Ohne den letzten Vorhang

Die Leipziger Volkszeitung berichtet über den Spendenaufruf für Jochen Bergs Begräbnis: Der Dichter habe seinen Frieden noch immer nicht gefunden. Denn sein letzter Wunsch sei es gewesen, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin – im Umfeld also von Heiner Müller und anderen einst Vertrauten – beerdigt zu werden, schreibt Michael Ernst. „Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze. Und für den Theatertexter hat sie, in Abwandlung dieses Schiller-Zitats, nicht mal ein Grab?“

Jochen Berg ist schon zu Lebzeiten ein tragisch Verkannter gewesen. Dabei war er, nach Peter Hacks und Heiner Müller, der meistgespielte Bühnenautor aus der DDR – freilich auf westdeutschen Bühnen. Dort, wo er zu Hause war, kamen seine Werke nicht auf die Bretter und bis auf eine frühe Ausnahme in der Zeitschrift „Theater der Zeit” nicht mal in die Verlage.

Dabei war der 1948 in der Harz-Gemeinde Bleicherode geborene Künstler mehr als eineinhalb Jahrzehnte lang Hausautor des Deutschen Theaters! Was für ein Treppenwitz in der Bühnengeschichte, dass Bergs Stücke – darunter eine anspielungsreiche Tetralogie mit Querbezügen zwischen Antike und deutsch-deutscher Gegenwart – in der einstigen Hauptstadt Berlin nicht zu erleben waren. Für sozialistischen Realismus war der gelernte Kalibergbauer und Krankenpfleger, der Lehre und Schauspielstudium abgebrochen hatte, nicht zu haben.

Spendenaufruf für Jochen Bergs Beerdigung

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