Hacks’ Drama »Der Maler des Königs« gehört zum Spätwerk, nimmt in diesem allerdings eine Sonderstellung ein, weil es weniger gesellschaftliche Fragen, als vielmehr die Frage nach Position und Funktion des Künstlers in der Gesellschaft und im Staat in Angriff nimmt und augenscheinlich die Bedeutung von persönlicher Konkurrenz für die Kunst behandelt.
Der Drei Masken Verlag, München - Hacks’ Theaterverlag - meldet nun die Uraufführung des 1991 veröffentlichten Werkes:
‘Uraufführung von »Der Maler des Königs«’ »
So sehr Felix Bartels in seiner Studie »Leistung und Demokratie« versichert, daß es ihm darin hauptsächlich um eine Untersuchung der Beziehung von Dichter und Zeit geht, so wenig glauben wir, daß diese Inhalte nicht auf unsere Gegenwart anwendbar sind. So gesehen verhandelt Bartels an einem zurückliegenden Gegenstand die Sarrazin-Frage, und er tut das, soweit wir sehen, besser als der gegenwärtige Blätterwald.
Martin Hatzius (Neues Deutschland) kommt in seiner Rezension von »Leistung und Demokratie« zu ähnlichen Schlüssen: ‘Denkwürdigkeiten’ »
Die Akademie der Künste in Berlin hat eine komplette Audio-Aufzeichnung der Präsentation der »Berlinischen Dramaturgie« am 19. Oktober online gestellt.
Von 1972 bis 1990 hat sich Peter Hacks regelmäßig mit Künstlerkollegen, Literaturwissenschaftlern und Kulturpolitikern zur Dramatik und Ästhetik in Hinblick auf ihre gesellschaftliche Bedeutsamkeit und Wirkung ausgetauscht. Die Protokolle der 30 Gespräche aus dem Bestand des Historischen Archivs der Akademie der Künste sind im Aurora Verlag erschienen.
Die Dokumentationen von Live-Diskussionen rund um Hacks’ Werk nehmen zu, ein absolut begrüßenswerter Vorgang.
Am 6. November fand in Berlin die dritte wissenschaftliche Peter Hacks Tagung statt, ausgerichtet von der Peter Hacks Gesellschaft e.V.. Der Tagungsband mit den Beiträgen wird im März 2011 im Aurora Verlag erscheinen. Eine kurze Auswertung, mit einem launigen Beitrag von Felix Bartels, findet sich hier.
Ein zentraler Vortrag war der von Dietmar Dath unter dem Titel »Growing Nervous: Lord Byrons antiromantische Romantik«. Auf YouTube wurde soeben von unbekannter, darum von uns um nichts weniger herzlich geschüttelter Hand eine Serie von Videos eingestellt, die den ganzen Vortrag umfassen sowie die anschließende Diskussion. - Ein sehr schönes Dokument einer lebendigen geistigen Auseinandersetzung.
‘»Growing Nervous« im TV’ »
Wir erhalten folgende Zuschrift, die unsere geschätzten Leser interessieren könnte:
Liebe Herren!
Da mich die Hacks-Site zum Kommentieren nicht mehr reinläßt, auf diesem Weg:
Klingt spannend, diese Tagung vom letzten Samstag. Wäre ich gern hingekommen. Leider war ich nicht da. Schreibt zumindest die Berliner Zeitung, die auch von einer Suhrkamp-Ausgabe der “Maßgaben” weiß. Auch das klingt interessant. Auch damit hatte ich nichts zu tun. Werd mir wohl mehr Mühe geben müssen.
Gutgelaunt grüßt: Dath
Nachricht an den Gutgelaunten: Das »Neue Deutschland« vermerkt heute, dass er doch da war. Wir können also beruhigt sein; all die Dath-Anekdoten, die uns von der Hacks-Tagung hinterbracht worden sind, sind wahrscheinlich genau so erstunken und erlogen, wie wir uns das schon gedacht haben, aber sie haben offensichtlich doch immerhin so viel Substanz wie die von Pasiphae hinterbrachten Hacks-Anekdoten.
Wir wissen aus sicherer Quelle, dass die dritte Hacks-Tagung in Berlin am vergangenen Wochenende die beste bisher veranstaltete gewesen ist, und wir gratulieren der Peter Hacks Gesellschaft e.V. dazu, nicht nachzulassen, sondern das Niveau kontinuierlich zu steigern. Das Presseecheo war, bisher, schwach, aber in der Berliner Zeitung findet sich ein langer und absolut lesenswerter Artikel:
Mit Ausnahme des Literaturprofessors Theodore Ziolkowski aus Princton/USA [...] trugen ausnahmslos junge, teils noch nicht promovierte Wissenschaftler ihre Gedanken vor, denen naturgemäß jedes nostalgische, sentimentale Herangehen an Hacks fremd ist, die sich als außerordentlich kenntnisreich erwiesen.
Solange es solchen akademischen Nachwuchs gibt, ist Deutschland nicht verloren.
Unsere Sammlung von Fundstellen und Ereignissen: Peter Hacks im Netz und andernorts. Ohne Gewähr, dafür mit Pepp.
8. November 2010 - »Dazu passt seine Hommage an die „sozialistische Klassik“ und „Hausgott“ Peter Hacks, dessen ohnehin schon wagemutig eingedampfte Kurzlyrik Tschirpke, na was wohl, einkürzt.«
‘Monatsübersicht (November 2010)’ »
Unsere Sammlung von Fundstellen und Ereignissen: Peter Hacks im Netz und andernorts. Ohne Gewähr, dafür mit Pepp.
28. Oktober 2010 - Reinhard Wengierek mag einmal den Peter Hacks nicht, das aber sehr gern: »[...] aristokratisch kalten Altstalinisten [...] selbsternannt einziger Lordsiegelbewahrer des Klassischen [...] Hacks machte den kalt und hoch tönenden Einpeitscher [...] Goethe, selbstverständlich von Hacks vertreten [...] Sammlung von Lehrstückchen über ästhetische Kriegsführung [...] Was da für Schlachten geschlagen wurden; freilich immer hinter gut geschlossenen Türen.« Usw. usf.
28. Oktober 2010 - Martin Jürgens mag in KONKRET 11/2010 den Peter Hacks, das aber sehr ungern: »Hacks’ dem Pathos durchaus zugewandtes Formbewußtsein gilt keinem verselbständigten Fetisch namens Staat, Partei oder Ordnung, sondern dem sich in der Welt vergegenständlichenden Menschen [...]« Usw. usf.
‘Monatsübersicht (Oktober 2010)’ »
Ab morgen liefert der VAT Verlag Andre Thiele als dritten Band der »Edition Neue Klassik« das Buch »Leistung und Demokratie« von Felix Bartels aus. Es handelt sich um einen Essay von 190 Seiten Umfang. Sein Gegenstand ist das Werk von Peter Hacks, besser gesagt: Die »Struktur hinter der Struktur« im Werk von Peter Hacks. Hören wir den Autor:
Die Untersuchung ist entstanden im Winter 2008/09, und ich habe sie lange zurückgehalten, weil sie als Teil eines größeren Projektes geplant war, dessen Realisierung sich nunmehr aus Zeit- und Kraftgründen zerschlagen hat. Damals konnte ich noch nicht ahnen, daß ihre Veröffentlichung mit einem medialen Rummel um ein ganz ähnliches Thema zusammenfällt. Ich kann indes versprechen: Bei mir geht es kaum um Biologie (gar nicht um Genetik), und der Leistungsträger, wiewohl er in meinem Buch Verteidigung findet, wird nicht zum alleinigen Inhaber des Rechts gemacht. Vermittlung also statt Spaltung. Ich mußte Thilo Sarrazins letztes Buch nicht kennen, um in der Frage, wie die Gesellschaft mit ihren Leistungsträgern und die Leistungsträger mit ihrer Gesellschaft umgehen, zu einem vernünftigen Standpunkt zu kommen. Es bedurfte weder der Anregung noch der Abstoßung durch äußerliche Skandale, sondern einfach eines möglichst gründlichen und möglichst sinnvollen Umgangs mit dem Stoff, an dem ich dieses Thema durchspiele. Und dieser Stoff ist Peter Hacks.
‘Hacks verstehen’ »
Die Überschrift ist ein treffendes Motto. Und von wem ist sie?
Der Dichter, Dramatiker und Kinderkenner Peter Hacks (1928-2003) hat einmal ein schönes, verrücktes, kleines Gedicht geschrieben, das heißt „Die Katze wäscht den Omnibus“ [...] Hacks fällt der Unordnung ins Wort [...] Und dichtet eine neue, andere Unordnung herbei [...]
Das alles in der - wrumm! - Frankfurter Zeitung für Deutschland, geschrieben von Volker Weidermann. Erinnert sich noch wer an dessen »Geschichte der deutschen Literatur« von 2006? Wir haben sie nicht zur Hand, wüssten aber zu gern, was darin über Hacks steht. Uns schwant, es war nicht ganz so freundlich wie die heutige Besprechung.
Aus - wrumm! - Hamburg Neues, und das geht so: »konkret« hört nicht auf das, was die Peter Hacks Seite sagt und die Peter Hacks Seite hört nicht auf das, was »konkret« sagt, aber irgendwie haben wir uns immer was sagen gehört. - Letztens hatten wir Gelegenheit, die Peter Hacks Seite in »konkret« erwähnt zu finden, mit einem nebensächlichen Witz, der so endete:
Aber in den Raum stellen wird man es ja wohl noch dürfen!
‘Hacks im Lauf’ »
Einen kleinen, geteerten Zu- und Abfahrtsweg wollten wir wohl gern haben, aber nun hat man uns vor unser kleines, bescheidenes Haus im Grünen des Geistes eine Autobahn hingebaut, die »Hacks-Renaissance« genannt wird, und auf der tagaus, tagein - wrumm! wrumm! - die Hacks-Ereignisse an uns vorbeibrausen. Eben war’s noch die Inszenierung von »Die Sorgen und die Macht« am DT in - wrumm! - Berlin, da wird in - wrumm! - Dresden Uwe Tellkamps Roman »Der Turm« auf die Bretter d. d. W. b. gebracht - of all the novels - und mit dem »Turm« eben auch Eschloraque, also Hacks bzw. »Hacks«. Und während wir noch sinnen, wie man dieses Ereignis publizistisch auf dieser Seite ansprechend verwerten könnte, da - wrumm! - lesen wir dies:
‘Das heißt im Subtext’ »
Uns wurde freundlicher Weise gestattet, den folgenden Austausch des Theaterregisseurs Manfred Dietrich mit dem Dramaturgen Claus Caesar zu veröffentlichen. Herr Dietrich hat selbst Hacks inszeniert, Herr Caesar war maßgeblich an der Aufführung von »Die Sorgen und die Macht« am DT in Berlin beteiligt:
Sehr geehrter Herr Caesar,
habe mich sehr über die Aufführung “Sorgen und die Macht ” gefreut.
‘Zur Inszenierung von »Die Sorgen und die Macht«’ »
Diese Überschrift mussten wir einfach machen. Und sie hat sogar etwas mit Peter Hacks zu tun:
Und Peter Hacks? “Der verkauft sich im Osten wie im Westen”, lacht Oehme. Zahlen spielen da keine Rolle. Hier handelt es sich um einen Fall von Literaturdenkmalpflege. Mit Raffinesse. An den Suhrkamp-Verlag hat Oehme die Lizenz für Hacksens Aufsätze “Die Maßgaben der Kunst” vergeben. Eine indirekte Werbemaßnahme, um Hacks im Westen durchzusetzen. Man leistet sich also kleine Abenteuer. So hat der Germanist Oehme, der in Leipzig über Schiller promovierte, bei Eulenspiegel und im Hamburger Konkret Literaturverlag die Hacks-Polemik “Zur Romantik” auf den Markt getragen. Man brachte es auf identische Verkaufszahlen in Ost und West. Die Randgruppen berühren sich.
Ein kurioser, absolut lesenswerter Artikel von Christian Eger zu einigen Realitäten im Ost-West-Verhältnis.