Der „junge Welt”-Redakteur Stefan Huth interviewt André Müller senior zu Peter Hacks. Es ist ein längeres Gespräch, Huth fragt auch zu der Hacks-Welle, die es im vorigen Jahr nach dessen 80. Geburtstag gegeben hat – mit der FAZ als Meinungsmacherin obenauf. Dazu Müller sen.:
Jeder Mensch kann doch aus dem Hacks für sich herauslesen, was ihm gefällt. Natürlich gibt es Leute, denen passen die politischen Gedichte viel weniger als die Liebes- oder die Spottgedichte, das ist doch ganz normal. Das Publikum hat immer viele Zungen und holt sich das, was es brauchen kann.
Eine überaus liberale Ansicht. Aber:
‘Ein Kasten hier, ein Kasten da’ »
Axel-Springers bürgerliche Speerspitze Die Welt bringt am Samstag vor der Landtagswahl einen langen Report über Sachsen und glaubt, in dem Freistaat eine blühende Landschaft zu erkennen:
Riesa macht Mut. Bautzen macht sogar fröhlich: Tief im Osten liegt die Stadt, die früher für ein Gefängnis für Andersdenkende berüchtigt war. Der alte Marktplatz hat junge Straßencafés bekommen, Studentinnen schnattern fröhlich in der Sonne, dass man, um wenigstens irgendetwas aus der DDR zu retten, den Dichter Peter Hacks zitieren möchte: „Oh wie schön an seinem Rand/ ist mein deutsches Vaterland.” …
Das ist freilich nicht das Textende. Auch im Frühling gibt es Wolken am Himmel.
… Bis man in eine NPD-Kundgebung stolpert: Da ist es vorbei mit der Schönheit, und ums Vaterland macht sich auch der Optimist Sorgen.
Wir versammeln hier monatsweise chronologisch kleinere Meldungen mit Bezug zu Hacks.
‘Kurzmeldungen - August 2009′ »
Das Nordkolleg Rendsburg bietet ein Seminar über das literarische Jahr 1959 an, jenes Jahr, in dem Günter Grass „Die Blechtrommel“ geschrieben hat und Heinrich Böll „Billard um halbzehn“. Es stießen aber auch Hacks und Enzensberger aufeinander, just zu einem Zeitpunkt, an dem die beiden deutschen Staaten entdeckten, dass sie auch getrennt voneinander existieren können.
Dieses Wochenendseminar geht auf Spurensuche und besichtigt dabei wichtige literarische Ereignisse, die 1959 die literarische Öffentlichkeit bewegt haben. Dabei treffen wir unter anderem auf Peter Hacks und Hans Magnus Enzensberger, die eine politisch-kulturell eindringliche Korrespondenz führen, beobachten Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann und Paul Celan bei ihrer intensiven Auseinandersetzung mit dem Gedicht, staunen über unvermutete Beziehungen von Literatur und Arbeitswelt in Ost und West […]
Der Briefwechsel von Hacks und Enzensberger begann 1958, als Hacks einen offenen Brief in der „Jungen Kunst“, dem Organ des Zentralrats der FDJ, an Enzensberger schrieb und währte bis 1962. Erst später, kurz nach dem Mauerfall, beschimpfte Hacks seinen Kollegen als „greise 5-Mark-Hure des Imperialismus“. Das Tischtuch zwischen beiden war seitdem zerschnitten. In den Berliner Heften erschien die Korrespondenz in einer kommentierten Edition.
Der 6. Todestag von Peter Hacks am 28. August 2009 wirft seine bunten Schatten voraus: Am kommenden Freitag werden Marco Tschirpke (voc) und Wae Jane Chen (piano) die schönsten Gedichte ihres Leib- und Magendichters in vertonter Form auf die Kleinkunstbühne des Zebrano-Theaters in Berlin bringen. Und wie wir den Erfinder der ‘Lapsuslieder’ kennen, wird es auch diesmal nicht ohne seinen feinen Humor abgehen.
DER HIMMEL IST VOLL DAMPF - Marco Tschirpke singt Peter Hacks
Zebrano-Theater, Sonntagstraße 8 (S-Ostkreuz) 20:30 Uhr
Karten (€ 13/9) unter Tel. 030-290 494 11
www.zebrano-theater.de
www.tschirpke-singt-hacks.de
Der Verlag Andre Thiele gibt bekannt, dass der Preis der gleichnamigen CD von 14.90 EUR auf 9.90 EUR gesenkt wurde.
Am 27. August um 20 Uhr gastiert Helga Ziaja im Berliner Theater am Palais als Charlotte von Stein mit „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe”.
Wir haben gerüchteweise erfahren, dass es noch einige Restkarten geben soll.
Hattip: Carsten Giese
Wir erhalten folgende Anfrage:
Hello - I am looking for an english translation of Peter Hacks story of Der Schuhu und die fliegende Prinzessin. Do you know where i could find this?
Thank you. L. T.
Wir haben uns erlaubt, wie folgt zu antworten:
‘Übersetzung von „Schuhu”’ »
Wir erhalten folgende Anfrage:
können sie mir sagen über welchen weg sich die genauen entstehungsjahre der einzelnen gedichte hacks’ herausfinden lassen?
vor allem die entstehungszeit des gedichts “beeilt euch ihr stunden” wäre für mich sehr wichtig.
mit freundlichen grüßen, p. s.
Wir haben uns erlaubt, wie folgt zu antworten:
‘Entstehungszeit von „Beeilt euch, ihr Stunden”’ »
Unter dem Thema „Gute Leute sind überall gut. Hacks und Brecht“ findet am 7. November die zweite wissenschaftliche Tagung zu Werk und Leben von Peter Hacks im Berliner Magnus-Haus am Kupfergraben 7 statt. Beginn: 9.30 Uhr. Dazu heißt es in der Ankündigung:
Die veranstaltende Peter-Hacks-Gesellschaft hat sich für das Thema Hacks und Brecht entschieden, weil es eine ganze Reihe von Grundproblemen ästhetischer, historischer, vor allem auch biographischer Natur berührt, die für die Brechtforschung besser geklärt sein mögen, im Zusammenhang mit Hacks, seinem Werk und dessen Rezeption aber bislang nur sehr unzureichend aufgearbeitet sind.
Im Vorfeld der wissenschaftlichen Jahrestagung gibt es für Studierende und Nachwuchswissenschaftler ein Arbeitstreffen, das Dr. Kai Köhler leitet. Dies soll eine Gelegenheit sein, sich über alle Themen auszutauschen, die Hacks und sein Umfeld betreffen. In erster Linie sollen konkrete Arbeitsvorhaben (Dissertationen, Magisterarbeiten, BA-Arbeiten, Aufsätze) besprochen werden. Die Veranstaltung stehe jedoch allen Interessierten offen, so die Peter-Hacks-Gesellschaft.
‘Zweite Hacks-Tagung’ »
Wikipedia erinnert im Eintrag zu Breslau an die Persönlichkeiten der Stadt und greift weit in die Geschichte zurück: Martin Opitz kehrte 1623 vom Heimweh getrieben nach Breslau zurück und prägte fortan die barocke schlesische Dichterschule. Im Schweif durch die Jahrhunderte finden auch der Maler Adolf Menzel, der Arbeiterführer Ferdinand Lassalle und Peter Hacks Erwähnung. Zumindest in der deutschsprachigen Ausgabe. Die polnische beschränkt sich darauf, die zehn Nobelpreisträger der Stadt zu benennen. Offenbar ist die von Hacks geprägte Neue Klassik noch nicht über die Neiße geschwappt und der Dichter deshalb in Polen nicht sehr bekannt.

Peter Hacks 1956
Die Peter-Hacks-Gesellschaft lässt auf ihrer Website einen Zeitgenossen von Hacks zu Wort kommen. Walter Beltz (1935-2006) berichtet, wie er nach einer Kulturbunddiskussion mit dem Dichter den Rückweg zur Schönhauser Allee teilte. Das sei der Beginn einer über vierzig Jahre währenden Freundschaft gewesen, die stets von weltanschaulichen Übereinstimmungen getragen worden sei. Mit einem Tone der Bewunderung schreibt Beltz:
„Nur Narren konnten aus der von Hacks meisterhaft beherrschten Metaphorik aus Antike und Absolutismus eine neue zentralistische Staatsmetaphysik ableiten, unwissend, dass Hacks kein philosophischer Metaphysiker, sondern ein Dichter war, für Kinder wie Erwachsene erheiternd, erleuchtend und in jenem Masse bildend, wie es im Sozialismus möglich war.”
Ein Gespräch über das Theater in Ost und West an Beispielen von Georg Kaiser, Bertolt Brecht, Heiner Müller, Peter Hacks findet am Sonnabend, den 12. September 2009 in Leipzig im Haus des Buches statt. Das vermeldet die Peter-Hacks-Gesellschaft. Eingeladen sind Sabine Kebir, Klaus Schuhmann und Kristin Schulz. Klaus Völker leitet die Gesprächsrunde.
Die Diskussion veranstaltet die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) und steht anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums des Mauerfalls unter dem Motto „Zwischen Abgrenzung und Annäherung. Ein vergleichender Rückblick auf die deutsch-deutsche Literatur“.
Briefgezwitscher auf ohogeflüster: Michael Domas an Robert Alos über die liebevollen und die vollblutigen Männer und über Frauen, die sich nehmen, was sie brauchen, je nach Lust und Laune:
Was also die Wahrheit über die Frauen ist, wahrheitssuchender Robert? Die Lüge!
Noch einmal Peter Hacks: Aus „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“, einem so fein gesponnenem Lügengewebe, dass selbst sein hochmögender Autor sich darin manchmal verfängt und stolpert: „Man schilt uns Frauen gefallsüchtig, weil wir zu fürchten vorgeben, was wir im Grunde doch wollten: die Liebe des Mannes. Aber wenn wir schon Schelte verdienen, sollte man uns dafür tadeln, dass wir zu wollen vorgeben, was wir fürchten.“