Egon Krenz aus der Haft

Rudolf Hempel schreibt auf Blogsgesang über neue Bücher, auch über Egon Krenz’ Gefängnis-Notizen, woraus er zitiert:

Peter Hacks beschrieb vor einigen Jahren: „Diesem Land ist weggenommen worden ein schlechter Sozialismus und gegeben worden ein schlechter Kapitalismus“. Er glaube, dass die Leute lernen, dass der „schlechteste Sozialismus immer noch besser ist als der beste Kapitalismus.“ Hacks vertraut darauf, dass die Menschen lernfähig sind. Er hat Recht behalten. Überdies haben die Ostdeutschen einen großen Vorteil: Sie haben zwei gesellschaftliche Systeme erlebt. Sie können vergleichen.

Die Passage sei provokant, meint Hempel und beschreibt im Anschluss Krenz’ Haltung:

Sein Vertrauen auf wissenschaftliche Analyse und die Forderung nach politischem Anstand kollidieren, so seine Sicht der Dinge, grundsätzlich mit dem neuen Souverän. Der mit der Logik des Siegers eine Deutungshoheit über die Geschichte für sich beansprucht.

Egon Krenz wurde wegen vier Todesfälle an der innerdeutschen Grenze zur Verantwortung gezogen und im August 1997 vom Landgericht Berlin zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Haftstrafe trat er am 13. Januar 2000 in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Hakenfelde an. Am 18. Dezember 2003 wurde Krenz vorzeitig entlassen, und die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Weitere Ermittlungen gegen ihn wegen Anstiftung zum Wahlbetrug wurden eingestellt.

Einen ausführlichen Beitrag zu diesem Vorwort von Krenz finden Sie auf Neuestes vom Parnassos, der Website von Felix Bartels. Auf der „Peter Hacks Seite” ist dieses Arbeitsjournal unter Klassikaggregat geführt. „Neuestes vom Parnassos“ bewegt sich im Umfeld von Peter Hacks’ Theorie einer sozialistischen Klassik.

35 Responses to “Egon Krenz aus der Haft”


  1. Andre Thiele 1 ATh

    Die Reaktion von Krenz ist nun wirklich dämlich. Ein einziges Mal tut er den Mund zu Hacks auf, und dann klingt er gleich wie ein Hacks-Pfaffe der elendsten Art.

    Dass der “beste Kapitalismus” immer noch schlechter sein soll, als der “schlechteste Sozialismus”, das allein ist eine geschichtsphilosophische Denksportaussage erster Güte, die ungeprüft nun wirklich nur ein Trottel in sein Argumentationsarsenal übernimmt.

    Denn wir haben Sozialismen gesehen, die waren in jeder Beziehung hundserbärmlich, es tat sich da noch der schlechteste Kapitalismus schwer, die zu unterbieten. - Und: Wie soll man denn mit dieser Prämisse verstehen, dass es eine Leistung war, die DDR zu haben?

    Selbst wenn man annimmt, Hacks habe sagen wollen - aber seit wann sagt Hacks denn nicht, was Hacks sagen will? - mit “Sozialismus” sei die DDR gemeint, es hieße also noch die schlechteste DDR sei besser als die beste BRD, dann ist man vielleicht dichter an Hacks’ realer Meinung der Zeit post 1990 dran, aber von der historischen Logik noch immer weit entfernt.

    Egon Krenz. Der Mann hat einfach das Pech, grundsätzlich immer daneben zu liegen. Wenn Sie auf Pferde wetten und Sie sehen, wie Krenz auf Ihren Favoriten setzt: Lassen Sie die Finger von dem Lauf, denn Egon Krenz setzt von Natur aus immer auf das falsche Pferd (die sog. Krenzsche Naturkonstante).

  2. Nephe 2 Nephe

    Ach hören Sie doch auf! Repression, Zensur, Verbrechen - den ganzen Scheiß gab und gibt es überall.

    Aber wenigstens den Mist abgeschafft zu haben, der unmittelbar aus der Ökonomie kommt, das ist eben der unverrückbare Vorteil des Sozialismus.

    Der Sozialismus löst die Probleme, die heute gesellschaftlich gelöst werden, politisch. Das fällt vielleicht vielleicht vorderhand eher ins Auge, aber es ist ein höherer Grad von Zivilisiertheit.

  3. Felix Bartels 3 Felix Bartels

    Ich denke, was Thiele sagen will, steckt in dem einen Satz:

    Wie soll man denn mit dieser Prämisse verstehen, dass es eine Leistung war, die DDR zu haben?

    Den Hinweis auf die Fehler des Sozialismus mit dem Hinweis auf die Fehler das Kapitalismus zu kontern, halte ich für ein schwaches Verfahren. Und es ist zu defensiv.

    Der Sozialismus hat nicht am Kapitalismus zu messen, sondern an seinen eigenen Ansprüchen. Die Prämisse, selbst der schlechteste Sozialismus sei immer noch besser als der beste Kapitalismus ist nicht gerade eine, die einer aus dem Hut zaubert, der von der Stärke des Sozialismus überzeugt ist. Vor allem aber ist sie eben verheerend, weil sie im Grunde besagt, daß es gleich ist, wie gut der Sozialismus gemacht ist. Sie übersieht, wozu der ganze Zirkus veranstaltet wurde. Nicht sie sozialistischer zu machen, wurde der Sozialismus in die Welt gesetzt, sondern sie besser zu machen. Das war der Anspruch, und wer diesen Anspruch aus der Gleichung streicht, gerät leicht auf Abwege.

    Thiele hat schon recht: Verglichen mit China und Albanien, verglichen auch mit der UdSSR oder Polen war der Sozialismus der DDR eine große Leistung. Die Grundbedingungen dieser Gesellschaft zu schaffen, ist das eine. Aber wirksam werden auch die nur, wenn die Politik die richtige ist. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen, und genau auf diese Differenz kommt es an.

  4. Ina Eff 4 InaF

    Ach, wat Sie beede schon wieda allet wissen wolln! Ich will Sie mal sahren, wie det is, mit die Jesellschaftsordnungen: Det Hauptwort heeßt nämlich “Ordnung”, wissense. Det is det wichtje. Und da jibtet denn vaschiedene Möglichkeiten, die Dinge zu ordnen. Man entscheidt sich für eene und die muss man dann durchziehn, sonst würtet keene Ordnung.

    Dit is det Jeheimnis. Is wie mitte Männer. Ürgendwie kannst jeden heiraten, is ejal. Ürgendwie isset dann och immer ma ziemliche Hängepartie. Musste durchziehn.

    Und ick sahre ma: “besser” und “schlechter”, also wennse mich frahren, det sind die janz jroben Kategorien, damit kriechste det aber sowat von jarnich zu fassen. “Besser” und “schlechter”, sahrik Euch feine Denkers, det is nüscht, det is Zeugnisnotendenken, det is Jesellschaftsunordnung.

  5. Nephe 5 Nephe

    Den Hinweis auf die Fehler des Sozialismus mit dem Hinweis auf die Fehler das Kapitalismus zu kontern, halte ich für ein schwaches Verfahren. Und es ist zu defensiv.

    Zumindest in dem letzten Satz stimme ich Ihnen zu. Aber trotzdem eiern Sie mir zu viel rum, denn jede Qualitätsbestimmung erzeugt immer den Vergleich mit anderen Qualitäten. Indem man sagt: der Sozialismus ist gut, sagt man automatisch, daß er besser ist als der Kapitalismus. Und daß man mit dem Sozialismus nicht den albanisch-chinesischen Unsinn meinen kann, versteht sich wohl von selbst.

  6. Felix Bartels 6 Felix Bartels

    @Ina

    Natürlich geht es immer auch um besser oder schlechter. Oder meinen Sie, daß Menschen, die Revolutionen machen und neue Systeme installieren, das deswegen tun, weil ihnen das alte System einfach langweilig geworden ist? In der Politik geht um Bedürfnisse, um Interessen. Und wo es Interessen gibt, gibt es immer auch ein Besser und ein Schlechter.

    Die Systemfrage, die Sie zu Recht in Spiel bringen, ändert an diesem Sacheverhalt nichts. System - das bedeutet nur, daß ein Staat ein Ganzes ist, an dem man nicht beliebig viel Einzelnes verändern kann, ohne daß die Sache ihren wesentlichen Charakter verliert oder lebensunfähig wird. Manche Vorzüge lassen sich mit anderen nicht in ein System bringen; manche Vorzüge bedingen bestimmte Nachteile. Wo Licht ist, ist eben immer auch Schatten. Und was sich bei der Frage nach dem Besser oder Schlechter von Gesellschaftsformationen grundlegend festellen läßt, ist nicht ausschließlich, daß sie inkommensurabel sind, sondern eben die Frage, in Bezug auf welche Bedürfnisse die verschiedenen Systeme besser oder schlechter sind.

  7. Petermännchen 7 Petermännchen

    “Der schlechteste Sozialismus ist immer noch besser …” -

    Dem ist nur zuzustimmen. Natürlich zählen auf Clanstrukturen aufgebaute oder anderweitig obskure (Un)Ordnungen nicht zum hier verwendeten Begriff Sozialismus. Und natürlich mein Kapitalismus nicht die Staaten des subsaharischen Afrika, sondern die BRD. Nicht Schweden versus Albanien, sondern DDR versus BRD. Was ein Apercu ist, muss an diesem Ort doch wohl nicht erläutert werden.

    Laisser-faire ist keine vernünftige Gesellschaftsgrundlage, Utilitarismus schon. Das geht in der Anfangsphase natürlich nicht ohne eine gewisse Nivellierung, und wenn das Niveau dann - aus welchen Gründen auch immer - nicht kontinuierlich gehoben werden kann, so ist das leider ein schlechter Sozialismus. In dem macht es vielleicht sogar weniger Spaß zu leben als im westlichen Nachbarland - vernünftiger aber ist ein solches Staatswesen allemal.

  8. Andre Thiele 8 ATh

    Ah! Wie ich das liebe! Ein scheinklarer Satz von Hacks, und alle Welt grübelt und raisoniert.

    Zur Sache.

    Man kann nicht, nur weil einem das Ergebnis nicht passt, während des Spiels die Regeln ändern. Natürlich akzeptiere ich, dass es politische Gründe gibt, ein Land einen Sozialismus zu nennen, das kein Sozialismus ist. Dann wirkt das eigene Lager groß und mächtig.

    Wenn wir aber einmal dieses Politblabla weglassen und zur Systematik greifen, dann muss man doch sagen: Albanien war ein Sozialismus. Punkt.

    Es gibt wirklich schlechte Formen von dem. Merke: Nicht immer hält das rote Licht, was es dem Wandersmann verspricht.

    Man kann die DDR, deren Stärken und Schwächen, nicht verstehen, wenn man nicht versteht, dass das, was sie bot, dem Umfeld abgetrotzt war. Klippschule!, sagen nun die Marxisten, dem kapitalistischen Feind nämlich. Klippschule!, erwidern die Leser von Hacks, nicht zuletzt den sozialistischen Freunden nämlich.

    Einen Realismus, den wollen wir in solchen Dingen doch haben.

  9. Alexander H 9 Alexander H

    Wie ich Hacks verstanden habe, ist der Sozialismus mehr als die Produktionsweise in der Wirtschaft: er ist ein Grund zum Leben.

    Wenn im Kapitalismus die Liebe das Produkt des Zufalls ist, so ist sie im Sozialismus sozusagen der höhere Zweck. Wie nun Liebe anders zu verstehen ist als eine “positive” Kraft, also Zuviel davon, daß es überläuft, das weis ich nicht. Der Kapitalismus produziert sie, der Sozialismus erzieht zu ihr.

    Es ist wohl vergleichbar mit Schernikaus “ja” sagen zu können zu etwas, oder vielmehr mit einem “ja” zu leben. Wer könnte denn eine, wenn man so will, philosophischere Frage stellen, als: Wie leben können?
    Welche Bedeutung der Liebe zukommt, wenn einer bei dieser Frage angelangt ist, das glaube ich, versteht jeder.

    Woher diese Kraft aber in den Sozialismus kommt, daß er sie nutzen kann, das spricht aus Hacksens Gedicht, in dem Stalin der Selbstherrliche ist und Venus seine Gefährtin. So verstehe ich Hacks, wie ich das Gedicht verstehe. Und also verstehe ich den Apercu über den besten Kapitalismus, der an den schlechtesten Sozialismus nicht reicht: als ein Ja zum Leben, was, nicht nur der Kukuk weiß, wie schwierig doch ist und was die liederliche Halbheit von Leben, die einem die “Macher” im Kapitalismus zugestehen, nicht erlauben kann.

    Es gab im übrigen man einen gewissen Rene Crevel in der Surrealistengruppe und der war ein feuriger Kommunist.

    Bei der berühmten Konferenz zur “Erhaltung der Kultur” im Jahre 35 brachte er sich um. Er hinterlies eine Rede, die er nicht mehr hielt und die ist sehr interessant!

  10. Alexander H 10 Alexander H

    Was Repression, Zensur, Verbrechen, und gar zivilisatorische Leistungen eigentlich sind, das hängt freilich von den gesellschaftlichen Bedingungen ab. Was aber an einer Bedingung anderes dran sein soll, als der Kapitalismus, die Reproduktion, das verstehe ich nicht! Ist der Sozialismus womöglich die abschaffung von den Bedingungen?

    Gesellschaftliche Ordnung ist dufte, aber ein fades Wortspiel, solange es keine ordentliche gesellschaft gibt. Das denke ich auch!
    Die Gesellschaft machen aber Menschen. Die Frage nach dem Menschen, gewissermaßen, ist ja wohl der Kern der Frage nach dem Sozialismus! Die Gesellschaft als ordentliche, also richtige Folge des Menschen darin, das ist Sozialismus. Umgekehrt ist es folgerichtig Kapitalismus.

  11. Andre Thiele 11 ATh

    Der Staat, lieber Herr H., ist zu vielem gut, aber wenn es um die Liebe geht, die kann er nicht. Lieben kann nur der Mensch. Wenn der Staat etwas zur Liebe weiß, dann nur “Bluppblubberblupp”.

    Die ganze Argumentation Schernikaus in dieser Sache läuft darauf hinaus, dass ein Lastwagen ein schönes Ding ist und dass eine Rose ein schönes Ding ist und dass man deswegen am besten den Lastwagen zum Schneiden der Rosen nimmt. Ich plädiere dafür, den Lastwagen zu nehmen, um Lasten von A nach B zu transportieren, und ansonsten den Gärter seine Arbeit tun zu lassen, ohne dass er fürchten muss, mitten im Rosenbeet von einem unsachgemäß mit einem Lastwagen herumbrausenden Schernikauerianer überfahren zu werden.

    Was der Staat kann: Den Menschen den Rücken freihalten beim anstrengenden Geschäft des Menschseins. Und das kann er, indem man ihn für das nimmt, für was er taugt. Zur sinnvollen Regulierung des Marktgeschehens zum Beispiel. Denn der Markt ist wie die Kernspaltung: Großartig!, aber wenn man ihn sich selbst überlässt, macht es “Wumm”. Also baut man ein sehr großes, sehr kompliziertes Ding drumherum, das den Unfug drinnen hält und die Kraft nach draußen liefert.

    Natürlich kommen dann sofort sehr viele Leute und sagen “Oh je, das große komplizierte Ding wird sehr heiß! Ist das denn gesund?” und dann branden sie heran und wollen dagegen sein. Aber zum Glück gibt’s Zäune.

    Abgesehen von den Dagegen-Anbrandern gibt’s zwei Gruppen und eine dritte.

    Die einen meinen, dass die Kernspaltung am besten und sichersten geht, wenn man sie aus dem Reaktor an die frische Luft herausholt. Das sind die Hayek-Leute.

    Die anderen meinen, dass die Kernspaltung am besten und sichersten geht, wenn man den Reaktor zubetoniert und die Atome anschließend planvoll und kollektiv von Hand spaltet. Das sind die Linken.

    Die dritte Gruppe, also etwa die Linie Napoleon, Bismarck, Ulbricht, Hacks, Felix Bartels, Dietmar Dath und ich, wir streiten eigentlich nur noch über den Reaktortyp, die Struktur der Holding, die ihn betreibt, und ob man Tibet oder Kuba als Endlager hernehmen soll.

    Ich bin für Kuba.

  12. Alexander H 12 Alexander H

    Mit Verlaub zu sagen: ich denke nicht, daß Hacks einer jener Kommunisten war, die Mohren waschen.
    In der Lebensbeschreibung steht am Ende eine deutende Gliederung der Hacksinterpreten. Mir scheint dabei z.B., das Aristrokatie und Sozialismus anders zusammen gehen.
    Denn, als der Adel faul geworden, wurde er doch zum Vorteilnehmer.
    Ist das Ende des gesellschaftlichen Adels aber nicht notwendiger Verlauf für die Geburt eines neuen, edleren Adels?
    Und was ist schlecht an einem Stil, der es dem Arbeiter möglich macht, abstand zu seinem Kollegen zu haben, z.B. zum Nachdenken? Etikette ist nicht nur kockette!

  13. Alexander H 13 Alexander H

    Mohren waschen jene Kommunisten, die sich auf einen Diskurs einlassen, der keiner ist, die von Gesellschaft reden, wo sie den Menschen meinen, was eine Linke zur Folge hat, die eine Syssiphuslinke ist.

  14. Alexander H 14 Alexander H

    Lieber ATh,

    Aber wie durchsetzen, dass es so geht, wie Sie es schildern?
    Wenn die Liebe Sache der Menschen ist und der Sozialismus nicht, dann ist es mit dem Sozialismus bald gewesen.
    Die Liebe ist nicht der Pfefferkuchen in Herzform, sie ist das Leben selbst, wenn es nicht geschlampt, sondern gelebt wird.
    Sie ist z. B. so sehr ihre geschilderte Überzeugung so sehr, so wirklich diese ist.
    Ich glaube, sie missverstehen die Liebe, wie ich sie meinte. Sie ist übrigens auch nicht nackt und trägt nicht unbedingt Blümchen im Haar.

    Sie ist nämlich hochphilosophisch. Die schwierige Frage nach dem wozu Leben ins Positive gewendet, wo umgkehrt im Kapitalismus die gier nach Aufregung anstelle der Frage, also der Arbeit tritt.
    Denn, Liebe ist das “Ja” zum Leben.

  15. Alexander H 15 Alexander H

    Sagen Sie mir bitte, ob es ratsam ist von Linien zu sprechen? ( Linie Ullbricht… )

    Mir scheint, wer auf die Linie geht, der geht irgendwie auf den Str…
    Das ist nicht gegen Sie! Ich weiß nur nicht recht. Ich will eben gerne daran glauben, daß der Sozialismus keine Überlieferung ist, sondern aus der eigenen Erfahrung erwächst. Und wieder bin ich bei dieser elenden Frage: kann ich Leben? Oder: wozu leben, wenn ich es nicht kann?

  16. Alexander H 16 Alexander H

    Ach, jetzt verstehe ich. Aber, sich an der Kernspaltung erfreuen und dann einen LKW fürchten, das klingt mir reichlich übertrieben.
    Ich fürchte, zu einem Schernikauerianer reiche ich nicht hin. Viel von ihm habe ich nicht gelesen, den Eindruck, er gäbe eine Richtung, nicht gewonnen. Die eine Sache mit dem Lebens”ja” habe ich aber verstanden. Mag sein, weil ich den Nietzsche schon gelesen hatte, der so ähnlich spricht.

    Nun sagen Sie, das läßt sich mit dem Staat nicht vereinbaren. Ich kenne den Staat nicht persönlich, in dem ich lebe. Ich wüßte nicht, wer mir hier den Rücken frei hielte, ehrlich gesagt, weiß ich manchmal nicht einmal so genau wo mein Rücken ist. Wenn ich aber auf die Idee käme, der Staat hätte etwas mit meiner Unkenntnis meiner selbst zu tun, dann lerne ich ihn unter Umständen kennen, und nicht von seiner schönsten Seite: denn zur Wehr setzt er sich.

    Wenn Sie nun eine ähnliche Erfahrung machen und daraus schliessen, es lohne sich nicht weiter diesen Staat anzufechten, dann weigern Sie der Arbeit. Dann sind Sie, mit Verlaub, kein Arbeiter!
    Arbeit gibt es, denn der Widersprüche sind genug.

  17. Andre Thiele 17 ATh

    Ich wüßte nicht, wer mir hier den Rücken frei hielte, ehrlich gesagt, weiß ich manchmal nicht einmal so genau wo mein Rücken ist.

    Ach, als Mitarbeiter der Peter Hacks Seite lernt man schnell, wo man seinen Rücken hat: Er ist, worauf man liegt und lacht, wenn man manches liest.

    Arbeit gibt es, denn der Widersprüche sind genug.

    Meine Rede. Mir sind’s der Widersprüche schon längst genug, deswegen füge ich ungern welche hinzu. Aber was die Arbeit angeht, da sind wir 1Herz&1Seele. Und deswegen wenden wir uns der jetzt am besten wieder zu.

  18. cotten 18 cotten

    Wenn nicht geschlampt wird.

    Mit genauer Aufmerksamkeit und präzisem Wissen kann der Kapitalismus lange daran gehindert werden, in komplette Zivilisationslosigkeit zu verfallen. Doch was rechtes wird nie daraus, weil bei den grundlegenden Prinzipien geschlampt wurde. Weil, genaugenommen, die grundlegenden Prinzipien Ausreden, Verlegenheiten sind. Unter diesen Umständen wird jede gute Arbeit zu einer Sisyphussischen Abarbeit.

    Ich kann nicht ganz ehrlich lieben, wenn ich etwas nicht eingestehen kann: dass die Ordnung meines Lebens übernommen ist, ich verstehe sie nicht, ich habe keinen Bezug dazu, sie ist der Zufall, der mich umgibt, ich mache mit, um nicht relativ gesehen unter die Räder zu kommen. Der Antrieb dieser unglaublichen Aktivität ist Angst, Existenzangst sagt man manchmal. Meine Existenzangst und eine andere Existenzangst klammern sich zum Trost an einander, helfen sich gegenseitig. Das ist keine Liebe, das ist Notgemeinschaft. Dass ich Spiegeleier liebe, das ist keine Politik. So hängen L und P zusammen. Und wenn HM sagt, Kommunismus ist die Abschaffung der Liebe, heißt es nichts anderes, als dass selbige in jenem beginnen kann, für und an sich, zu leben, anstatt zu klammern.

  19. Andre Thiele 19 ATh

    Dass ich Spiegeleier liebe, das ist keine Politik.

    Aus der Sicht der Hühner schon.

  20. H 20 H

    Also, das ist einmal ein unbefriedigender Kalauer!
    Was ist Ihre Kernspaltung? - Kalauer!
    Ihre Liebe? - Clyche, wozu: für einen Kalauer!
    desgleichen: Staat und Gesellschaft,
    und dann wieder zum Abgang: ein Kalauer!

    Es sitzt sich wohl behaglich ruhig im virtuellen Kneipeneck, während die Namen draußen auf die Linie gehen?
    Und der Rücken?
    Unter diesen Umständen ist freilich gut und lustig darauf zu liegen, auch ohne Rückrat!

  21. Andre Thiele 21 ATh

    Der Zorn der verschmähten Liebhaber ist fürchterlich.

  22. H 22 H

    In Hühnerdingen wollen wir, bitte schön, einen Realismus!

  23. utschenik 23 utschenik

    “Die dritte Gruppe, also etwa die Linie Napoleon, Bismarck, Ulbricht, Hacks, Felix Bartels, Dietmar Dath und ich, [...]”

    Ich hätte nie gedacht, dass mir durch Rumstöbern auf der Peter-Hacks-Seite das Frühstück dermaßen verdorben werden könne.

    Bitte schreiben Sie in Zukunft nur noch nüchtern, sonst werden Sie überhaupt nicht mehr ernst genommen (außer von aufgekratzten Nachwuchs-Hackslesern).

    “Die ganze Argumentation Schernikaus in dieser Sache läuft darauf hinaus, dass ein Lastwagen ein schönes Ding ist und dass eine Rose ein schönes Ding ist und dass man deswegen am besten den Lastwagen zum Schneiden der Rosen nimmt. Ich plädiere dafür, den Lastwagen zu nehmen, um Lasten von A nach B zu transportieren, und ansonsten den Gärter seine Arbeit tun zu lassen, ohne dass er fürchten muss, mitten im Rosenbeet von einem unsachgemäß mit einem Lastwagen herumbrausenden Schernikauerianer überfahren zu werden”

    Ich wäre sehr erfreut, wenn Sie das mal anhand einer Textpassage, einer Seitenangabe in Schernikaus Werk belegen könnten.

  24. Andre Thiele 24 ATh

    HErr, hilf! Schon wieder ein Besessener:

    “Ach, wat Sie beede schon wieda allet wissen wolln! Ich will Sie mal sahren, wie det is, mit die Jesellschaftsordnungen: Det Hauptwort heeßt nämlich “Ordnung”, wissense. Det is det wichtje. Und da jibtet denn vaschiedene Möglichkeiten, die Dinge zu ordnen. Man entscheidt sich für eene und die muss man dann durchziehn, sonst würtet keene Ordnung.

    Dit is det Jeheimnis. Is wie mitte Männer. Ürgendwie kannst jeden heiraten, is ejal. Ürgendwie isset dann och immer ma ziemliche Hängepartie. Musste durchziehn.

    Und ick sahre ma: “besser” und “schlechter”, also wennse mich frahren, det sind die janz jroben Kategorien, damit kriechste det aber sowat von jarnich zu fassen. “Besser” und “schlechter”, sahrik Euch feine Denkers, det is nüscht, det is Zeugnisnotendenken, det is Jesellschaftsunordnung.”

    - InaF zu den historischen sozialimusanalysen thieles und bartels’

    Es dauert nun nicht mehr lang, und dieser gelangweilte Spätfrühstücker erklärt uns, dass es die besondere Form weiblicher Klugheit ist, die InaF dem Bartels und dem Thiele so überlegen macht.

  25. uchitel 25 uchitel

    Was hat denn Hacks mit der Seite zu schaffen?

    Eine Begabung, die was sein will, ein Gernegroß, treibt mit ihm das Geschäft des Tschitschikow, indem er den Dichter bestiehlt!

    Mit etwas unsauberer Chuzpe rupft er dem Wehrlosen die Federn aus und dekliniert damit den “Pfau”.

    Doch, der Pfau wird zum Affen: ein Epigone sudelt am Nachlass von armen Hacks.

    Was hat er Ihnen getan, Herr Thiele?

  26. Andre Thiele 26 ATh

    Wiglaf?! Du hier?

  27. utschenik 27 utschenik

    Nachdem Sie, Thiele, Ihre Spürhund-Fähigkeiten unter Beweis und jetzt den Gegenstand auf meinen Blog gelenkt haben, den ich gar nicht zum Gegenstand machen wollte und deswegen nicht angegeben habe, hätten Sie Trockenmüslimampfer doch sicher jetzt die Güte, meine Bitte (ich werde sie noch mal hinschreiben, Sie sind ja sicher ob des frühen Aufstehens inzwischen müde) zu erfüllen:

    “Ich wäre sehr erfreut, wenn Sie das mal anhand einer Textpassage, einer Seitenangabe in Schernikaus Werk belegen könnten.”

    Danke im Vorraus.

  28. Ulli 28 Ulli

    Es hebt das Gezänk an um einen Eklektiker?

    Dann scheiden sich doch, wenn ich so sagen darf, an ihm die Geister!

    Im Falle es der Herr Thiele nicht selber insziniert hat, so gebührt ihm neben dem Lorbeer des Epigonen, der des “Aufkratzers”!

  29. Andre Thiele 29 ATh

    @ Uschi Tenk

    Sie haben Ihren Blog nicht zum, to stick to your parlance, Gegenstand machen wollen, weil dann jeder mit einem Klick überprüfen könnte, dass Sie Ihre Anonymität dazu nutzen, die Leistungen anderer zu kopieren, ohne ihr das geringste Neue, Eigene hinzuzufügen, und dass Sie dabei durch die Nennung voller Namen zu brillieren trachten, wobei Sie den Ihren lieber verschweigen, dass Sie also, lassen Sie mich den Gegenstand auf diesen Zug an Ihnen lenken, ein Beckmesserjocke sind.

    Ich wäre sehr erfreut, wenn Sie das mal anhand einer Textpassage, einer Seitenangabe in Schernikaus Werk belegen könnten.

    Oder aber: Sie hören auf, Rosinen zu picken, lesen einfach nicht nur meine Kommentare, sondern die von Alexander H gleich mit, auf die sich meine beziehen, und finden auf diesem Wege wie durch Zauberhand selbst heraus, worauf sich meine, zugegebenermaßen nicht ganz glückliche, Formulierung bezieht.

  30. Andre Thiele 30 ATh

    Eklektiker, Geisterscheider, Epigone und Aufkratzer in einem Kommentar - größenwahnsinnig könnte man werden.

  31. latourprendsgarde 31 latourprendsgarde

    kuenstlertum, thomas manns z.b. erklaerte sich dem schopenhauerischen lieber nahe, dh die erfahrung des schmerzes der unrast bei aeusserer ruhe ist nicht immer die bessere wenn gebruellt.

    sie z.b.richtet sich nach der decke und erklaert es als ertraeglich, dass eine weile der ruhe eintritt, weil die wade bedeckt.

    als munterer blinder erkennt der kleinproduzierende kuenstler sein zerstobensein, tut die menschliche arbeit da mit ihrem inbegriffenen zeitfaktor, wo der groesste effekt moeglich, kann aber aufgehalten werden von beschleunigung ungeordneter prozesse, die vernichtend sein können auch der liebe und ihren produktiven kraeften.

    wenige des publikums kennen ihren joethe des poesiealbums in der fortsetzung: ²denn dieses unterscheidet ihn von allen wesen, die wir kennen², womit wir aus dem dilemma nicht heraussen sind, da heute der militaerforscher als kybernetiker in der lage zu sein scheint, die tollwuetige kuh einzusetzen und den hilfreichen delphin als kamikazesprengsatz.

  32. Felix Bartels 32 Felix Bartels

    “Die dritte Gruppe, also etwa die Linie Napoleon, Bismarck, Ulbricht, Hacks, Felix Bartels, Dietmar Dath und ich, [...]”

    Ich hätte nie gedacht, dass mir durch Rumstöbern auf der Peter-Hacks-Seite das Frühstück dermaßen verdorben werden könne.

    Mir wäre eigentlich entschieden lieber gewesen, wenn Sie, statt uns über die Auswirkung dieser Stelle auf die Verdauung Ihres Frühstücks berichtzuerstatten, von den Gründen, die Sie gegen die Stelle ins Feld führen wollten, eine Andeutung gegeben hätten. Ich finde, daß obige Reihe keine schlechte Gesellschaft ist. Alles Leute, die wußten bzw. wissen, was Sie tun. Und das ist, denke ich, auch schon der entscheidende Wink bezüglich Ihrer Unverträglichkeit mit dieser Aufzählung. Vielleicht haben Sie wirklich Gründe, die mehr betreffen als nur die Innenwände Ihres Magen daselbst, doch ich fürchte, daß sich Ihr Verdruß bereits vollständig daraus erklärt, daß Sie Thieles Metapher nicht verstanden haben.

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  3. 3 Ein mentaler Untergang im Sinnlosland at Peter-Hacks.dePeter Hacks Seite

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