„Robert Havemann“. Ein Drama von Ionesco

Wikipedia sagt, Robert Havemann sei folgendes zugestoßen: Er konspirierte gegen die Nazis, wurde von denen ertappt und zum Tode verurteilt, dann aber setzten sie die Vollstreckung, weil er kriegswichtige Forschung machte, bis zum Kriegsende aus.  - Führt man sich diese Situation noch einmal vor Augen, weiß man, woher Ionesco seinen Stoff nahm.

Der Chemiker und Nationalpreisträger der DDR, der 1945 von der Roten Armee aus der Todeszelle im Zuchthaus Brandenburg befreit worden war, wandelte sich 60er Jahren vom ostdeutschen Starwissenschaftler zum Stardissidenten.

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Ein Volk. Ein Reich. Ein Beschwerdeführer.

Das Volk steht auf! Die ReclaBox beinhaltet nicht etwas, worein man sich die Nase schnäuzt, im Gegenteil, es sind aufgebrachte Bürger darin, denn ReclaBox, das ist die „beliebteste deutsche Verbraucherschutzseite“   - da fragt man sich unwillkürlich, ob es am Verbraucherschutz etwa auch deutsche Seiten gibt, die unbeliebt sind.

Die Sache läuft wie folgt: Jede Klemmtrine, die ernsthaften Menschen, die in Ruhe und Gelassenheit um eine Fahrkarte anstehen, durch nicht enden wollendes Debattieren mit dem armen Menschen am Schalter Stunden um Stunden an Lebenszeit kostet, jeder Zwangsaufreger und Bürgerrechtsaktivist kann bei ReclaBox eine Konto anmelden, dann bekommt er einen Namen, der zumeist in der Form „ReclaBoxler-153667399203394“ gebildet wird, was besonders spaßig ist, wenn „ReclaBoxler-1536673926503334“ einen Satz von „ReclaBoxler-15366739203323“ zitiert und „ReclaBoxler-153667399205436“ erheblichen Bedarf hat, einzubringen, was „ReclaBoxler-15366739126438990“ in diesem Zusammenhang zu „ReclaBoxler-1536673920049958834“ gesagt hat, und kann der Öffentlichkeit vortragen, was bisher nur der Kartenschalterbeamte stumm anhören musste:

Online ungültiges Ticket bei der Bahn gebucht!

Ich habe für meine Frau online eine Fahrkarte gebucht, jedoch mit meiner VISA-Karte bezahlt.

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Von Hacks zu Droste

Ist Ihnen aufgefallen, dass es keine Clowns mehr gibt? Der Weltgeist scheint sie alle gefrühstückt zu haben.

Da gibt es eine richtige Traditionslinie, die beispielsweise über Ringelnatz, Peter Hacks und Peter Rühmkorf zu Wiglaf Droste oder Thomas Gsella führt.

Der Kerl heißt Maintz, kommt aber nicht von hier:

Kann man über anspruchsvolle Lyrik überhaupt lachen, Herr Maintz?

Ich finde: ja.

Also hat Nestroy doch noch eine Chance! Gottseidank. - Ich finde ja, man sollte alle selbstgefälligen Idioten, die auf Fragen mit einem “Ich finde: ja” antworten, einfach auf 10.000 Fuß aus dem Flugzeug werfen. Wollen doch mal sehen, ob sie dann noch jemand findet, ja?!

This You Must Expect

Wir erhalten folgende Zuschrift (Name, Anschrift und Denkweise sind der Redaktion bekannt):

Lieber Herr Thiele,

vor einiger Zeit schrieben Sie auf der PHS, dass Stefan Otto unbezahlt sei. Das finde ich gut.
Ich mag ihn nämlich, doch ist er der falsche Mann am rechten Ort. Ehe die PHS begraben und zu einem Mythos verklärt wird, möchte ich meine Wünsche äußern.
Was mir am Hirnzen liegt, ist eine PHS wie sie war, als dort ein rauher polemischer Wind fog und Verwegene anzog. Wen mag sie momentan anziehen außer den letzten lebenden Pionierleiterinnen? Ich würde - und glaube mich da nicht allein - für eine neue Angriffslust locker meine 20 Ocken monatlich berappen. Hat der Prozess mit der Seite nicht gezeigt, wie unfroh es macht, Rücksichten zu nehmen?

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Gesten versuchter Fürstenerziehung

Wie hält Stefan Otto das nur aus?

Am Horizont aber ragt die Mühle des berühmten Müllers von Sanssouci auf. Auch ein DDR-Literaturgelände ist dies also. Peter Hacks hat vor Jahren eine didaktische Erzählung über die Ausei­nandersetzung des pfiffigen Potsdamer Müllers mit dem Preußenkönig geschrieben. Der wollte die Mühle, weil sie ihn störte, abreißen lassen, ließ dann aber Einsicht in die Prinzipien aufgeklärten Despotentums walten. Hacks’ Nacherzählung der Legende war als solidarisch-ironischer Appell an die neuen Despoten gemeint; vorüber nun auch solche Gesten versuchter Fürstenerziehung. Und schön, dass die alte Mühle noch steht.

Blablablablablablablabla. Blabla.

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Das Leben.

Wäre ich Kommunist, ich dächte ganz wie André Müller senior. Ich bin aber Verleger; meine Pflicht ist es nicht, die Revolution zu machen, sondern gute Bücher. Eines der Bücher, die ich am liebsten gemacht hätte, ist soeben erschienen; leider nicht bei mir, worüber ich mich ewig ärgern werde, sondern bei André Müller seniors Hausverlag Eulenspiegel: „Die Partei der Knoblauchfreunde“.

Linke Modeschwätzer durchschaut man am leichtesten mit zwei einfachen Fragen: Wie gut kennen sie Stalin? Was sollen sie taugen, diese Leute, die sich die Welt mit einer Theorie erschließen, aber mit dem konsequentesten Anwender dieser Theorie so ihre höchst subjektiv gestimmten Problemchen haben.  - Kennen sie „Die Partei der Knoblauchfreunde“? Sie kennen sie üblicherweise nicht. Was sollen sie dann taugen?

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Oberflächlich gesehen

Nach Rimini, der hübschen kleinen Stadt an der Marecchia, hat die Welt zwei Dinge benannt: Einen zu kurzen Rock und das Wort Riminiszenz, was eine Erinnerung an herrliche Urlaube in der Emiglia-Romana bedeutet. Dann aber haben es die Bildungsjobber missverstanden und bringen es nun immer und überall und dann auch noch falsch geschrieben:

Marco Tschirpke wirkt auf der Bühne, oberflächlich gesehen, fast verloren, scheint sich selbst, seine Texte und seine virtuosen Klavierpassagen quasi aus dem Augenblick heraus zu erfinden, ständig vor dem Abbruch und dem Abgang. Seine chansonartigen Reminiszenzen an den 1955 aus dem Westen in die DDR eingewanderten unbequemen Lyriker Peter Hacks sind kurz und haiku-artig, die Sätze bleiben im Raum hängen, kaum hörbar und überraschend vollendet, das Lachen des Publikums kommt manchmal herzlich, manchmal bleibt es auch im Halse stecken.

Heiku ist wahrscheinlich die Freundin vom Riminiszenten, der Rimini und Remnibi nicht auseinanderhalten kann. Wir freuen uns, dass Marco Tschirpke Eindruck macht, und verweisen auf seine CD mit Vertonungen von Hacks-Liedern.

Zwei Welten treffen aufeinander

Kennen Sie noch Otto Waalkes’ alten Witz?: Zwei Straßen treffen aufeinander.

Sie meint, er sei zu sensibel „für den Dienst am Kunden“, er sieht sie als „verknöcherte alte Schlampe.“ Sie ist in den Wechseljahren, er hat „den Blick durch die rosarote Brille längst verloren“. Zwei Welten treffen aufeinander im Theaterstück „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“: Der homosexuelle Tanzlehrer und die Witwe eines Baptistenpredigers.

Oh kniet mit mir, dies seltne Glück zu preisen!  - Ich fühle mich nach dem Lesen dieses ersten Absatzes, als hätte man mich binnen einer Minute durch die bewussten sechs Tanzstunden getrieben. Und die Sache ist nicht etwa ausgestanden:

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Das Banale hat Hausverbot

In der Tageszeitung junge Welt melden sich Constanze und Dr. Dieter Kraft zu Wort, sie Pfarrerin zu Berlin, er Herausgeber der Zeitschrift Topos. Beide feiern den heutigen 70. Geburtstag der Hacks-Kennerin Prof. Dr. Heidi Urbahn de Jauregui mit überschwenglichen Worten:

Wenn sie ihre Texte vorträgt, wird es im Publikum hörbar still, denn selten übergreifen sich Inhalt und Form so apart wie bei dieser deutschen Französin, die als französische Deutsche sich selber zu übergreifen scheint. Dialektik ist da bereits biographisch angelegt. Und nur im Dialektischen scheint Schönheit wahrhaft auf. In ihm hat das Banale Hausverbot, die Dummheit ohnehin.

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Vorbei und nicht vergessen

Wir stolpern über dies:

Vorbei und nicht vergessen. Über die Literatur der DDR

Die DDR beschäftigt uns weiterhin mittels ihrer zurückgelassenen Kunst. Was immer man ihr, mit Fug oder Unfug, vorwerfen mag, an einer Erkenntnis kommen Übel- wie Wohlgesinnte nicht vorbei: dass sie eine Kunst hervorgebracht hat, die ihresgleichen sucht. Hierbei geht es um Kunst im Sinne von Dauer. Die Liste derer, die die DDR uns hinterlassen hat, ist kurz, aber bedeutend. Zu nennen sind zum Beispiel Peter Hacks, Heiner Müller, der erst noch zu entdeckende Alfred Matusche, der eben gestorbene Jochen Berg. Diskussion / Vortrag mit: André Thiele

Termin: 23.03.10, 19:30Uhr, Ort: Buchladen Bücherkiste, Bismarckstr. 3, 57076 Siegen, Nordrhein-Westfalen Kontakt: RLS Nordrhein-Westfalen, Tel:0203 3177392 Besonderheiten: In Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Club Siegen, Links im Dialog und Linke Liste Siegen

Rosa-Luxemburg-Club Siegen, Links im Dialog und Linke Liste Siegen - und Thiele behauptet von sich, er sei kein Linker. Na dann!

Vorlesen ist Freiheitsberaubung

Pitte wass? Aber der Aktionsblog Jugendkulturbox meint es gar nicht so:

OK, so schlimm ist es nun auch wieder nicht, aber etwas Wahres ist doch dran, denn beim Vorlesen gestalten wir einen Text und grenzen so den Spielraum für eigene Sichtweisen, Bilder, und Interpretationen ein. Aber gerade Kinder brauchen den Freiraum eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit der Geschichte verbinden zu können. Auch Vorlesen will also gelernt sein.

Wie so manches, Logik zum Beispiel oder Zeichensetzung. Etwas Wahres ist an fast allem und üblicherweise auch an dessen Gegenteil, sogar der Schwachsinn hat meist irgendetwas für sich. Zum Beispiel dieser:

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Die „Jona“-Schlaubergerei

Hacks in - sitzen Sie? Nicht, dass Sie mir vor Schreck umfallen! Also: Hacks in Theater heute. Huch! Wie konnte das denn passieren? Hat die postmoderne Wachsamkeit nachgelassen?

Es geht um die Wuppertaler Inszenierung von „Jona“. Das Internetportal kultiversum.de, das von THh betrieben wird, bringt einen Artikel aus dem THh-Heft vom Januar 2010 von Martin Krumbholz:

Hacks hat immer einen erzieherischen, gouvernantenhaften Blick auf die Welt gepflegt; letztlich geriet ihm alles zu einer Stilfrage, zu einer Frage des mehr oder weniger gut gekonnten Handwerks.

Ich kann verstehen, dass das nervös macht, wenn man dem Theaterunsinn der Gegenwart vorsteht. Und nun hören Sie sich mal diesen Quatsch an:

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