Am 15. Mai veröffentlichte Martin Mosebach in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 15 Thesen zu Kardinal Lehmanns Betreiben im sog. Fall Kermani. Wir erhielten heute von einer Leserin folgende Zuschrift:
sehr geehrter herr mosebach,
nie lüde ich roland koch, den unhöflichen nichtteetrinker an einen tisch zu mir. würgend der ruf carl schmitts nach einem engelein in belgien. nie bäte ich ne vettelhupfdohle auf esotrip um erklärung des zimzum. ihre frage 9 ist die beste - vielleicht ist sie ja schwattester balsamico (in farbe und gusto von
lütticher köstlichkeit) aus händen der ältesten liebfriuwe.das lutherische wort ” ärgernis” bei paul ist evt. weiter zu übersetzen, besser angemessen (der zorn der juden auch pauls ) war ja möglicherweise auf der seite des gesalbten, den eine menge liebevoller (vgl. feuerbach) gern als jefe wollte.
bin mal in die arte-sendung corpus christi eingestiegen, wo ein jüdischer exeget erklärte, daß das: ‘gebt uns barrabbas ‘ bedeutet: gebt uns den sohn des vaters. sicher kennt lehmann das werk, auch das über das “sitzen der wüstenväter”, das auch ihm zeigt, daß durch überdehnung der myofascien trancen ausgelöst werden. - wir haben die isotopenmethoden.
der quäl- und strafsüchtige johannes lancierte seine lesart aus patmos. eco hebt hervor, wovon jede erzählung erzählt. mir sagen die forschungen dieter justs etwas über den danach faschistischen leser h.st. chamberlain, der seine ablehnung hegels auf einer ichkunstreise in antiwissenschaftliche “zuwendung” in sein missverständnis von naturwissenschaft münden ließ; vgl. hier peter hacks, “zur romantik”.
die selbstverführung hsc’s über auserwählende personenkulte für den romantisch einsamen. bis heut lieben viele deutsche die ravennapilgerei auch zur selbstentlastung. und zur wiederaufwärmung der eignen unübertroffenen dollheit. die form carl schmitts und ernst jüngers wie paul de mans hierzu kennemer ooch, und lorenz jäger nennt die zu früh verzeihenden appelle wie den des zu geduldigen benjamin an christen wie carl schmitt [vgl. auch den später vergeblichen celans an einen nudelsuppenkasper wie heidegger mit dessen "herzen aus bündner fleisch" (claire goll)], also die ergänzenden beispiele des ungeschuldeten verzeihens, d.h. großer toleranz, die familiär individuell beschwiegen wurden wie evt nicht genügende kenntnisse gershom sholems (über die durchgängigkeit der gnosis (vgl. das albigenser-epos lenaus) und seine immer noch zu große nachsicht gegenüber den mördern benjamins - [o nein-nicht ? in effigie] ein “unschönes gegen?stück” ja gohts noch … nach dem rechthaberischen letzten jünger-wort war mit e.j. nicht mehr zu reden.
just zeigt gut wie z.b. jemand, auch ich, das brod tunkend, immer wiederholend weiß : ich werde es wohl gewesen sein, sags mir, barabbas.
freundliche grüße d. b.*
Wir haben uns erlaubt, den Text hier unkommentiert wiederzugeben, auch um zu zeigen, wie breit das Spektrum derer ist, die sich mit Hacks beschäftigen. Der Brief wurde an die Redaktion der F.A.Z. weitergeleitet.
* Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt.




Martin Mosebachs Text ist nun auf der FAZ-Seite frei zugänglich:
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EB3ED17DCB13B4107ABCEBB705E167E88~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Und: es sind 12 Fragen, nicht 15.
Dies noch: Wenn die Linken in Deutschland würden denken wollen, dann könnten sie aus dieser Debatte sehr viel lernen. Aber sie wollen ja glauben, die Linken, vor allem an sich.
Aber sie wollen ja glauben, die Linken, vor allem an sich.
Das, lieber Herr Thiele, lässt sich von den Brüdern der Bourgeoisie aber auch gut sagen.
Ob bürgerlich, ob kommunistisch: Die Linken sind in allen Lagern eine Pest.
Mosebachs 12 Fragen gefallen mir ausgesprochen gut. Er bringt die ganze Verdrehtheit und das peinliche Doublethink von Lehmann, Koch und was sonst noch dranhängt, sehr gut auf den Punkt.
Wir leben in einer Gesellschaft, die sich in Religionsfragen freizügig gibt, aber jedesmal, wenn sie das einmal in der Tat beweisen müßte, kommt ihr merkwürdigerweise was dazwischen; z.B. ein Kardinal, der nicht in der Lage ist, den Aufsatz eines deutschiranischen Autoren zu verstehen, der vermutlich besser Deutsch kann als er (der Kardinal). Oder aber ein Ministerpräsident, der rassistische Wahlkampagnien macht, trotz mehrfacher öffentlicher Lügen an seinem Sessel klebt und dessen Hobby peinliche NS-Vergleiche sind.
Nein, Mosebach hat gut geschrieben, ohne Frage. Aber was man aus dieser Debatte insgesamt vor allem lernen kann, ist, auf welchem Niveau die Denkkultur dieses Landes in Bezug auf manche Frage noch immer ist.
Ob bürgerlich, ob kommunistisch: Die Linken sind in allen Lagern eine Pest.
Ob blond, ob braun - ich liebe alle Fraun …