Auch die tageszeitung bringt heute einen Bericht zur Enzensberger-Tagung. Nachdem Alexander Cammann etwas zum vermutetem Skeptizismus bei Enzensberger gesagt hat, stellt er fest:
In Grundsatzfragen konnte allerdings zumindest der frühe Enzensberger auch anders, wie Stephan Schlak (Marbach) anhand des Briefwechsels mit Peter Hacks darstellte: Während der in die DDR gegangene Hacks die Lyrik des Kollegen heftig attackiert (”Schnulzen”), wird Enzensberger im Januar 1959 zum vehementen Verteidiger der Bundesrepublik gegenüber der östlichen Ideologie: “ich habe fragen, sie haben antworten”, die zudem “erbärmlich” seien, ein gutes Gewissen machten und “die mühe und die trauer des zweifels” ersparten.
Natürlich hat Hacks nicht Enzensbergers Lyrik attackiert, sondern die dahinterstehende Weltsicht; die Lyrik hat er ausdrücklich und immer wieder gelobt. Aber naja.
Viele Zeitungen berichten über die Enzensberger-Tagung in Marbach, wenige aber gehen auf das Verhältnis Hacks-Enzensberger ein. Immerhin, in der Süddeutschen Zeitung schreibt Volker Breidecker heute:
Der Berliner Historiker Stefan Schlak stellte den jüngst entdeckten brieflichen Schlagabtausch zwischen Enzensberger und dem Erzstalinisten Hacks vor. Es war ein nachgeholtes Duell zwischen “Klassik” und “Romantik”: Erklärte Hacks seinen Rivalen zum kleinbürgerlichen Schnulzensänger, so klagte Enzensberger, der über Clemens Brentanos Poetik promoviert hatte, “die Mühe und Trauer des Zweifels” ein.
Das Duell war kein nachgeholtes, sondern ein sehr gegenwärtiges. “Kleinbürgerlich” ist bei Hacks kaum ein Schimpfwort. Dass Hacks Enzensberger einen Sänger genannt haben soll, ist eine seltsame Behauptung. Und: Enzensberger bleibt ohne Beiwerk, aber wenn in der SZ der Name Hacks fällt, darf, ebenso zwanghaft wie auf dem Käsebrot die Prise Paprika (edelsüß) und das Zweiglein schlappe Petersilie, das Wörtchen “Erzstalinist” nicht fehlen.
Der Briefwechsel sei jüngst entdeckt? Wie sagte Gremliza so treffend: Wenn die mal was entdecken, dann den Kolumbus.
Wie gestern angekündigt, wird die Frankfurter Allgemeine Zeitung in der Druckausgabe von morgen ausführlich über die Enzensberger-Tagung in Marbach berichten. Uns erfreut schon heute dies:
Dieser Gestus des Kriminalinspektors, der einer Sonderkommission Ermittlungsergebnisse vorstellt, war recht typisch für diese Marbacher Tagung über „Hans Magnus Enzensberger und die Ideengeschichte der Bundesrepublik“.
Das ist erfrischend direkt geurteilt. Und so geht es auch weiter:
‘Definitionsscharmützel’ »
Am 27. März 2008 brachte MDR Artour ein Fernseh-Feature zum 80. Geburtstag von Peter Hacks, das sich kurze Zeit später bei YouTube wiederfand.
3.100 Zuschauer sahen sich den Clip dort mittlerweile an - und vier gaben Kommentare ab:
Rethel123 - Peter der Große bei YouTube - danke vielmals!!! Ob’s ihm gefallen hätte - man weiß es nicht, so mit Herrn Schirrmacher. Und und aber: synchron wär’s noch schöner!
Terraner20 - hacks, ein großer mann! danke fürs posten.
thulittwo - Großartig, dass hier was über Hacks zu finden ist. Danke dafür.
BodoBietigheim - Peter Hacks ist der wichtigste deutsche Dichter seit Heinrich Heine!
Mehr YouTube-Videos mit Hacks-Bezug finden Sie hier.
Donnerstag und Freitag fand in Marbach am Deutschen Literaturarchiv die interdisziplinäre Tagung Hans Magnus Enzensberger und die Ideengeschichte der Bundesrepublik statt. Am Freitagabend stellte sich Enzensberger Fragen von Moderation und Publikum, die Frankfurter Allgemeine Zeitung bietet heute bereits eine plastische Schilderung des Gesprächs. Uns interessiert natürlich primär, ob er konkreteres zum Briefwechsel mit Hacks gesagt hat:
‘Mitarbeiter der Stiftung Warentest, Kategorie Gesellschaftssysteme’ »
Christoph Buchwald und Klaus Wagenbach haben 20 Jahre nach dem Untergang einer Republik eine Anthologie von 100 Gedichten aus deren Restbeständen zusammengestellt. Der Tagesspiegel rezensiert:
‘Eindeutige Frechheiten’ »
Man wird ja mal fragen dürfen. Und Peter Kleinert von der Neuen Rheinischen Zeitung gibt heute in einer ebenso langen wie kenntnisreichen Rezension des vierten Heftes des ARGOS eine solide Antwort:
Warum aber wird dem – wie manche Literaturwissenschaftler und Leser meinen – wohl bedeutendsten Klassiker des 20.Jahrhunderts eine Heftreihe unter diesem Namen gewidmet? Hacks-Kennern fällt die Antwort leicht, hat doch der junge Theaterwissenschaftler, Dramatiker, Dichter, Essayist und Kommunist, als er 1955 von München nach Berlin-DDR übersiedelte, nicht wenige seiner Bühnenstücke aus Komödien und Dramen der griechischen Klassiker entwickelt.
‘Warum ARGOS?’ »
Unter diesem Titel bringt das Neue Deutschland heute eine ausführliche und lobende Rezension des vierten Heftes des Hacks-Journals ARGOS von Uwe Schwentzig:
Nicht nur zu Jubiläen: Der Eulenspiegel-Verlag Berlin und der Verlag André Thiele in Mainz bemühen sich seit Jahren um Werk und Bedeutung des 2003 verstorbenen Dichters, Dramatikers und Essayisten Peter Hacks. Lebendige Präsenz ist ihm, dem in den letzten Lebensjahr(zehnt)en sehr Verdrängten, vor allem Dank ihnen sicher. Eine Extra-Rolle dürfte da die Halbjahresschrift „Argos“ spielen, deren Nummer 4 pünktlich zu Buchmesse und 81. Geburtstag von Hacks (21.3.) erschien.
‘Ist Ulbricht Numa?’ »
Hacks påbörjade på 1950-talet ett intensivt arbete om Bertolt Brechts verk. Trots att Brecht avrådde Hacks, flyttade Hacks tillsammans med sin fru till DDR 1955. Där samarbetade han med Brecht i någon omfattning men utvecklade med tiden ett självständigt författarskap. Sitt genombrott som dramatiker i DDR fick Hacks 1956 med pjäsen Schlacht bei Lobositz. 1964 valdes han in i PEN-centrum i DDR och 1972 blev han medlem i DDRs Akademie der Künste (konstakademi). När han 1976 uttalade sig positivt om att lyrikern Wolf Biermann förlorade sitt medborgarskap i DDR straffades han med en bojkott av många regissörer, konstnärer och kritiker. Hacks gladdes inte över DDR:s upphörande utan betecknade det som en kontrarevolution. Han lämnade konstakademin 1991 och drog sig tillbaka ur offentlighetens ljus. Hacks fortsatte skriva under sina återstående år, men glömdes bort mer och mer.
Im Mitteldeutschen Verlag ist dieser Tage ein bemerkenswerter Band Lyrik erschienen: Die Wiederstedter Elegien von Ralf Meyer.
Für die Mitteldeutsche Zeitung rezensiert heute Christian Eger das gelungene Werk und erwähnt dabei auch Meyers Affinität zu Hacks:
‘Nur die Liebe zählt’ »
2009 ist ein Jahr runder und halbrunder Jubiläen, die uns interessieren: Heiner Müller, Alfred Matusche, Gründung der DDR und - Armin Stolper.
‘Wer wollte nicht ein Stolperstein auf einer Pflasterstraße sein?’ »
Weltenbummler / Os vagamundos
Heute um 15 Uhr spielt in Berlin im Kunsthaus e.V. / Jugendkunstwerkstätten das Puppentheater Fingerleicht nach Geschichten von Peter Hacks ein Stück in deutscher und portugiesischer Sprache.
Kunsthaus e.V./Jugendkunstwerkstätten, Danziger Straße 101 (unterm Theater unterm Dach), 10405 Berlin. Karten: für Gruppen 3/6 Euro, für EinzelbesucherInnen 5/10 Euro.