Dietmar Dath würde eher Leute wie die Aldi Brüder entmachten, als einen Poeten, den er nicht mag, zum Schweigen zu bringen. Während sich viele deutschsprachige Literaten dem Realismus verschreiben, erläutert der Schriftsteller in einem Interview mit Thomas Lindemann für die Welt, warum er an Science Fiction festhält:
Wer das Wort vom sozialistischen Realismus ernst nimmt, kommt um die Phantastik nicht herum. Peter Hacks sagt, in der Kunst hören die Sachverhalte auf zu sein und fangen an zu bedeuten. Kunst handelt also nicht davon, was passiert, sondern wie Menschen es erleben. Bei mir kommen Zombies vor, weil man Zombies ja auch wirklich erleben kann. Im Supermarkt, in der Innenstadt, im Großraumbüro. Metaphern sind nicht beschränkt auf Kunst und Kultur, sondern sind Bestandteil des Lebens. Zombies, Zeitreisen, das sind Dinge, die jeder schon einmal erlebt hat. Wenn ich die in meine Literatur hinein nehme, erhöhe ich nur die Glaubwürdigkeit.
‘Zombies und Zeitreisen’ »
Die Peter-Hacks-Gesellschaft startet heute die Veranstaltungsreihe Hacks-Gespräche. Karl-Heinz Müller, ehemaliger Chefdramaturg am Deutschen Theater in Berlin, empfängt im Max-Lingner-Haus in Berlin-Pankow Uta Birnbaum, die zusammen mit Hacks eine Bühnenfassung seines Kunstmärchens „Der Schuhu und die fliegende Prinzessin“ erarbeitet hat. Beginn der Veranstaltung ist 19 Uhr.
Wir verzeichnen hier neu entdeckte Links auf die Seite zum Dichter. Dabei beschränken wir uns auf separate Links, melden also solche nicht, die in Meldungen und Artikeln stehen.
‘Links auf die Peter Hacks Seite’ »
Am geschichtsträchtigen 7. Oktober erscheinen im Verbrecher Verlag Schriften von Ronald M. Schernikau: „Königin im Dreck. Texte zur Zeit“. Es sind Ansichten jenes letzten Übersiedlers in die DDR, der ein Freund von Peter Hacks war. Herausgegeben wird der Band von Thomas Keck. In der Verlagsinformation heißt es:
Dieses Buch versammelt erstmals Beiträge Ronald M. Schernikaus für Zeitungen, Journale und Anthologien. Zeittexte – Reportagen, Gedichtinterpretationen, Berichte, Glossen, Interviews –, die nach wie vor brennenden Fragen nachgehen: Wieso sind die Schlager der DDR so gut? Was macht ein revolutionärer Künstler ohne Revolution? Ficken in Zeiten von AIDS? Das Besondre am Sonett? Wie wird ein Brötchen ein Brötchen im Sozialismus? Wofür verkaufe ich mich eigentlich, wie gehe ich mit Größe durch den Schund der Zeit? Die umfassende Auswahl belegt noch am kleinsten Text Schernikaus Zugriff: Leben ohne Haltung, Kunst ohne Politik wird nicht zu haben sein

„Storchs Filme sind im besten Sinne selbstgemachte Bildberichte über die Konkursmasse des postindustriellen Zeitalters" DER SPIEGEL Foto: wenzelstorch.de
Wenzel Storch ist ein äußerst bizarrer Filmebastler. Erzählt er übers Leben, dann kommen dabei abenteuerliche Geschichten heraus. So einer ist im Multimedia-Zeitalter rar geworden. Zum Interview nimmt er Martin Riemann von der Jungle World mit in sein altes Jugendzimmer und nicht in den nächsten Ikea oder Mediamarkt. Natürlich ist das nostalgisch, doch Storch dürfe das, meint Riemann. Bei ihm sei das nicht peinlich und platt. „Mit Verklärung hab’ ich auch nichts am Hut“, antwortet Storch:
Beim Schreiben ist ohnehin viel Zufall im Spiel, Vergangenes oder Versunkenes taucht dann eben hier und da aus der Versenkung auf. Man fängt an und – schwupps – plötzlich biegt der Text um eine Ecke, von der man vorher nichts wusste. Ich finde, mit Texten ist es ein bisschen wie mit guten Drogen. Vom Rauschgift erwartet ja auch jeder, dass öfter mal was Neues passiert, irgendwas, mit dem nicht zu rechnen war. Und so gerät eben allerlei in die Texte hinein. Das können bunte Petzi-Bilder, Zitate von Wilhelm Raabe oder Peter Hacks oder auch irgendwelche Karl-May- und Kater-Mikesch-Assoziationen sein. Je nach dem, was mich gerade so umtreibt oder was mir zufällig durch den Kopf schwirrt. Wobei ein Text natürlich nicht das leisten kann, was Drogen vermögen, ganz klar.

Hein am 4. November 1989
Christoph Hein im Gespräch mit dem Standard aus Wien über DDR-Literatur und Kalte Krieger. Der Schriftsteller lotet Gefühle der Ausgegrenztheit in der Berliner Republik und die Gebärden des Siegers aus:
Jeder Staat versucht zu zeigen, dass er der beste ist. Alles vor ihm gilt nicht mehr. Er selbst wird noch 1000 Jahre bestehen. Diese Haltung hatte die DDR auch. Da tritt aber doch dieses Goethe’sche Diktum ein, dass alles, was auf dieser Welt entsteht, auch zugrunde geht.
Keine Anklage, kein Zetern – der Schriftsteller bleibt gelassen. Grund dafür mag ein besonderes Selbstverständnis sein, das ihn mit den Kollegen seiner Zunft verbindet:
Die Autoren, mit denen ich Umgang hatte, Heiner Müller, Peter Hacks, Christa Wolf, Stefan Heym, Günter de Bruyn, Volker Braun, verstanden sich immer als deutsche Autoren. Einen Autor, der sich nur als DDR-Schriftsteller verstanden hätte, könnte ich nicht nennen. Wie ich mir andererseits nicht vorstellen kann, dass sich ein Günter Grass oder Martin Walser als BRD-Schriftsteller versteht.
Schließlich zitiert er Monika Maron, die kürzlich erst gesagt habe: „Wir sollten aufhören, von DDR-Literatur zu sprechen, sondern sie vor dem Hintergrund dessen, dass die DDR Ergebnis der gemeinsamen deutschen Geschichte war, als deutsche Literatur akzeptieren.“
Thomas Kuczynski gratuliert Georg Fülberth mit einem Artikel in der „jungen Welt” zum 70. Geburtstag, und wie es sich für die Zeitung gehört – erwähnt er, dass der Politikwissenschaftler Fülberth linksradikal sei, wovon es bekanntlich nicht mehr viele gibt.
Aufsehen erregte Fülberth mit dem Buch G Strich. Kleine Geschichte des Kapitalismus. Darin schreibt er:
„Wie lange es noch den Kapitalismus geben wird, wissen wir nicht. Nehmen wir einmal – ohne jede Begründung – an, er sei nicht mehr oder weniger dauerhaft als der Feudalismus. Dann hätte er noch fünfhundert Jahre vor sich“
Peter Hacks nannte ihn wegen solcher Prognosen „Georg Nostradamus”. Der Journalist Dietmar Dath berichtet in einer Rezension zu „G Strich” über einen kleinen Seitenhieb gegen Kommunisten, „die ihm angesichts der Langlebigkeit, die er dem Bösen zutraut, Defätismus vorwerfen“, woraufhin Fülberth gelassen angemerkt habe: „Im Vergleich zur Vergangenheit und etwaigen Zukunft menschlicher Gesellschaften ist dies eine eher kurze Frist.“ – „Darauf einen 1789er“, endet Dath. Thomas Kuczynski wünscht Georg Fülberth noch mindestens dreißig Jahre zu leben.
Innenminister Wolfgang Schäuble hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das Grundgesetz als „Kette, die den Bewegungsspielraum der Politik lahmlegt“ ansieht. Marian Krüger erinnert sich im Neuen Deutschland an dieses Zitat, als er sich das Wahlprogramm der CDU ansieht:
Mit einer Grundgesetzänderung will sie der Bundeswehr Polizeiaufgaben im Innern zuordnen. Bei der Kriminalitätsbekämpfung will sie für Jugendliche ab 18 Jahren nur noch im Ausnahmefall das Jugendstrafrecht anwenden, sie sollen künftig im „Regelfall“ wie Erwachsene verurteilt werden.
‘Die Union dreht frei’ »
Wir versammeln hier monatsweise chronologisch kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.
‘Kurzmeldungen – September 2009′ »
Felix Bartels spürt in seinem Blog Neuestes vom Parnassos gedankliche Ursprünge auf. Arnold Schölzel, der Chefredakteur der jungen Welt, schreibt unter seinem Akronym über den ehemaligen grünen Außenminister:
[Joseph] Fischer ist einer aus der Garde der Revolutionären Kämpfer in Frankfurt am Main von 1968 und seither politisch festgelegt. Wie die Mehrheit seiner Mitläufer war er für jede Kritik am Kapitalismus zu haben, wenn sie so dämlich war, dass der Kapitalismus im Vergleich zu ihr gut ausschaute. Später verzichtete er auf Romantik und machte aus den Grünen eine Kolonne zur politischen Fassadenverschönerung.
Schölzel habe seinen Hacks durchaus gründlich gelesen, stellt Bartels fest, und erkennt darin die Gedanken des Dichters, der 1980 geschrieben habe:
‘Romantische 68er’ »
Das spanische Online-Magazin El Librepensador widmet sich mit einer ausführlichen Serie der Berliner Theaterlandschaft.
Das Berliner Ensemble, das unter seinem Vorgänger, dem „Theater am Schiffbauerdamm“, auf eine Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückblicken kann, habe in der DDR zu einem neuen Höhenflug angesetzt. Natürlich sei das mit dem Namen Bertolt Brecht verbunden, heißt es, aber auch in den 70er Jahren unter der künstlerischen Leitung von Ruth Berghaus habe es bemerkenswerte Aufführungen gegeben – nicht zuletzt die Uraufführung von Peter Hacks’ „Omphale“ aus dem Jahr 1972:

Ruth Berghaus
A pesar de todas las críticas, la directora artística Ruth Berghaus se atrevió con un nuevo comienzo al asumir la dirección del teatro. Contrató a Heiner Müller y escenificó en 1973 el estreno mundial de su obra CEMENTO. Un año antes había dirigido el estreno mundial de OMPHALE, de Peter Hacks.

Nachdem Berghaus auf Drängen der Brecht-Erben, des ZKs und einzelner Mitarbeiter des Berliner Ensembles als Intendantin zurücktrat, wurde Brecht zu Ehren auf der Bühne ein Thron errichtet - das Theater versank in der musealen Ausgestaltung seines Werks.
Ein Fundstück vom Azzurro Design-Blog, das wir nicht vorenthalten wollen:
Der Herbst steht auf der Leiter
von Peter Hacks
Der Herbst steht auf der Leiter
Und malt die Blätter an,
Ein lustiger Waldarbeiter,
Ein froher Malersmann.
Er kleckst und pinselt fleißig
Auf jedes Blattgewächs,
Und kommt ein ein frecher Zeisig,
Schwupp, kriegt der auch ´nen Klecks.
Die Tanne spricht zum Herbste:
Das ist ja fürchterlich,
Die anderen Bäume färbste,
Was färbste nicht mal mich?
Die Blätter flattern munter
Und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende falln sie runter.

„Die ganze Welt ist voller Sachen, und es ist wirklich nötig, dass jemand sie findet.“ – legte Astrid Lindgren ihrer Pippi Langstrumpf in den Mund. Für die Sachensucherin ist das der Leitspruch, wonach sie ihren Blog gestaltet. Nun ist sie auf Peter Hacks gestoßen und hat ein Gedicht von ihm eingestellt:
Richtungstellung
Um die Dinge einmal wieder
Ins gehörige Verhältnis zu setzen: ich bin
Ein Eichbaum, ich singe mit tausend Vögeln.
Über mir geht die purpurne Sonne auf, das
Ist deine Liebe. Vorn, links unten,
Sehen Sie einen kleinen, grünen Gallapfel,
Das ist die Welt
Peter Hacks
André Thiele weilt derzeit im Jahresurlaub. Er hat an uns folgende e-mail einer ARGOS-Autorin weitergeleitet:
Sehr geehrter Herr Thiele,
vor längerer Zeit machten Sie das großzügige Angebot, ich dürfte mich, wenn ich Fragen zu Hacks hätte, an Sie wenden. Nun habe ich tatsächlich eine - sie betrifft die Aufführungen von Hacks’ “Pandora”. Wenn die Information in Ronald Webers Bibliographie, der Eulenspiegel-Gesamtausgabe (und bei Wikipedia) korrekt ist, dann gab es 1982 eine Uraufführung am Deutschen Theater Göttingen.
‘Zur Aufführungsgeschichte von „Pandora“’ »
Am 25. Juni ist der Dramatiker Jochen Berg im Alter von 61 Jahren in Berlin gestorben.
Berg war von 1974 bis 1991 Hausautor am Deutschen Theater in Berlin. Damit nahm er eine Position ein, die in der DDR oft Dramatiker bekleideten, die von den Theaterleuten zwar geschätzt, von den Behörden aber verboten wurden. Keines seiner Stücke durfte in der DDR aufgeführt werden, deshalb fanden die Uraufführungen von Bergs Werken bis zur Wende an westdeutschen Bühnen statt.
Mit Peter Hacks stand Jochen Berg im regen Briefkontakt.
‘Zum Tod des Dramatikers Jochen Berg’ »