Brückenbau

Auf der Seite von Dschungel.Anderwelt: Paul Reichenbach liest George Devereuxs „Baubo. Die mythische Vulva” – mit der Erkenntnis, dass die menschliche Psyche die einzige Brücke sei, die den modernen Menschen noch mit der Antike verbinde. Eine spätabendliche Tagebuchimpression.„Ist doch ihre phantasmatische Essenz, das Unbewusste – in allen Zeiten zu Haus.“

Alles eine Frage der Auslegung, hätte vielleicht Peter Hacks am Tage darauf geantwortet und dabei – wie Paul Reichenbach – an Orest gedacht:

Die auf uns gekommene Version, der zufolge Orest der Ehebrecherin den verdienten Lohn erteilt und dann mit Iphigeniens Hilfe davon kommt, ist eine Propagandafassung, in die Welt gesetzt von Ideologen der Männerherrschaft. Für sie war der Muttermörder eine Art patriarchalischer Revolutionär.

Hacks schloss daraus: „Der dauernde Wert einer Mythe hängt nicht ab von ihrer ursprünglichen Bedeutung.“

Aus: Peter Hacks, Iphigenie oder: Über die Wiederverwendung von Mythen

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