Tränen für Demjanjuk

In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung junge Welt weist deren Chefredakteur Arnold Schölzel auf das Internetportal Die Achse des Guten, auf dem sich eine Gruppe teilweise namhafter, radikal-liberaler Publizisten versammelt. Vera Lengsfeld, einstmals populäre DDR-Bürgerrechtlerin, hat dort jüngst einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie den derzeit vor Gericht stehenden Ukrainer Demjanjuk, dem vielfacher Mord während der Nazi-Zeit vorgeworfen wird, zum Opfer stalinistischer Machenschaften erklärt:

In der stalinistischen Sowjetunion war der Mann Traktorfahrer. Er hat also die stalinistische Willkür gegenüber der ländlichen Bevölkerung miterlebt. Dann wurde er Soldat. An der Front hat er mitansehen müssen, wie die Soldaten der Roten Armee verheizt wurden. Als er gefangen genommen wurde, wußte er, daß seine Familie daheim verhaftet und in die Lager deportiert werden würde. Nach einem stalinistischen Gesetz war nicht nur der kriegsgefangene Soldat ein Verräter, sondern eben auch seine Familie. Er hat sich dann von den Nazis anwerben lassen und als Aufseher in Vernichtungslagern gearbeitet.

Arnold Schölzel bringt diese unhaltbare, unseriöse und einfach dumme These auf den Punkt:

Wer Menschen in Gaskammern treibt, ist Opfer des Stalinismus.

Die Achse des Guten selbst charakterisiert Schölzel mit einem Hacks-Zitat:

Das Internetportal »Die Achse des Guten« (www.achgut.com) ist ein Tummelplatz »berufsmäßiger Verleumder« (Peter Hacks) wie Henryk M. Broder, islamophobe Rassisten und für Vera Lengsfeld.

Schölzels Wort wäre noch treffender, wenn er vergleichbar rigoros gegen in seinem Haus gelegentlich zu findende Islamophilie und antisemitische Äußerungen vorginge. - Lassen wir das letzte Wort zu Frau Lengsfeld, vormalige Wollenberger, Peter Hacks sprechen:

Eine Plattform steht von Planken,
Draus zwei Pfosten stattlich ragen,
Die, geschmückt mit Eichenranken,
Das geschärfte Eisen tragen.
Bald aus einem fernen Knarren
Bildet sich ein Zug von Karren.
Krause rollt und de Maizière
Vorne vor dem Zuge her.

Böhme, Thierse, Schnur und Stolpe,
Gysi, Modrow, Wolf und dann
Poppe, Barbe, Klier und Bohley,
Schröder, Ull- und Eppelmann,
Die Gebrüder Brie und, ärger,
Eheleute Wollenberger,
Alle lassen ihren Kopf
Fallen in den Auffangtopf.

22 Responses to “Tränen für Demjanjuk”


  1. Ina Eff 1 InaF

    Veraweise zugegeben:

    Hacks, im Grabe, frug Fontane
    “Was bloß verdarb die Welt?”
    Erwidert ihm der Dichterahne:
    “Das ist ein langes Feld.”

  2. Nephe 2 Nephe

    Als er gefangen genommen wurde, wußte er, daß seine Familie daheim verhaftet und in die Lager deportiert werden würde. Nach einem stalinistischen Gesetz war nicht nur der kriegsgefangene Soldat ein Verräter, sondern eben auch seine Familie.

    Es scheint, als hat die gute Frau Vera Wollenberger, geb. Lengsfeld, in der DDR nicht nur den Sozialismus nicht gelernt, sondern auch keine Mathematik. Oder vielleicht auch keine Geschichte?

    Wie man weiss, lag die Zahl der zwischen 1941 und 1945 in Gefängnissen oder Arbeitslagern inhaftierten Bürger der SU im Höchstfall (1941) bei 2,4 Millionen, im niedrigsten Fall (1944) bei 1,3 Millionen. Rechnet man nun die über 5 Millionen Kriegsgefangenen Soldaten der Roten Armee dagegen, muss man sich wundern. Selbst wenn man, was bei den Familienverhältnissen der Sowjetunion in dieser Zeit sehr untertrieben ist, jedem Soldaten nur drei Angehörige (also etwa: zwei Eltern und Geschwisterkind, oder: ein Elternteil, einen Lebenspartner und Kind usf.) zugesteht, kommt man endlich auf 15 Millionen inhaftierte Familienmitglieder.

    Ich habe das Bildungssystem der DDR immer für hervorragend gehalten, angesichts solcher Früchte wie Frau Wollenberger, geb. Lengsfeld, kommen mir unterdessen sachte Zweifel.

    Oder waltet hier doch Absicht? Hat die gute Frau Wollenberger, geb. Lengsfeld, bei ihrem rührseligen Plädoyer zugunsten des Nazis und Vielfachmörders Demjanjuk wirklich so schlechte Argumente, dass sie Gesetze erfinden muss, von denen außer ihr nie einer was gehört hat, und gesellschaftliche Zustände behaupten, die noch mehr als den Gesetzen der Gesellschaft denen der Natur widersprechen?

  3. detgeormplechl 3 detgeormplechl

    allzeit bereit die rökkmarie
    mit veral
    zum schlag aufs borstenvieh

  4. Andre Thiele 4 ATh

    Demjanjuk goes deutschen Freisinn
    Ein Minidrama.

    I. Akt

    Der Staatsanwalt: Er muss nun vor ein ordentliches Gericht.
    Vera: Nein, halt! Ein Opfer ist Demjanjuk. Die Stalinisten warn’s, die ihn zum Nazi machten.
    Der Chor: Denn hohe Not macht manchen Mann bereit zum Judenmord.
    Vera: Ein Opfer dieser Roten Brut, genötigt, das Schlimmste zu vollziehn um dem noch Schlimmren zu entfliehn!
    Der Chor: Das kleinre Übel nur war für Demjanjuk Sobibor.
    Vera: Ein Widerständler war er, während er die Juden zu den Kammern trieb. - Denn trieb er nicht manch’ Stalinisten mit hinein?
    Der Chor: Hinein! Hinein! Der Stalinismus treibt’s hinein!
    Vera: Treckerfahrn war’s, was er gewollt.
    Der Chor: Der Weltgeist wollt’ ihn nicht lassen treckerfahrn!
    Staatsanwalt: Wer ist denn die?

    2. Akt

    Mark/Daniel/Tilman: Hiermit protestieren wir aufs Schärfste gegen Veras geschichtsrevisionistische Ausführungen.
    Vera: Ein Opfer der Demjanjuk war!
    Mark/Daniel/Tilman: Wer Demjanjuk für ein “Opfer” zweier totalitärer Diktaturen erklärt, hat sich aus dem Konsens der wirklichen Antitotalitaristen herauskatapultiert.
    Der Chor: Hinaus! Hinaus! Doch richtigs Deutsch ist ihnen Stalinismus.
    Vera: An der Front hat er mitansehen müssen, wie die Soldaten der Roten Armee in einem sinnlosen sowjetimperialistischen Verteidigungskrieg verheizt wurden.
    Der Chor: Verheizt! Verheizt! Drum hat er später andere verheizt!
    Mark/Daniel/Tilman: Hatte nicht Gysi auch eine schwere Jugend - und zwar im Nationalsozialismus? Bedeutet Veras Argument nicht, dass Gysis Verhalten dann auch gerechtfertigt wäre? Wäre nicht auch Gysi dann ein Opfer?
    Der Chor: - zieht scharf die Luft ein -
    Vera: - zieht scharf die Luft ein -
    Mark/Daniel/Tilman: Bürgerin Vera, du hast der Sache schwer geschadet.
    Der Chor: Sie hat geschadet! Hat geschadet!
    Vera: Der Kommunist, er darf kein Opfer sein. - Ich habe gefehlt.
    Der Chor: Sie hat gefehlt. Sie hat gefehlt. Oh Götter, den Umkehrschluss, ihr schufet ihn mit böser Absicht!
    Vera: Nicht andre nur betrachten wir Liberale streng, auch uns selbst richten wir mit gleicher Strenge.
    Mark/Daniel/Tilman: Katapultiert sie heraus!
    Der Chor: Hinaus! Hinaus!
    Mark/Daniel/Tilman: Ergreift die Maßnahme!
    Vera: Und dabei wollt’ ich immer nur treckerfahrn.

    III. Akt

    Mark/Daniel/Tilman: Eine “Achse des Guten”, deren Engagement für bürgerliche Freiheit gegenüber religiösen Fanatikern und Ökologisten/Environmentalisten wir außerordentlich schätzen, darf sich nicht zum Sprachrohr einer Exkulpierung der willigen Vollstrecker Hitler-Deutschlands machen.
    Henryk M.: - seufzt -
    Mark/Daniel/Tilman: Wir wären Ihnen außerordentlich verbunden, wenn Sie uns darüber in Kenntnis setzen könnten, welche Konsequenzen Sie aus der Veröffentlichung der genannten Äußerungen Lengsfelds ziehen.
    Henryk M.: - mit einem Koffer in der Hand durch die Mitte ab; auf dem Koffer ein Aufkleber: “Nächstes Jahr in Jerusalem.” -

    [Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig und entsprechen nicht der Intention des Verfassers.]

  5. detgeormplechl 5 detgeormplechl

    @nephe
    das wahre lügen wurde ihr auch versperrt und sie mußt’ es mühsam autodidaktisch erwerben. so blieb ihr
    auch das kommunistische manifest unbekannt.

  6. Nephe 6 Nephe

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/demjanjuk/

    Hoho! Sieht aus, als ob die Achse des Guten bricht …

  7. Felix Bartels 7 Felix Bartels

    Ich habe mir mal die Homepage der Demjanjuk-Versteherin und Hohmann-Verteidigerin Vera Lengsfeld angesehen, bezüglich der mich übrigens wenig wundern sollte, wenn demnächst mal wieder ein Interview mit ihr in der Jungen Freiheit erscheint. Und ich habe da - also auf ihrer Homepage - ein interessantes Bekenntnis gefunden:

    Freiheit und Fairness statt Gleichheit und Gerechtigkeit!

    so das Motto, das unübersehbar in die Seite einführt. Und ich finde das sehr bemerkenswert. Es handelt sich dabei um ein selten ehrliches Bekenntnis des reinen Geistes der Liberalität. Das Bekenntnis, daß es im Liberalismus eben nicht um Gerechtigkeit, also ein hergestellt und stimmiges Verhältnis verschiedener Individualitäten, sondern lediglich um eine gewisse Chancengleichheit …

    - wobei allerdings hier bereits einzuwenden wäre, daß jene Chancengleichheit ein Abtraktum ist, das in der gesellschaftlichen Wirklichkeit nicht einmal im Ansatz gegeben ist -

    um eine gewisse Chancengleichheit also am Beginn des sozialen Prozesses zur Herstellung der veritablen Ungerechtigkeit geht, dieses Bekenntnis ist eben das nackte Eingeständnis der Absichten des Liberalismus. Bemerkenswert aber dagegen, daß Frau Lengsfeld einmal mit Deutlichkeit ausspricht, was Liberale für gewöhnlich nur fühlen, sich aber nur höchst selten in vollem Ausmaß ins Bewußtsein rufen, daß nämlich Freiheit und Demokratie zwei gegenläufige Prinzipien sind, die einander ausschließen. Die Demokratie, deren Ideal die Gleichheit ist, fragt grundsätzlich nach den Bedürfnisverhältnissen der Gesamtheit der Menschen; die Freiheit fragt nach den Bedürfnissen immer nur eines einzelnen Menschen. Die Bedürfnisse eines Menschen können nie so beschaffen sein, daß ihre Durchsetzung nicht auch die Nichtdurchsetzung der Bedürfnisse anderer Menschen bedingt. Absolute Freiheit schließt demnach Demokratie ebenso sehr aus, wie Freiheit von absoluter Demokratie ausgeschlossen wird. Oder anders gesagt: allgemeine Freiheit kann es nicht geben, da die Freiheit gewisser Menschen die Unfreiheit anderer Menschen bedeutet. Und jemand, der sich - wie Liberale und insbesondere unsere Freunde von der guten Achse - ohne Abstriche zugunsten der Freiheit und gegen die Gleichheit entscheidet, denkt, auch wenn er es selbst ungern zugeben wird, antidemokratisch.

    Und weil wir hier auf der Hacks-Page sind, weise ich gern darauf hin, daß ich vor ein paar Monaten einen Aufsatz zum Verhältnis von Leistung und Demokratie bei Peter Hacks geschrieben habe, der gegen Ende dieses Jahres in meinem Buch Abdruck finden wird, in dem ich, neben einigen anderen Fragen, auch gerade diese, die ich eben skizziert habe, behandele. Hier nur so viel: Während nämlich einerseits Leute wie Ingo Way und Vera Lengsfeld antidemokratisch-freiheitlich eingestellt und auf der anderen Seite Hacks-Freunde aus dem linken oder marxistischen Spektrum oft demokratisch-antifreiheitlich orientiert sind, läßt sich an Hacksens dramatischem Werk sowie an mancher seiner theoretischen Äußerungen zeigen, daß Peter Hacks für eine Vermittlung und somit eben auch Beschränkung beider Prinzipien eingetreten ist.

  8. priska 8 priska

    freut mich, Ihre Logik, und aufs Buch freu ich mich auch

  9. Ina Eff 9 InaF

    Hier nur so viel: Während (…) einerseits (Liberale) antidemokratisch-freiheitlich eingestellt und auf der anderen Seite (Linke) oft demokratisch-antifreiheitlich orientiert sind, läßt sich (…) zeigen, daß Peter Hacks für eine Vermittlung und somit eben auch Beschränkung beider Prinzipien eingetreten ist.

    Jawoll! Im Gegensatz zu den Liberalen oder den Linken war Hacks antidemokratisch-antifreiheitlich. Wie heisst es so gütlich: Ein guter Kompromiss ist einer, mit dem keine der Parteien zufrieden ist.

  10. Felix Bartels 10 Felix Bartels

    Im Gegensatz zu den Liberalen oder den Linken war Hacks antidemokratisch-antifreiheitlich. Wie heisst es so gütlich: Ein guter Kompromiss ist einer, mit dem keine der Parteien zufrieden ist.

    Oder beide - was nichts ist als derselbe Sachverhalt, andersherum ausgedrückt. Vermittlung eines Widerspruchs heißt stets Beschränkung beider Seiten, aber stets auch deren Verwirklichung.

    Und was mir ferner dazu einfällt: Vermittlung bedeutet Beschränkung, Nichtvermittlung Beschränktheit.

  11. Andre Thiele 11 ATh

    Der folgende Kommentar wurde uns von Daniel Schikora zugeschickt, zusammen mit einer Anmerkung:

    >>
    In Reaktion auf die Thematisierung unserer Stellungnahme zu Lengsfelds geschichtsrevisionistischen Äußerungen zum Fall Demjanjuk den folgenden Text gepostet [...]

    Der Text scheint erfolgreich verschickt worden zu sein, gleichwohl ist er in Ihrem Forum nicht sichtbar. Da ich nicht davon ausgehe, daß der Text gegen Ihre Forumsregeln verstößt, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie ihn freischalten könnten.
    <<

    Herr Schikora ist einer der drei “Achgut”-Autoren, die sich für eine Entfernung von Frau Lengsfeld aus deren Autorenpool ausgesprochen haben.

    Ich weiß nicht, was auf der technischen Seite schiefgelaufen ist: Selbstverständlich verstößt Daniel Schikoras Beitrag gegen keine Forumsregeln. Er hätte in jedem Fall von unserem CMS durchgeschaltet werden müssen; er ist aber nicht mehr vorhanden.

    Ich bedaure, dass dieser Umweg nötig war. Im folgenden Kommentar bringen wir den Beitrag von Herrn Schikora, so wie er ihn eingeschickt hat.

  12. Andre Thiele 12 ATh

    “Mit Genuß habe ich Ihr “Minidrama” gelesen, in dem wir, Tilman, Mark und ich, vorkommen, wenngleich das Werk aus meiner Sicht einen nicht unbeachtlichen Webfehler enthält: Es verfälscht unsere Ausführungen zum Fall Gysi. Wie aus unserer Stellungnahme eindeutig hervorgeht, halten wir Gysi nicht nur für keinen “Täter”, dessen Handeln mit jenem Demjanjuks auch nur im entferntesten vergleichbar wäre, sondern sehen in ihm in keiner Weise einen (staatsterroristischen) “Täter”.”

    Daniel Schikora

  13. Andre Thiele 13 ATh

    Sehr geehrter Herr Schikora,

    haben Sie Dank für Lob und Tadel. Was denken Sie, was Wallenstein gesagt hätte zu dem, was im “Wallenstein” steht? Mutatis mutandis ziemlich genau das, was Sie mir zu schreiben die Freundlichkeit hatten. Und warum das so ist? Das ist, und da bin ich einmal, was ich in Kunstfragen sonst selten bin, nämlich ganz liberal: wegen der künstlerischen Freiheit.

    Stimmen tut, dass man aus meinem Einfällchen die Ereignisse nicht wird positiv herausfolgern können; was vielleicht anschaulich wird, das sind die waltenden Haltungen.

    Wir sind aber ansonsten ganz einer Meinung, die Sie so beruhigen sollte, wie sie mich beruhigt: Seinen Weg auf die Weltbühnen wird mein Minidrama nicht finden.

    Mit dieser Hoffnung schließe ich als Ihr etc.

  14. Ina Eff 14 InaF

    An der Front hat er mitansehen müssen, wie die Soldaten der Roten Armee verheizt wurden.

    Allein diese Auffassung des zweiten Weltkrieges (von krankhaften Antikommunisten gern mal “Stalins Krieg” gekosenamt): Eine veritable Geschichtsfälschung. Was hätte die überfallene SU denn nach Meinung von Frau Lengsfeld tun sollen? Was die “gleichmütige asiatische Rasse” eben so tut? : Sich schulterzuckend ins Gas ergeben? Die Frage lautet doch, ob, wer das sich-zur-Wehr-setzen zum an-der-Front-verheizen umdeutet, nicht eigentlich nach §130 StGB oder §86 fällig ist?

    Natürlich kann man darüber diskutieren, ob Stalins Kriegsführung nicht zu opferreich gewesen sei. Gewiss scheint, der hektische Run auf Berlin war rein politisch motiviert und wäre (den Aufzeichnungen Shukows zufolge) unblutiger zu haben gewesen.

    Aber das sind Fragen der Kriegstaktik in einem Krieg, in dem *zuallererst* die Deutschen verheizten, wen sie verheizen konnten.

    Das am Rande. Hier bei Hacksens sollte ja auch am Rand Klarheit herrschen.

  15. Nephe 15 Nephe

    den Aufzeichnungen Shukovs zufolge

    Kleine Korrektur: den Aufzeichnungen Tschuikows, nicht denen Shukows zufolge. Letzterer verteidigt den Angriff an den Seelower Höhen in seinen Memoiren und kritisiert dabei gerade Tschuikows (wie er meint:) leichtfertige Kritik an der militärischen Entscheidung. Shukow sagt klar, dass es darum ging, zuerst in Berlin zu sein, und er stellt das als militärische Notwendigkeit hin, weil man sich nicht sicher sein konnte, wie die Westmächte sich militärisch verhalten würden, wenn sie Berlin zuerst eingenommen hätten. Bekannt ist ja, dass auch in der Führungsriege der Westmächte einflussreiche Fürsprecher gab, die die Ansichten vertraten, dass man gleich weiter nach Osten marschieren solle. Bekannt ist auch, dass noch im Frühjahr 1945 in Schleswig Holstein eine deutsche Division, die bereits in Gefangenschaft geraten war, unter Waffen und marschbereit gehalten wurde. Stalin - ich referiere aus dem Gedächtnis - fragt Churchill gleich zu Beginn der Potsdamer Konferenz, ob er denn nicht vielleicht doch irgendwann vorhabe, diese Division zu entwaffnen. Insofern ist es natürlich richtig zu sagen, dass der forcierte Angriff auf Berlin politische Hintergründe hat, wenn man dabei berücktsichtig, dass politische Gründe manchmal äußerst wichtig sein und viel mit der Frage der Selbsterhaltung zu tun haben können.

    Ansonsten: Zustimmung. Das Problem bei § 130 StGB ist nur, dass er nur die Bevölkerung der Bundesrepublik bezogen ist, Hetze gegen Sowjetbürger fällt nicht darunter. Aber man könnte ja mal darüber nachdenken, ob nicht Frau Lengsfelds fortgesetzte Angriffe gegen staatstragende DDR-Bürger, die heute Bürger der BRD sind, für § 130 relevant sind.

  16. Ina Eff 16 InaF

    Tschuikows

    Tschuikow, Tschuikow, Tschuikow!

    Sie haben Recht.

    Hier bei Hacksens sollte ja auch am Rand Klarheit herrschen.

  17. Nephe 17 Nephe

    Und der Rand liegt wahlweise in Sibirien oder bei den Seelower Höhen

  18. Ina Eff 18 InaF

    Und der Rand liegt wahlweise in Sibirien oder bei den Seelower Höhen.

    Jepp, das ist einer, der wohlbekannte zwischen Preußen und Sibirien; dann wäre da noch der zweite, den die Lengsfeldsche nicht halten kann, und von dem gar nicht sicher ist, ob er nicht der längere von beiden ist; schliesslich noch den Dritten, aus dem die leichterregbare Dame gerät, wenn Steine entgegen der Fahrtrichtung fliegen: “Wer Polizisten steinigt, steinigt den Rechtsstaat.”

    Wie sublim! Sowas von subversiv, wie das Steinigungsbild den islamistischen Abendlandhasser beschwört, raffiniert. Diese bildstarke und inhaltsschwache Sprache kann sie nur aus ihrem DDR-Philosophiestudium herhaben. Merke also, lieber Islamist: Steinigungen stets von rechts nach links!

    Aber es gibt bei Frau Lengsfeld ja nicht nur Feindbilder. Zugegeben, sie hat sich ziemlich mit Bösewichten umzingelt, regelrecht zugestellt, kriegt sicher ihre Tür nicht mehr auf - aber wenn man ganz genau hinhört, kann man auch einen Protagonisten ausmachen. Er heißt: Der mündige Bürger. Der mündige Bürger wird den Rechtsstaat steinigen.

    Er ist, wie der Philosoph weiß, zu dieser Freiheit verurteilt. Und zwar von Vera Lengsfeld höchstpersönlich.

  19. km-ZweiEin 19 km-ZweiEin

    Er ist, wie der Philosoph weiß, zu dieser Freiheit verurteilt.

    Verurteilt war auch der arme Knut, nämlich zur Feindobservation auf (womöglich) Lebenszeit. Wie der da im Ehebett lag, die Besucherritze gleichsam als Kluft zwischen den Weltsystemen, als eisernen Vorhang, empfindend, und auf der anderen Seite der Imperialismus in seiner ungeschminkt-grauenhaftesten Gestalt: VERA; das muss ein hartes Leben gewesen sein. Eines, gegen das sich die Spionagetätigkeit des Rainer Rupp wie ein Sonntagsspaziergang ausnimmt. Gedenken wir also auch des tapferen Knut, der sein Leben dreingab und seine besten Jahre opferte …

  20. Ina Eff 20 InaF

    Vera widerruft:

    Ein Wort in eigener Sache: mein Tagebuch-Eintrag vom 8.Mai hat zu Irritationen bei Henryk und Hannes geführt. Deshalb will ich ganz klar stellen: ich habe mit der Aufzählung der Lebensstationen von Demjanjuk nur zeigen wollen, welch furchtbaren Lebensumständen Menschen in totalitären Diktaturen ausgesetzt waren. Ich habe das bewusst unkommentiert gelassen, weil ich überzeugt war, die Tatsachen sprächen für sich. Wenn dadurch der Eindruck entstehen konnte, Demjanjuk sei Opfer der Umstände und nicht Täter, war das in keiner Weise meine Intention. Die große Mehrheit der sowjetischen Kriegsgefangenen, die denselben Umständen ausgesetzt waren, wie Demjanjuk, hat sich der Kollaboration verweigert. Das nicht dazu gesetzt zu haben war mein Fehler.

    Das war ihr Fehler. Schneuzen wir uns einmal für Vera.

    Quelle: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/doppeltagebuch_1989_2009_18_mai/

  21. Nephe 21 Nephe

    weil ich überzeugt war, die Tatsachen sprächen für sich

    Die Tatsachen vor allem sind es, mit denen sie auf Kriegsfuß steht (siehe oben).

  1. 1 Spotlight (34) | Das rote Blog

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