Die Eros-Kämpfer

Der Maler und Graphiker Thomas J. Richter will zeigen, wie lustvoll das Leben nach dem Kapitalismus sein kann. Vor zwei Jahren hat er bereits einen Peter-Hacks-Band mit Liebesgedichten illustriert, der im Eulenspiegel-Verlag erschienen ist. Herausgegeben hat ihn Heike Friauf.

Beide haben ihre Zusammenarbeit für das Buch Eros und Politik fortgesetzt, einem Sammelband mit Texten von Leo Kofler, Peter Hacks und Werner Seppmann. Die junge Welt stellt das Werk in ihrer Wochenendbeilage mit dem Titel gebenden Text von Kofler vor, der Marx’ Menschenbild untersucht. Revolution und die freie Entfaltung von Liebe, Eros und Erotik gehörten zusammen, so wie die Entwicklung der Erotik für die Menschwerdung unverzichtbar gewesen sei:

Das führt zu weitgehenden Konsequenzen. Vor allem zu jener Konsequenz, dass der Lebensgenuss sich nicht ausschließlich auf den Bereich des Sexuellen und seiner Folgen beschränkt, sondern in Formen der Tätigkeit sich ausprägt, die über den Liebesgenuss weit hinausgehen und den flachen Hedonismus überwinden.

Mag die Herausgeberin bei der Textauswahl auch an die vielen Aufgekratzten gedacht haben – jene unentwegt flirtenden Vergnügungssüchtigen, die allabendlich die Straßen, Bars und Cafés bevölkern und in Berlin Prenzlauer Berg am frisch sanierten Haus in der Schönhauser Allee 129 vorbeischwirren, in dem einst Hacks gelebt hat.

Peter Hacks geht in seinem Essay über Pornographie, Kunst und Erotik von der sich in der DDR entwickelnden sozialistischen Gesellschaft aus, in der der Kampf gegen die Entfremdung schon begonnen haben sollte. Der kulturhistorische Essay des Soziologen Werner Seppmann bezieht die unterschiedlichen Entwicklungen in der DDR und der Bundesrepublik ein und charakterisiert die gegenwärtig extreme Beschleunigung der Entfremdungsprozesse.

Heike Friauf präsentiert den Band im Beisein von Thomas J. Richter und Werner Seppmann am Donnerstag, den 4. Juni, um 19 Uhr in der jW-Ladengalerie (Torstr. 6, 10119 Berlin).

10 Responses to “Die Eros-Kämpfer”


  1. Peti, the Vampire Slayer 1 Peti, the Vampire Slayer

    Die Eros-Kämpfer

    ROFL!

    Das haben Thomas J. seine Gespielin Heike nun davon: Sie müssen mit der einen Idee zu Hacks, die sie sich haben einflüstern lassen, über die Dörfer tingeln. Gestern bei Eulenspiegel, heute bei Pahl-Rugenstein, morgen bei - ja, wo geht’s denn morgen noch? Ach was, irgendwer findet sich immer.

    Mich hat das Bild von dem Thomas J. Richter, das das neorevolutionäre Tittenblatt jW gestern veröffentlicht hat (http://www.jungewelt.de/serveImage.php?id=19023&type=o) schwer enttäuscht. Es heißt “Der Kuß”, könnte auch heißen “Camembert sodomisiert Eichhörnchen” oder auch “Kniffke im Puff” oder auch “Zärtlichkeit ist, wofür ich die Schlampe bezahle” oder auch “Vergewaltigers feuchter Traum”, genau so, wie es zu erwarten war; aber, Hacks-Seiten-Kenner aufgepasst!, wo ist der pochierte Lachs an Lauchstangen? Wo ist der schwebende Fickilachs? Ist sein Fehlen ein schlechtes Zeichen? Stimmt was nicht zwischen Thomas J. und Heike? Braut sich was zusammen im Hause Friauf-Richter?

    Warum die Leute die BILD-Zeitung lesen, nicht aber die ewig junge Welt? Weil BILD mehr Charakter hat UND die besseren Pornos bringt.

    Sowas gelingt nämlich wirklich nur den Commünysten vonne jW: Wichsvorlagen drucken und trotzdem beim Publikum durchfallen.

    (Lustig, daß der Eulenspiegel-Verlag den Peter Hacks für solchen Trash rausrückt: Leo “Trotzki” Kofler und GLASNOST-Redakteur Seppmann. Wow! )

  2. Andre Thiele 2 ATh

    Thomas J. Richter, Der Kuß

    Thomas J. Richter, “Der Kuß” (c) junge Welt 2009

    Leser Peti hat Recht: Thomas J. Richter bleibt sich treu.

    Der Text von Kofler ist natürlich der allerwiderlichste 68er-Mist. Aber, hey!, chacun à son dégout, nicht wahr!?

  3. Ina Eff 3 InaF

    Über die bildende Kunst kann ich nicht urteilen, davon weiss ich zu wenig. Aber an dem Kuß-Bild fällt sogar mir sofort der Fehler auf:
    Der Schwanz müßt’ in die Fut,
    Dann wär das Bild auch gut.
    Sie sehen, ich bin hoffnungslos altmodisch.
    Den Kofler hinwieder kann ich beurteilen, davon verstehe ich was. Allein hier verbietet mir mein Sittlichkeitsgefühl, das Urteil kund zu tun.
    Sie sehen, ich bin hoffnungslos altmodisch.

  4. Petermännchen 4 Petermännchen

    Verehrter Vampire Slayer, Sie können sicher auch mit Grosz nichts anfangen, stimmt’s?

  5. yrder weide 5 yrder weide

    Na sieht sie die beinwellskörper in cafés sechtse: allez-les bains s’isch nitemol e chli glattis hüt, habis nit dit nit schlüpfrig wie die noch originalverpackten aus mr. Collins haushalt

  6. Andre Thiele 6 ATh

    George Grosz ist Käthe Kollwitz für Unsentimentale. (Es geht nichts über die Sentimentalität der Unsentimentalen.)

  7. Nephe 7 Nephe

    Sowas gelingt nämlich wirklich nur den Commünysten vonne jW: Wichsvorlagen drucken und trotzdem beim Publikum durchfallen.

    Nun schaltense mal’n Gang runter, Professor Snape, sonst bricht uns der Besen am Ende noch entzwei! Die “junge Welt” ist nicht Richter, und Richter ist nicht die “junge Welt”. Natürlich ist er da der Hausmaler, aber es ist ja nicht gerade so, dass die keine anderen Leute zulassen.

    Zugegeben: Richters “Kunst” ist die Pest auf Leinwänden; kaum zu etragen diese Ästhetik des Hässlichen und in Kombination mit Hacks’ Klassizismus so ziemlich die sinnloseste Kooperation seit Heiner Müllers “Macbeth”-Schändung.

    Aber nennen Sie mir mal eine Zeitung, in der ausnahmslos intelligente und kultivierte Leute schreiben bzw. in deren Dunstkreis verkehren. Idioten gibt es überall. Beurteilen Sie eine Zeitungen wie alles andere auch: nicht nach ihren Fehlern, sondern nach ihren Vorzügen. Und lassen die Kommunisten in Ruhe. Die können nichts dafür, dass immer mal wieder Romantiker daher kommen, die meinen, auch sie dürfen sich auf Marx beziehen.

  8. Peti, the Vampire Slayer 8 Peti, the Vampire Slayer

    Thomas J. Richters außerordentliches Talent lässt doch staunen:

    »Liebende«, Holzschnitt von Thomas J. Richter, 2008, Sammlung Beerenbaum & Knochler (c) junge Welt 2009

    Fast nicht für möglich hält man, daß die beiden hier zitierten Bilder von ein und demselben Künstler stammen, so verschieden sind die Ausdrucksformen und die Inhalte.

    Hierzu ein Zitat aus der heutigen jW:

    Die Autoren rühren an allerhand Tabus. Daß beispielsweise ein Buch auch schön sein sollte, gut gestaltet und gedruckt, gilt diversen politisch Aktiven schon fast als Tabu, weil schöne Dinge doch überflüssig seien. Der Künstler und Kommunist Richter, ein Tabuberührer sui generis, hat das Buch mitgestaltet. 32 seiner Arbeiten, erotisch bis hocherotisch, sind abgebildet, was dem Engagement des Verlegers zu danken ist und verhindert, daß dieses Buch in eine Schublade paßt.

    Wenn ich mir die Bilder von dem Tabuberührer sui generis so ansehe, dann befürchte ich sehr, sie werden nicht gefragt werden, die Tabus, ob sie überhaupt berührt werden wollen und wo.

  9. Ina Eff 9 InaF

    Tabuberührer sui generis

    Ab dreissig Euro pro Schnitt
    Berührte er jedes Taboo
    Er fasste in jeden Schritt
    Und scheuerte jeden Po.

    Sechs schwule Muselmanen
    Die hat er wohl portraitiert
    Mit grossen Riechorganen
    Und gänzlich glattrasiert.

    Zwei geile Feuerwanzen
    Auf einem Aquarell
    Die waren inmitten Pflanzen
    Ganz eindeutig sexuell.

    Er rührte an den Schlaf der Welt
    So ruchlos wie noch keiner,
    Und wem sein Oeuvre nicht gefällt:
    Ist verklemmt.

  10. AH 10 AH

    Herrlich, noch’n Gedicht! Mein Lieblings-Gehackstes!

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