</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 21:08:28 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-108</guid>
		<description>Ach wo. Ich bin nur ein bescheidener Arbeiter im Weingarten des HErrn.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ach wo. Ich bin nur ein bescheidener Arbeiter im Weingarten des HErrn.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ATh</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-106</link>
		<dc:creator>ATh</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 20:46:46 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-106</guid>
		<description>&gt;&gt;
Sie beide ergäben zusammen eine wunderbare Person.
&lt;&lt;

Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass Sie diese Person sind.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>>><br />
Sie beide ergäben zusammen eine wunderbare Person.<br />
<<</p>
<p>Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass Sie diese Person sind.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ATh</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-105</link>
		<dc:creator>ATh</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 20:40:58 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-105</guid>
		<description>Was Sie sagen, trifft ja alles zu. Es umgeht nur immer zwei Punkte: 

Es klärt nicht, wann wir angefangen haben, den Dingen zu überlassen, uns zu sagen, was wir wollen. Sie entgegnen nun wahrscheinlich, den Vorgang habe uns der Karl Marx erklärt,  - aber darüber können der Lenin und ich ja nur lachen. 

Und es sagt zweitens nicht, was das alles mit dem Geist zu schaffen hat. 

Was Sie mit großer Kenntnis beschreiben, das ist der Sieg derer, auf die es nicht ankommt. Ich gratuliere den Siegern zu ihrem Sieg. Und was fangen die am Ende an  mit ihrem Sieg, auf den es ja nun einmal nicht ankommt? 

Wenn denn alles, was der Geist geschaffen hat, und nicht die Ritter der Technoromantik, einmal kopiert ist und nochmal kopiert, und dann alle Blogs kopiert und umkopiert in die dann neuesten und allerneusten Formate  - wer zum Teufel wird denen dann was schreiben, was zu kopieren sich lohnt?

Natürlich kann Google dann immer noch Yahoo und Yahoo wiederum Google kopieren; ich sage da aber eine gewisse Eintönigkeit voraus. 

Wahrscheinlich ist es so, wie Sie sagen, und die Goethes von heute gründen angesichts der Realität lieber Fluglinien. Das würde erklären, warum es so viele Fluglinien gibt und in der Dichtung nur den Günter Grass.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Was Sie sagen, trifft ja alles zu. Es umgeht nur immer zwei Punkte: </p>
<p>Es klärt nicht, wann wir angefangen haben, den Dingen zu überlassen, uns zu sagen, was wir wollen. Sie entgegnen nun wahrscheinlich, den Vorgang habe uns der Karl Marx erklärt,  - aber darüber können der Lenin und ich ja nur lachen. </p>
<p>Und es sagt zweitens nicht, was das alles mit dem Geist zu schaffen hat. </p>
<p>Was Sie mit großer Kenntnis beschreiben, das ist der Sieg derer, auf die es nicht ankommt. Ich gratuliere den Siegern zu ihrem Sieg. Und was fangen die am Ende an  mit ihrem Sieg, auf den es ja nun einmal nicht ankommt? </p>
<p>Wenn denn alles, was der Geist geschaffen hat, und nicht die Ritter der Technoromantik, einmal kopiert ist und nochmal kopiert, und dann alle Blogs kopiert und umkopiert in die dann neuesten und allerneusten Formate  - wer zum Teufel wird denen dann was schreiben, was zu kopieren sich lohnt?</p>
<p>Natürlich kann Google dann immer noch Yahoo und Yahoo wiederum Google kopieren; ich sage da aber eine gewisse Eintönigkeit voraus. </p>
<p>Wahrscheinlich ist es so, wie Sie sagen, und die Goethes von heute gründen angesichts der Realität lieber Fluglinien. Das würde erklären, warum es so viele Fluglinien gibt und in der Dichtung nur den Günter Grass.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Nephe</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-104</link>
		<dc:creator>Nephe</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 20:33:10 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-104</guid>
		<description>Wie immer bei neuen Erscheinungen tut sich ein Abgrund auf, und auf beiden Enden sammeln sich jene zwei Gruppen, die sich immer wieder anzuschreien bestimmt sind, ohne sich im mindesten zu verstehen: Apokalyptiker und Evangelisten.

So ist es auch mit Ihnen beiden. Recht haben Sie beide, also haben sie beide unrecht. Die Dame, weil sie aus jedem Furz, den der Zeitgeist lässt, einen utopischen Entwurf ins Sinnlose verlängert (und sich des Beifalls nicht enthalten kann); der Herr, weil er grundsätzlich über das 21. Jahrhundert schreibt, als ginge es um das 19.

Mich erinnert das an &lt;i&gt;Citizen X&lt;/i&gt;, worin Max von Sydow eine wunderbare Rolle als psychiatrischer Gutachter und einen der besten Sätze der gesamten Filmgeschichte hat: "Wenn Sie mir die Bemerkung erlauben: Sie beide ergäben zusammen eine wunderbare Person."</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wie immer bei neuen Erscheinungen tut sich ein Abgrund auf, und auf beiden Enden sammeln sich jene zwei Gruppen, die sich immer wieder anzuschreien bestimmt sind, ohne sich im mindesten zu verstehen: Apokalyptiker und Evangelisten.</p>
<p>So ist es auch mit Ihnen beiden. Recht haben Sie beide, also haben sie beide unrecht. Die Dame, weil sie aus jedem Furz, den der Zeitgeist lässt, einen utopischen Entwurf ins Sinnlose verlängert (und sich des Beifalls nicht enthalten kann); der Herr, weil er grundsätzlich über das 21. Jahrhundert schreibt, als ginge es um das 19.</p>
<p>Mich erinnert das an <i>Citizen X</i>, worin Max von Sydow eine wunderbare Rolle als psychiatrischer Gutachter und einen der besten Sätze der gesamten Filmgeschichte hat: &#8220;Wenn Sie mir die Bemerkung erlauben: Sie beide ergäben zusammen eine wunderbare Person.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: InaF</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-103</link>
		<dc:creator>InaF</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 19:27:09 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-103</guid>
		<description>&lt;i&gt;Eben hat der Kaufhof-Superstore bei uns in der Innenstadt zugemacht. Der kleine Tante-Üzgür-Laden an der Ecke brummt. - Ich will auch brummen.&lt;/i&gt;

Sie brummen ja doch nicht schlecht; waren Sie nicht der Bär auf dem Försterball? - Was nun den Eckladen betrifft, ich sprach von den einträglichen Nischen, die sicher bleiben werden. Aber Sie wollen gewiss nicht im Ernst de Warenumschlag der Kleinsthändler mit dem der großen Ketten vergleichen. Man sieht es daran: Dem Kleinhändler diktiert der Erzeuger den Preis seiner Ware; beim Großhändler ist es umgekehrt. Kann sein, dem Geistesschaffenden blüht alsbald das Milcherzeugerschicksal. Es wäre so trist wie unvermeidlich.


&lt;i&gt;Sie klingen, als wären Sie eine fest angestellte Naturwissenschaftlerin, bei der das Honorar für wissenschaftliche Artikel ein nettes Zubrot zum Salär ist.&lt;/i&gt;

Eine Wissenschaftlerin, soweit ich Einblick in die Materie habe, bekommt nüscht für ihre Artikel. Jarnüscht. Die Sache steht, wie gesagt, vom Hörensagen, so, daß der moderne Wissenschaftler auf Gedeih und Verderb publizieren *muß*. Sein Rang bestimmt sich dann nach dem Renommee des Journals, das ihn bringt. I.d.R. drückt die Einrichtung, bei der unsere Wissenschaftlerin tätig ist, noch an die Journal-Verleger ab: Repro-Kosten für Farbdrucke z.B., oder im Fall von open-access auch die Kosten der Verwaltung (Review-Verfahren etc.) und des Satzes. Unsere Wissenschaftlerin gibt alle Nutzungs-Rechte ihres Beitrags an den Journal-Verlag. Obendrein zahlt Ihre Einrichtung ein Abonement, wenn sie Einsicht in die von ihr finanzierte Forschung nehmen will. Nix Zubrot. Zahlt alles der Steuerzahler und geht in private Verlagskassen.


&lt;i&gt;Für freie Autoren geht es bei der Honorarfrage um das Einkommen, nicht um das Zubrot.&lt;/i&gt;

Den freien Autor in seiner bisherigen Form wird man künftig wahrscheinlich nur noch selten antreffen. In Belgien, um eine Alternative aufzuzeigen, gibt es staatliche U-Musiker. Gab's übrigens auch weihland in der DDR. Man spielt einer Kommission vor (das ist nicht unwürdiger als die Prostitutions-Konzerte auf der Pop-Komm, bei denen die "Acts" zwischen den Labeln gedealt werden) - und bekommt, wenns genehm ist, ein monatliches Grundeinkommen. Diese "freien Autoren" sind dann wahrscheinlich freier, als jene, die sich auf dem freien Markt feilbieten. Ich jedenfalls bin flüchtig mit solchen Musikanten bekannt und kann nicht finden, dass sie schlechter aufspielen, oder unglücklicher sind, als die hiesigen. "Frei" - das Wort ist doch in diesem Zusammenhang und innerhalb dieser Tausch-Modi ein ziemlicher Blödsinn. "Freie Kunst" - sowas hats noch nie gegeben.


&lt;i&gt;Als die Druckerpresse erfunden worden war, sprachen alle wie Sie. “Wehrt Euch nicht! Raubdruck ist Fortschritt! Es ist vorbei! Das sind Träume aus der Zeit der Kopiermönche!” Dann kamen die Fürsten und regelten das Urheberrecht per Gesetz. &lt;/i&gt;

So wird es auch diesmal kommen. Wir wollen nicht vergessen: Das neue Urheberrecht war neu. Es war nicht das alte. Das alte war unhaltbar, weil praktisch nicht durchsetzbar. Es gab die Zeit der Raubdrucke; gar nicht kurz dauerte das. Dann wuchs daraus ein ausgeklügelter Mechanismus von Urheber- und Nutzungsrechten. Bis eben. Nun ist das nicht mehr durchsetzbar. Man wollte ja schon. Aber man kann nicht mehr. - Ich bin ja nun kein großer Befürworter des alleinigen Google-Monopols. Noch weniger aber mache ich das Tamtam vom Pluralismus der Verlage mit. Das ist *ein* möglicher Weg, geistiges Schaffen als Ware zu handeln. Es war für lange Zeit der Königsweg, aber genauso, wie dieser Weg einst aus den vorhandenen technischen Möglichkeiten entsprang, versandet er nun aus den selben Gründen. Ich verstehe, dass solche Wandlungen das Selbstverständnis und die Existenzgrundlage vieler und auch guter Arbeiter, Selbstausbeuter und Fremdausbeuter gleichermassen, angreifen. Die Macht dahinter ist die Existenzgrundlage der anderen, der Softwareschmieden, der Hardware-Fabs, der Telekommunikationskonzerne, der Wissenschaftler und Ingenieure. Und, nicht zu vergessen, die Faulheit.

&lt;i&gt;Es ist, denke ich, nicht ein Realismus aus Realismus, sondern einer aus Faulheit. &lt;/i&gt;

Gewiss, so ist es. Das Amusante ist ja, den Menschen treibt weniges so stark, wie seine Faulheit. Wenn er Müssiggang wittert, wird er plötzlich rührig. Um am Pool sitzen zu können und nichts zu tun, beutet er sich jahrelang gnadenlos aus. Er ruiniert seine Gesundheit in der ersten Hälfte seines Lebens, um sie schliesslich in Sanatorien und unter Verausgabung des gesamten zuvor erworbenen Vermögens wieder herzustellen. 90% aller technischen Entwicklungen sollen der Faulheit des Menschen frommen: Er will nicht körperlich schinden, also mechanisiert er. Er will die Energie nicht herumkarren müssen, also elektrifiziert er. Er will nicht zu jemandem hin, um mit ihm zu reden und erfindet  das Telephon; und wenn er hin muss, dann per Automobil oder Flugzeug, denn den Apfelmist der Sechsspänner möchte er nicht länger vom Trottoir räumen. So läßt sich das fortführen. Gewiss, aus Faulheit wird er den Verlagen die Existenzgrundlage nehmen. Aus Faulheit in erster Linie. Der Grund mag verwerflich sein, aber es ist ein Grund. Es gibt nur wenig stärkere. Sie verstehen das Problem. Ich rede nicht von Aufgeben. Ich rede von Schneidern, die noch Schwingen vorführen wollen, als man längst per Transatlantikflug fliegen konnte. Mir imponiert das ja; ich verstehe diese Leute. Aber eine große Fluggesellschaft werden die wahrscheinlich nicht gründen. Ich glaube nicht. Nicht wirklich.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><i>Eben hat der Kaufhof-Superstore bei uns in der Innenstadt zugemacht. Der kleine Tante-Üzgür-Laden an der Ecke brummt. - Ich will auch brummen.</i></p>
<p>Sie brummen ja doch nicht schlecht; waren Sie nicht der Bär auf dem Försterball? - Was nun den Eckladen betrifft, ich sprach von den einträglichen Nischen, die sicher bleiben werden. Aber Sie wollen gewiss nicht im Ernst de Warenumschlag der Kleinsthändler mit dem der großen Ketten vergleichen. Man sieht es daran: Dem Kleinhändler diktiert der Erzeuger den Preis seiner Ware; beim Großhändler ist es umgekehrt. Kann sein, dem Geistesschaffenden blüht alsbald das Milcherzeugerschicksal. Es wäre so trist wie unvermeidlich.</p>
<p><i>Sie klingen, als wären Sie eine fest angestellte Naturwissenschaftlerin, bei der das Honorar für wissenschaftliche Artikel ein nettes Zubrot zum Salär ist.</i></p>
<p>Eine Wissenschaftlerin, soweit ich Einblick in die Materie habe, bekommt nüscht für ihre Artikel. Jarnüscht. Die Sache steht, wie gesagt, vom Hörensagen, so, daß der moderne Wissenschaftler auf Gedeih und Verderb publizieren *muß*. Sein Rang bestimmt sich dann nach dem Renommee des Journals, das ihn bringt. I.d.R. drückt die Einrichtung, bei der unsere Wissenschaftlerin tätig ist, noch an die Journal-Verleger ab: Repro-Kosten für Farbdrucke z.B., oder im Fall von open-access auch die Kosten der Verwaltung (Review-Verfahren etc.) und des Satzes. Unsere Wissenschaftlerin gibt alle Nutzungs-Rechte ihres Beitrags an den Journal-Verlag. Obendrein zahlt Ihre Einrichtung ein Abonement, wenn sie Einsicht in die von ihr finanzierte Forschung nehmen will. Nix Zubrot. Zahlt alles der Steuerzahler und geht in private Verlagskassen.</p>
<p><i>Für freie Autoren geht es bei der Honorarfrage um das Einkommen, nicht um das Zubrot.</i></p>
<p>Den freien Autor in seiner bisherigen Form wird man künftig wahrscheinlich nur noch selten antreffen. In Belgien, um eine Alternative aufzuzeigen, gibt es staatliche U-Musiker. Gab&#8217;s übrigens auch weihland in der DDR. Man spielt einer Kommission vor (das ist nicht unwürdiger als die Prostitutions-Konzerte auf der Pop-Komm, bei denen die &#8220;Acts&#8221; zwischen den Labeln gedealt werden) - und bekommt, wenns genehm ist, ein monatliches Grundeinkommen. Diese &#8220;freien Autoren&#8221; sind dann wahrscheinlich freier, als jene, die sich auf dem freien Markt feilbieten. Ich jedenfalls bin flüchtig mit solchen Musikanten bekannt und kann nicht finden, dass sie schlechter aufspielen, oder unglücklicher sind, als die hiesigen. &#8220;Frei&#8221; - das Wort ist doch in diesem Zusammenhang und innerhalb dieser Tausch-Modi ein ziemlicher Blödsinn. &#8220;Freie Kunst&#8221; - sowas hats noch nie gegeben.</p>
<p><i>Als die Druckerpresse erfunden worden war, sprachen alle wie Sie. “Wehrt Euch nicht! Raubdruck ist Fortschritt! Es ist vorbei! Das sind Träume aus der Zeit der Kopiermönche!” Dann kamen die Fürsten und regelten das Urheberrecht per Gesetz. </i></p>
<p>So wird es auch diesmal kommen. Wir wollen nicht vergessen: Das neue Urheberrecht war neu. Es war nicht das alte. Das alte war unhaltbar, weil praktisch nicht durchsetzbar. Es gab die Zeit der Raubdrucke; gar nicht kurz dauerte das. Dann wuchs daraus ein ausgeklügelter Mechanismus von Urheber- und Nutzungsrechten. Bis eben. Nun ist das nicht mehr durchsetzbar. Man wollte ja schon. Aber man kann nicht mehr. - Ich bin ja nun kein großer Befürworter des alleinigen Google-Monopols. Noch weniger aber mache ich das Tamtam vom Pluralismus der Verlage mit. Das ist *ein* möglicher Weg, geistiges Schaffen als Ware zu handeln. Es war für lange Zeit der Königsweg, aber genauso, wie dieser Weg einst aus den vorhandenen technischen Möglichkeiten entsprang, versandet er nun aus den selben Gründen. Ich verstehe, dass solche Wandlungen das Selbstverständnis und die Existenzgrundlage vieler und auch guter Arbeiter, Selbstausbeuter und Fremdausbeuter gleichermassen, angreifen. Die Macht dahinter ist die Existenzgrundlage der anderen, der Softwareschmieden, der Hardware-Fabs, der Telekommunikationskonzerne, der Wissenschaftler und Ingenieure. Und, nicht zu vergessen, die Faulheit.</p>
<p><i>Es ist, denke ich, nicht ein Realismus aus Realismus, sondern einer aus Faulheit. </i></p>
<p>Gewiss, so ist es. Das Amusante ist ja, den Menschen treibt weniges so stark, wie seine Faulheit. Wenn er Müssiggang wittert, wird er plötzlich rührig. Um am Pool sitzen zu können und nichts zu tun, beutet er sich jahrelang gnadenlos aus. Er ruiniert seine Gesundheit in der ersten Hälfte seines Lebens, um sie schliesslich in Sanatorien und unter Verausgabung des gesamten zuvor erworbenen Vermögens wieder herzustellen. 90% aller technischen Entwicklungen sollen der Faulheit des Menschen frommen: Er will nicht körperlich schinden, also mechanisiert er. Er will die Energie nicht herumkarren müssen, also elektrifiziert er. Er will nicht zu jemandem hin, um mit ihm zu reden und erfindet  das Telephon; und wenn er hin muss, dann per Automobil oder Flugzeug, denn den Apfelmist der Sechsspänner möchte er nicht länger vom Trottoir räumen. So läßt sich das fortführen. Gewiss, aus Faulheit wird er den Verlagen die Existenzgrundlage nehmen. Aus Faulheit in erster Linie. Der Grund mag verwerflich sein, aber es ist ein Grund. Es gibt nur wenig stärkere. Sie verstehen das Problem. Ich rede nicht von Aufgeben. Ich rede von Schneidern, die noch Schwingen vorführen wollen, als man längst per Transatlantikflug fliegen konnte. Mir imponiert das ja; ich verstehe diese Leute. Aber eine große Fluggesellschaft werden die wahrscheinlich nicht gründen. Ich glaube nicht. Nicht wirklich.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ATh</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-102</link>
		<dc:creator>ATh</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 14:56:35 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-102</guid>
		<description>&lt;blockquote&gt;&lt;em&gt;“Mir gefällt der Gedanke, dass man höchstens zwei mal im Jahr publizieren darf.”(InaF)&lt;/em&gt;
Mir auch.
&lt;/blockquote&gt;


Lieber Neffe, Ihr Wunsch ist mir Befehl: Zwei Kommentare im Jahr von Ihnen reichen. Sie hatten Ihre zwei. Das war's. Bis zum nächsten Jahr! Hochachtungsvoll, Ihr André Thiele</description>
		<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>“Mir gefällt der Gedanke, dass man höchstens zwei mal im Jahr publizieren darf.”(InaF)</em><br />
Mir auch.
</p></blockquote>
<p>Lieber Neffe, Ihr Wunsch ist mir Befehl: Zwei Kommentare im Jahr von Ihnen reichen. Sie hatten Ihre zwei. Das war&#8217;s. Bis zum nächsten Jahr! Hochachtungsvoll, Ihr André Thiele</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Neffe von Ulla</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-101</link>
		<dc:creator>Neffe von Ulla</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 14:39:36 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-101</guid>
		<description>&lt;i&gt;"Für freie Autoren geht es bei der Honorarfrage um das Einkommen, nicht um das Zubrot. Nun könnte man natürlich den freien Autoren raten: werdet alle fest angestellte Naturwissenschaftler, dann braucht ihr das Honorar nicht mehr." (ATh)&lt;/i&gt;

"Freie Autoren" braucht - genauso wie "freie Kaffeemaschinen" oder "freie Müllmänner" - eh niemand; da kommt prinzipiell nur Scheiße bei raus, bei diesen komplett unfähigen kleinbürgerlichen Elendsgestalten, die mit ihrer lächerlichen Gebetsdeckchenlyrik auch noch ernst genommen werden und womöglich gut verdienen wollen.

Die sollen mal schön in die Zeche schuften gehen, wo Pack wie sie hingehört (nach der Revo eh Gulag), dann müssen sie auch nicht über Honorare oder Google jammern. Wenn sie trotzdem noch was zu sagen haben, das über die sprachliche Verschleierung ihrer Idiotie hinausgeht, werden sie die Möglichkeit dazu finden.
Is ja lächerlich.



&lt;i&gt;"Mir gefällt der Gedanke, dass man höchstens zwei mal im Jahr publizieren darf."(InaF)&lt;/i&gt;

Mir auch.
Und diese elende Bloggerei gehört verboten.

Aber was wollen Sie dem Thiele das verklickern? Der ist Verleger und die Verdummung ist also sein Geschäft. Da wird er schwerlich einsehen, dass er sich mit seinen dichtenden Kumpels stattdessen lieber im Steinbruch abmühen sollte.

http://www.scribd.com/doc/13958385/Quotes-by-Kraus-Karl</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><i>&#8220;Für freie Autoren geht es bei der Honorarfrage um das Einkommen, nicht um das Zubrot. Nun könnte man natürlich den freien Autoren raten: werdet alle fest angestellte Naturwissenschaftler, dann braucht ihr das Honorar nicht mehr.&#8221; (ATh)</i></p>
<p>&#8220;Freie Autoren&#8221; braucht - genauso wie &#8220;freie Kaffeemaschinen&#8221; oder &#8220;freie Müllmänner&#8221; - eh niemand; da kommt prinzipiell nur Scheiße bei raus, bei diesen komplett unfähigen kleinbürgerlichen Elendsgestalten, die mit ihrer lächerlichen Gebetsdeckchenlyrik auch noch ernst genommen werden und womöglich gut verdienen wollen.</p>
<p>Die sollen mal schön in die Zeche schuften gehen, wo Pack wie sie hingehört (nach der Revo eh Gulag), dann müssen sie auch nicht über Honorare oder Google jammern. Wenn sie trotzdem noch was zu sagen haben, das über die sprachliche Verschleierung ihrer Idiotie hinausgeht, werden sie die Möglichkeit dazu finden.<br />
Is ja lächerlich.</p>
<p><i>&#8220;Mir gefällt der Gedanke, dass man höchstens zwei mal im Jahr publizieren darf.&#8221;(InaF)</i></p>
<p>Mir auch.<br />
Und diese elende Bloggerei gehört verboten.</p>
<p>Aber was wollen Sie dem Thiele das verklickern? Der ist Verleger und die Verdummung ist also sein Geschäft. Da wird er schwerlich einsehen, dass er sich mit seinen dichtenden Kumpels stattdessen lieber im Steinbruch abmühen sollte.</p>
<p><a href="http://www.scribd.com/doc/13958385/Quotes-by-Kraus-Karl" rel="nofollow">http://www.scribd.com/doc/13958385/Quotes-by-Kraus-Karl</a></p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ATh</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-100</link>
		<dc:creator>ATh</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 12:51:36 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-100</guid>
		<description>&gt;&gt; Google enteignen? Es ist, als würden die Tante-Emma-Läden gegen die Supermarktketten demonstrieren.

Eben hat der Kaufhof-Superstore bei uns in der Innenstadt zugemacht. Der kleine Tante-Üzgür-Laden an der Ecke brummt.  - Ich will auch brummen.

Sie klingen, als wären Sie eine fest angestellte Naturwissenschaftlerin, bei der das Honorar für wissenschaftliche Artikel ein nettes Zubrot zum Salär ist. Für freie Autoren geht es bei der Honorarfrage um das Einkommen, nicht um das Zubrot. Nun könnte man natürlich den freien Autoren raten: werdet alle fest angestellte Naturwissenschaftler, dann braucht ihr das Honorar nicht mehr. Aber das scheitert dann daran, dass es nicht genug Natur für alle diese Wissenschaftler gibt. (Und daran, dass Google nicht genug Steuern zahlt, um all die Wissenschaftlersaläre davon zu finanzieren.)

Als die Druckerpresse erfunden worden war, sprachen alle wie Sie. "Wehrt Euch nicht! Raubdruck ist Fortschritt! Es ist vorbei! Das sind Träume aus der Zeit der Kopiermönche!" Dann kamen die Fürsten und regelten das Urheberrecht per Gesetz. Dann lohnte sich das, was man die Weimarer Klassik nennt. Wollen nicht vergessen: Es lohnte sich.

Das, was Sie einen Realismus nennen, ist nur die Auforderung an sehr viele, Idealisten zu sein. Es ist, denke ich, nicht ein Realismus aus Realismus, sondern einer aus Faulheit. Es ist sozusagen ein Nine-to-Five-Realismus. </description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>>> Google enteignen? Es ist, als würden die Tante-Emma-Läden gegen die Supermarktketten demonstrieren.</p>
<p>Eben hat der Kaufhof-Superstore bei uns in der Innenstadt zugemacht. Der kleine Tante-Üzgür-Laden an der Ecke brummt.  - Ich will auch brummen.</p>
<p>Sie klingen, als wären Sie eine fest angestellte Naturwissenschaftlerin, bei der das Honorar für wissenschaftliche Artikel ein nettes Zubrot zum Salär ist. Für freie Autoren geht es bei der Honorarfrage um das Einkommen, nicht um das Zubrot. Nun könnte man natürlich den freien Autoren raten: werdet alle fest angestellte Naturwissenschaftler, dann braucht ihr das Honorar nicht mehr. Aber das scheitert dann daran, dass es nicht genug Natur für alle diese Wissenschaftler gibt. (Und daran, dass Google nicht genug Steuern zahlt, um all die Wissenschaftlersaläre davon zu finanzieren.)</p>
<p>Als die Druckerpresse erfunden worden war, sprachen alle wie Sie. &#8220;Wehrt Euch nicht! Raubdruck ist Fortschritt! Es ist vorbei! Das sind Träume aus der Zeit der Kopiermönche!&#8221; Dann kamen die Fürsten und regelten das Urheberrecht per Gesetz. Dann lohnte sich das, was man die Weimarer Klassik nennt. Wollen nicht vergessen: Es lohnte sich.</p>
<p>Das, was Sie einen Realismus nennen, ist nur die Auforderung an sehr viele, Idealisten zu sein. Es ist, denke ich, nicht ein Realismus aus Realismus, sondern einer aus Faulheit. Es ist sozusagen ein Nine-to-Five-Realismus.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: InaF</title>
		<link>http://www.peter-hacks.de/2009/09/dauerthemen/parasiten-wirtstiere-und-google/comment-page-1/#comment-98</link>
		<dc:creator>InaF</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Apr 2009 20:14:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.peter-hacks.de/?p=345#comment-98</guid>
		<description>http://www.perlentaucher.de/artikel/5347.html  bzw. http://www.perlentaucher.de/kommentare_lesen_von_artikel_5347

Die Diskussion, wiewohl furchtbar interessant, kömmt natürlich, wie noch jede Debatte über die gesellschaftlichen Folgen des technischen Fortschritts notorisch zu spät. Es war so beim Automobil mit seinen jährlich tausenden in Kauf genommenen Verkehrstoten, beim Kühlschrank, der den Kleinkaufmannsstand fast vollkommen killte, und es ist so bei der großen Vervielfältigungs- und Distributionsmaschine Computer/Internet, der nun auch ungezählte Existenzen zum Opfer fallen. Nun könnte man gegenbilanzierem: Die geschaffenen Existenzen der Automibilindustrie, der großen Einzelhandelsketten, der Soft- und Hardwareindustrie. Darum geht es nicht. Es geht z.B. um die Ignoranz der Gesellschaftsdebattanden gegen die Implikationen der technischen Neuerungen. Man sage nicht, es sei nicht absehbar: Warum können die Science Fiction Autoren, wozu die professionellen Gesellschaftsbereder und Persilscheinaussteller unfähig sind? Die Reihenfolge ist stets die selbe, erst die Entdeckung, dann die Erfindung, dann der große Unwillen gegen die Folgen. Konservativ, das ist, wenn das wehe Herz den Fortschritt nicht will, den der Verstand ausgesonnen und die Hand längst ins Werk gesetzt hat.

Nun ist die Internet-Kiste einmal da. Steht tausendfach herum, ernährt Millionen und bringt ebenso viele um ihr Brot. So ist das eben. Man gewöhne sich beizeiten daran. Wenn etwas kopierbar wird, wird es kopiert werden. Beisst die bewusste Maus den bewussten Faden nicht ab. Die Frage ist lediglich nach dem gesellschaftlichen Modus, d.i. nach der Organisation des Kopierens/Distribuierens. Die Frage ist längst nicht mehr, ob und wenn ja in welchem Ausmass. Es geht nur noch um das "wie", und eben "wer". Google? Government/international organisations? Schurkenstaaten? Piraten, Studenten, Bibliotheken?

Fest steht, die Art, nach der man geistiges Eigentum tauscht, wird sich ändern. Es wird gewiss nicht passieren, daß überhaupt nicht mehr getauscht, sondern nur noch geraubt wird. Dadurch würde das geistige Schaffen alsbald eingestellt und also auch die Ware versiegen, die gehandelt werden soll. Nichtmal ein Kapitalist sägt an seinem eigenen Ast, wiewohl ich gestehe, daß mir das Bild des eigenastsägenden Imps immer sehr behagt hat. Auch die Räuber ändern nichts; der Handel war noch nie durch Wegelagerei dauerhaft unterbunden.

Ich sehe der Sache mit gewissem Gleichmut entgegen. Wenn Google es tut, meinethalben. Es hat Vorteile. Google ist greifbar. Google will selbst verdienen, d.i. Google wird einen Kompromiss zwischen Ausbeutung und Symbiose finden müssen.

Die Staaten werden mit Sicherheit eingreifen. Kann sein, es wird ein Denk- und Schaffenszins erhoben, wenn die Distribution nicht kontrollierbar ist. Ich fände die Idee nicht übel. Von mir aus muss es auch keine Vielfalt der Verlage etc. geben. Vielfalt im Schaffen genügt vollkommen. Heck, ich gäbe was darum, wenn ein Gutteil des Verlegten unverlegt bliebe. Das gilt auch für die immer wieder diskutierten wissenschaftlichen Publikationen. Mir gefällt der Gedanke, dass man höchstens zwei mal im Jahr publizieren darf. Dieser besinnungslose Veröffentlichungbetrieb ist doch gänzlich aus dem Ruder gelaufen. Wer könnte das alles verfolgen? Die großen Datenbanken endlich tun so, als sei alles in einem großen Journal veröffentlicht, dessen Inhaltsverzeichnis sie seien. Warum also die Journale als Zwischenbehälter nicht gleich abschaffen? Mir ist es auch gänzlich Wurscht, ob ich mein Journal wählen kann. Bei Wahrung der erarbeiteten Standards reicht ein großes "Scientific Journal". De facto geht sowieso alles in die bewussten Datenbanken und es ist absehbar, dass es zu einem verschärfen Wettbewerb dieser Datenbanken kommt. Er möge kommen! Von mir aus soll Google-Scholar mit PubMed oder WebofScience oder wie sie alle heissen konkurrieren. Ich will keinen Impact-Factor sondern Transparenz und Random Access.

Google enteignen? Es ist, als würden die Tante-Emma-Läden gegen die Supermarktketten demonstrieren. Einige Nischen werden den Verlagen bleiben. Von der anderen Seite knabbern die großen Druckereien mit ihren BoD-Angeboten. Die schöne Verlagszeit scheint ein Ende zu finden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/5347.html" rel="nofollow">http://www.perlentaucher.de/artikel/5347.html</a>  bzw. <a href="http://www.perlentaucher.de/kommentare_lesen_von_artikel_5347" rel="nofollow">http://www.perlentaucher.de/kommentare_lesen_von_artikel_5347</a></p>
<p>Die Diskussion, wiewohl furchtbar interessant, kömmt natürlich, wie noch jede Debatte über die gesellschaftlichen Folgen des technischen Fortschritts notorisch zu spät. Es war so beim Automobil mit seinen jährlich tausenden in Kauf genommenen Verkehrstoten, beim Kühlschrank, der den Kleinkaufmannsstand fast vollkommen killte, und es ist so bei der großen Vervielfältigungs- und Distributionsmaschine Computer/Internet, der nun auch ungezählte Existenzen zum Opfer fallen. Nun könnte man gegenbilanzierem: Die geschaffenen Existenzen der Automibilindustrie, der großen Einzelhandelsketten, der Soft- und Hardwareindustrie. Darum geht es nicht. Es geht z.B. um die Ignoranz der Gesellschaftsdebattanden gegen die Implikationen der technischen Neuerungen. Man sage nicht, es sei nicht absehbar: Warum können die Science Fiction Autoren, wozu die professionellen Gesellschaftsbereder und Persilscheinaussteller unfähig sind? Die Reihenfolge ist stets die selbe, erst die Entdeckung, dann die Erfindung, dann der große Unwillen gegen die Folgen. Konservativ, das ist, wenn das wehe Herz den Fortschritt nicht will, den der Verstand ausgesonnen und die Hand längst ins Werk gesetzt hat.</p>
<p>Nun ist die Internet-Kiste einmal da. Steht tausendfach herum, ernährt Millionen und bringt ebenso viele um ihr Brot. So ist das eben. Man gewöhne sich beizeiten daran. Wenn etwas kopierbar wird, wird es kopiert werden. Beisst die bewusste Maus den bewussten Faden nicht ab. Die Frage ist lediglich nach dem gesellschaftlichen Modus, d.i. nach der Organisation des Kopierens/Distribuierens. Die Frage ist längst nicht mehr, ob und wenn ja in welchem Ausmass. Es geht nur noch um das &#8220;wie&#8221;, und eben &#8220;wer&#8221;. Google? Government/international organisations? Schurkenstaaten? Piraten, Studenten, Bibliotheken?</p>
<p>Fest steht, die Art, nach der man geistiges Eigentum tauscht, wird sich ändern. Es wird gewiss nicht passieren, daß überhaupt nicht mehr getauscht, sondern nur noch geraubt wird. Dadurch würde das geistige Schaffen alsbald eingestellt und also auch die Ware versiegen, die gehandelt werden soll. Nichtmal ein Kapitalist sägt an seinem eigenen Ast, wiewohl ich gestehe, daß mir das Bild des eigenastsägenden Imps immer sehr behagt hat. Auch die Räuber ändern nichts; der Handel war noch nie durch Wegelagerei dauerhaft unterbunden.</p>
<p>Ich sehe der Sache mit gewissem Gleichmut entgegen. Wenn Google es tut, meinethalben. Es hat Vorteile. Google ist greifbar. Google will selbst verdienen, d.i. Google wird einen Kompromiss zwischen Ausbeutung und Symbiose finden müssen.</p>
<p>Die Staaten werden mit Sicherheit eingreifen. Kann sein, es wird ein Denk- und Schaffenszins erhoben, wenn die Distribution nicht kontrollierbar ist. Ich fände die Idee nicht übel. Von mir aus muss es auch keine Vielfalt der Verlage etc. geben. Vielfalt im Schaffen genügt vollkommen. Heck, ich gäbe was darum, wenn ein Gutteil des Verlegten unverlegt bliebe. Das gilt auch für die immer wieder diskutierten wissenschaftlichen Publikationen. Mir gefällt der Gedanke, dass man höchstens zwei mal im Jahr publizieren darf. Dieser besinnungslose Veröffentlichungbetrieb ist doch gänzlich aus dem Ruder gelaufen. Wer könnte das alles verfolgen? Die großen Datenbanken endlich tun so, als sei alles in einem großen Journal veröffentlicht, dessen Inhaltsverzeichnis sie seien. Warum also die Journale als Zwischenbehälter nicht gleich abschaffen? Mir ist es auch gänzlich Wurscht, ob ich mein Journal wählen kann. Bei Wahrung der erarbeiteten Standards reicht ein großes &#8220;Scientific Journal&#8221;. De facto geht sowieso alles in die bewussten Datenbanken und es ist absehbar, dass es zu einem verschärfen Wettbewerb dieser Datenbanken kommt. Er möge kommen! Von mir aus soll Google-Scholar mit PubMed oder WebofScience oder wie sie alle heissen konkurrieren. Ich will keinen Impact-Factor sondern Transparenz und Random Access.</p>
<p>Google enteignen? Es ist, als würden die Tante-Emma-Läden gegen die Supermarktketten demonstrieren. Einige Nischen werden den Verlagen bleiben. Von der anderen Seite knabbern die großen Druckereien mit ihren BoD-Angeboten. Die schöne Verlagszeit scheint ein Ende zu finden.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
</channel>
</rss>
